„Diejenigen, die finden, dass dies ein Eingriff in ihre private Sphäre ist, können von ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrem wöchentlichen Internet-Podcast. Das Verbraucherschutzministerium habe dafür auf seiner Internetseite einen Musterbrief vorbereitet.
Damit griff Merkel weitergehende Forderungen von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) nicht auf, die unter anderem engere gesetzliche Grenzen für Googles Dienst verlangt hatte. Aigner hatte Google in den vergangenen Wochen wiederholt in scharfen Worten vorgeworfen, unter anderem mit „Street View“ die Privatsphäre der Bürger zu verletzen.
„Ich kann mir anhand von solchen Diensten anschauen, wo und wie jemand lebt, welche privaten Vorlieben er oder sie hat, wie seine Haustür gesichert ist oder welche Vorhänge an den Fenstern sind - und das ist noch das Wenigste. Damit wird das Private ohne Schutzmöglichkeiten an die globale Öffentlichkeit gezerrt“, kritisierte Aigner zum Beispiel Anfang der Woche als Google das Projekt für Deutschland vorstellte.
Google schickt mit Kameras ausgerüstete Autos auf die Straßen, um diese in einer 360-Grad-Ansicht abzubilden. Für den „Street View“-Dienst werden die Bilder dann nahtlos zusammengefügt, so dass sich der Nutzer die Straßen im Detail ansehen kann. Deutschland soll bereits weitgehend abgelichtet sein, auch wenn der US-Konzern wegen des Widerstands von Politikern, Datenschützern und einiger Kommunen länger mit einem Start von „Street View“ in Deutschland wartete.
Den im Mai 2007 vorgestellten Dienst gibt es bereits unter anderem in den USA und Großbritannien. Bürger können sich sowie ihre Häuser oder Autos in den Ansichten entfernen oder verfremden lassen. Zum Beispiel hatte Ex-Beatle Paul McCartney in Großbritannien von diesem Recht Gebrauch für sein Londoner Haus gemacht.
Aigner hatte unter anderem strengere Regeln für die Verfremdung der Bilder gefordert, gegen die Widerspruch eingelegt wird. „Die betroffenen Gebäude dürfen nicht erkennbar sein, Hausnummern, Gesichter und Autos müssen vollständig unkenntlich gemacht werden - eine vage Verpixelung reicht nicht aus.“ Zudem verlangte sie, die maximale Aufnahmehöhe auf 1,80 Meter zu begrenzen. Derzeit ist die Kamera, die Google durch die Straßen fahren lässt, auf 2,50 Metern Höhe montiert. Damit rage sie beispielsweise über Gartenzäune oder Mauern.
Der Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom, August-Wilhelm Scheer, kritisierte zum Wochenende Aigners Vorpreschen. Die Ministerin agiere als „Scharfmacherin gegen das Internet“, sagte er im „Spiegel“. Bei der Internetpolitik der Bundesregierung fehle überdies das Gesamtkonzept, jedes Ministerium picke sich etwas heraus und mache daraus einen Publizitätswirbel. „Wir brauchen einen Internetstaatsminister, ähnlich wie der Kulturstaatsminister im Kanzleramt“, forderte Scheer.
Google will kommende Woche auf der IT-Messe CeBIT in Hannover über „Street View“ informieren. Dafür mietete sich der Internet-Konzern erstmals eine eigene Messefläche auf dem CeBIT-Gelände.
dpa
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Kommentare
jk sid09 – 28.02.10
lesen Sie die Presse?reagieren Sie nicht auf bestimmte Meldungen?
Und ändern Sie was mit Ihren gerede?
Die Meinung zu sagen ok.
Verschenkte Zeit,man muß was verändern können und nicht sitzen und nur jammern.
