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Medien „Mörderisches Wespennest“: ZDF-Krimigroteske mit Schönemann
Nachrichten Medien „Mörderisches Wespennest“: ZDF-Krimigroteske mit Schönemann
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19:50 20.02.2011
Dieses Mal ermittelt Hinnerk Schönemann ganz ohne Uniform. Glaubhaft ist er dennoch. Quelle: ARD

Wer Hinnerk Schönemann im Supermarkt trifft, dürfte achtlos weitergehen: zu unscheinbar sieht der Schauspieler aus, fast gewöhnlich. Es kann also nicht dieses aschfahle, schmallippige, straßenköterblonde Äußere sein, das ihn zum neuen Fernsehfilm-Gesicht macht. Es ist seine Persönlichkeit.

In „Mörderisches Wespennest“ ist sie nun wieder zu bestaunen. Als Privatdetektiv soll er einen vermeintlichen Selbstmord im ländlichen Niedersachsen aufklären und gerät dabei in ein absurdes Geflecht aus dubioser Vetterwirtschaft und dörflicher Ignoranz, das zusehends ins Groteske abgleitet, ohne je albern zu werden. Und mittendrin dieser Finn Zehender (Schönemann) – bauernschlau, tapfer, liebenswert, glanzlos, robust, ein Antiheld, Schönemanns Paraderolle. Keiner versteht es zurzeit besser, Normalität authentisch in glaubwürdige Dramen zu wandeln als der 36-Jährige, der selbst vom Land kommt.

Und am besten gelingt ihm das in Beamtenbeige, als Streifenhörnchen. Streifenhörnchen? Schönemann lacht wie nur einer lachen kann, dessen Arglosigkeit ehrlich ist. „Mit dem Begriff kann ich leben.“ So oft wie er ihn spielt, den Schutzmann, der von großen Kommissaren gegängelt wird, überfordert wirkt und sich doch durchwurschtelt. In Sven Taddickens Drama „Emmas Glück“ gibt er ihn so unbeholfen energisch wie in Markus Imbodens Krimi „Mörderische Erpressung“ oder dessen Nordseewestern „Mörder auf Amrum“, wo er vor einem Jahr schießwütige Gangster durchs Watt jagte oder doch mehr sie ihn? Dass Schönemann diesmal nur ein ehemaliger Polizist ist, ändert nichts daran: Uniformen passen ihm, als trüge er sie auch alltags.

„Deshalb muss ich aufpassen, wie viele ich noch anziehe“, sagt er in Jeans und Turnschuhen im Eck eines Hamburger Theatercafés, wo er sich zwischen vermeintlich Bessergebildeten offenbar so unwohl fühlt wie seine Kleinstadtbullen im Verhör mit vermeintlich Bessergestellten. Der Mecklenburger meidet Menschenmengen. Smalltalk, Partys, selbst das kollegiale Bier nach Drehschluss – „alles nichts für mich“, sagt er. „Ich bin lieber allein“.

Diese Scheu bildet einen spannenden Kontrast zu seinem Job. Und er verdeutlicht ihn mit einem Alleinstellungsmerkmal: seiner Sprache. Das Ungeschliffene unscheinbarer Leute in unbedeutenden Positionen ist sein Markenzeichen. Schönemann verwendet es als Stilmittel, das räumt er ein; bloß gespielt kann es dennoch nicht sein. Zu real – ob im Gespräch oder auf dem Bildschirm – wirkt seine Unbeholfenheit. „Herr Mühlfelder“, sagt sein Detektiv im Dorfkrug zur Runde Honoratioren, die den Ort unter sich aufgeteilt haben, „hat mich eingeladen“. Hüstel. „Ich finde.“ Pause. „Das sollte ihn.“ Lächeln. „Teuer zu stehen kommen.“ Und bestellt Schampus. Solche Sätze schreibt kein Autor, sie müssen wachsen.

„Ich übe höchstens 70 Prozent des Textes“. Der Rest ist Improvisation, wie an der Universität der Künste in Berlin gelernt. Natürlich kann der bühnenerprobte Schauspieler auch werkgetreu rezitieren. „Aber Auswendigpauken fällt mir schwer.“ Er grinst und seine blauen Augen verengen sich zu Schlitzen. Das tut er auch oft im Film, unvermittelt, als Anker ins Selbstbewusstsein. Und wie in vielen seiner Rollen stülpt sich anschließend seine Ober- über die Unterlippe, eine eigentümliche Geste kontrollierten Bebens.

Denn Hinnerk Schönemann, ist unter der Hülle seiner Seelenruhe ein Dampfkessel, in dem es ständig brodelt. Wie der launische Mann von Christian Petzolds „Yella“, als liebenswerter Choleriker in Ralf Husmanns Polizeiserie „Dr. Psycho“ oder nun im „Wespennest“. Dann zittert seine Stimme aus Verlegenheit, Übereifer, Angst vor der eigenen Courage, dann kiekst er auf, lacht nervös, verschluckt die Satzenden. „Ich bin ein hyperaktiver Typ“, gesteht er. Aber ein ausgeglichener Zappelphilipp, zurückhaltend und aufbrausend, einst Kampfsportler, Schildkrötenzüchter heute – geht das? „Das geht! Ich stehe ja nie vor der Explosion, ich bin nur energiegeladen“. Der Frühaufsteher bremse sich schon selber.

Am besten mit Arbeit, ob am Set oder auf seinem Hof im Heimatdorf, wo er als ältestes Kind zweier Ärzte aufgewachsen ist. „Ich genieße körperliche Arbeit“, sagt er. Ein Naturbursche, einfach, anspruchslos, uneitel. Bodenständig? „Ungeheuer“, bekennt er, „das liegt an meiner Herkunft“. Als einer von 70 Einwohnern, daheim im Dorf bei Rostock, „da kann man sich keine Extrawürste leisten“. Auch deshalb spielt er inmitten all der Hauptfiguren, die ihm zusehends angeboten werden, noch immer gern Nebenrollen. „Im zweiten Glied“, sagt er, „kann man sich mehr austoben“. Wie damals, als Witzerzähler im oscarprämierten „Leben der anderen“, ein winziger Auftritt nur, „aber der Wahnsinn“. Sozusagen ein konzentrierter Schönemann: Tiefgründig, und dennoch authentisch, und wundervoll normal.

Jan Freitag

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