Mir ist das völlig Gleichgültig.
super erfreuter street view nutzer – 28.02.10
ich freue mich ernsthaftDer Stadtnacktscanner - mal andersherum. – 28.02.10
Da ja Politiker bekanntlich käuflich sind, würde ich nur zu gerne wissen was dieser Freibrief Google gekostet hat.Außerdem wäre vielleicht andersrum ein Schuh daraus geworden : Wer sich durch das Merkel in seiner Privatsphäe, durch das Verbot von Google zu sehr beschützt fühle, dem stehe es frei sich auf einer Internetseite zu beschweren.
zur Sache jk – 28.02.10
"Die Haz weis wie man Hetzen darf."Ausgesprochen einfältiger Kommentar von sid09.
Es ist ja wohl nicht davon auszugehen, dass die "HAZ" - wer eigentlich ist die "HAZ" - meine Meinung hierzu teilt.
Und weiterhin ists auch völlig wurscht, wo das Merkel geschlüpft ist.
Vielmehr interessant ist es, wo das Merkel sozialisiert wurde, wie es sich dort für FDJ und Konsorten eingesetzt hat (Agitatorin) und noch interessanter, wie es direkt nach der Wende die Fahne in den Wind hing und plötzlich bemerkte, dass es ja schon immer konservativ war.
Aber mal zur Sache:
Frau Aigner sagte sehr richtig: „Ich kann mir anhand von solchen Diensten anschauen, wo und wie jemand lebt, welche privaten Vorlieben er oder sie hat, wie seine Haustür gesichert ist oder welche Vorhänge an den Fenstern sind - und das ist noch das Wenigste. Damit wird das Private ohne Schutzmöglichkeiten an die globale Öffentlichkeit gezerrt“
Ich wünsche meinen zwei superschlauen Vorkommentatoren viel Spaß damit, wenn sie das nächste Mal einen Kredit beantragen und aufgrund ihrer - auf Google zu besichtigenden - Wohnsituation einen deftigen Zins-Risikoaufschlag bekommen oder wenn ihnen demnächst - aufgrund ihrer suboptimal gesicherten und ebenfalls auf Google zu besichtigenden Haustüre - die Bude ausgeräumt wird.
Und was macht das Merkel in diesem Fall?
„Diejenigen, die finden, dass dies ein Eingriff in ihre private Sphäre ist, können von ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrem wöchentlichen Internet-Podcast. Das Verbraucherschutzministerium habe dafür auf seiner Internetseite einen Musterbrief vorbereitet."
Allein die Formulierung "Diejenigen, die finden, dass dies ein Eingriff in ihre private Sphäre ist" ist eine Frechheit, denn ganz ohne Zweifel ist das Ganze ein eklatanter Eingriff in die Privatsphäre. Da muss man nichts finden oder irgendeiner subjektiven Meinung sein.
Desweiteren ist es ein Schlag ins Gesicht der vielen - zum Beispiel alten - Menschen, welche mit der Thematik überhaupt nicht vertraut sind. Die werden ganz sicher keinen solchen Vordruck ausfüllen können, weil sie gar nicht erst erfahren, dass es einen solchen gibt.
Von einem Staat, dem ich meine Steuern zu entrichten habe, erwarte ich eine gewisse Schutzfunktion - gerade gegenüber dem Gewinnstreben einzelner privater Unternehmen.
Exakt dies kann man beim Merkel und noch viel weniger bei der Westerwelle - welche sich selber ja als Westerwave übersetzt - erwarten.
Wenn ich unter anderem deswegen auf diese beiden Personen hier aufmerksam mache, ist dies keine Hetze, sondern eine klare Meinung zu einem ungeheuren Vorgang, welcher im Moment ziemlich lautlos in Deutschland und weltweit abläuft, ohne dass die Menschen in ihren jeweiligen Ländern überhaupt gefragt werden.
jk sid09 – 28.02.10
In Hamburg geboren!Ein wunder das die Haz sowas stehen lässt.
Die Haz weis wie man Hetzen darf.
Gut, dass wir ... hto – 27.02.10
... wenigstens solche klugen, weitsichtigen, ums Gemeinwohl besorgten, freundlichen und fairen Kommentatoren haben wie jk. Da geht's bestimmt bald wieder aufwärts, gelle?Google jk – 27.02.10
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