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Nachrichten Medien Schlesinger wird künftige RBB-Intendantin
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18:05 08.04.2016
Patricia Schlesinger tritt die Nachfolge von Dagmar Reim als RBB-Intendantin an. Quelle: rbb/Oliver Ziebe
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Berlin

Einem Krimi glich die Intendantenwahl des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) am Donnerstagabend in Potsdam. Zwischen zwei Kandidaten hatten die 29 Mitglieder des Rundfunkrats zu entscheiden und damit über die Frage, wer am 1. Juli für zunächst fünf Jahre der vorzeitig aus dem Amt scheidenden Dagmar Reim folgt: Theo Koll, der 1958 im Rheinland geborene Leiter des ZDF-Studios Paris, oder Patricia Schlesinger, die 1961 in Hannover geborene Leiterin der Abteilung Dokumentation und Reportage des NDR.

Sechs Wahlgänge bedurfte es, bis die erforderliche Zweidrittelmehrheit zusammengekommen war. Nach jedem wurden Koll und Schlesinger, die in zwei Büros an den jeweiligen Enden eines Flurs getrennt voneinander bei Keksen, Käsebrötchen und Kaffee warteten, gefragt, ob sie weiterhin bereit seien anzutreten. Erst um 21.30 Uhr, fünfeinhalb Stunden nach Beginn der Rundfunkratssitzung, trat Schlesinger als fröhliche Siegerin vor die wartenden Journalisten im Foyer des Sendezentrums in Potsdam. Wie bei Papst Franziskus lauteten ihre ersten Worte: "Guten Abend". Dann sagte sie: "Es war jetzt ein langes Warten und auch ein Bibbern, es kam mir vor wie Tage".

Von der Anstalt zum Unternehmen

Konkretes aus ihren zuvor dem Rundfunkrat präsentierten Plänen für den RBB wollte sie aus Respekt vor der amtierenden Intendantin Reim nicht verraten. Dann aber war doch ein wenig mehr von ihr zu erfahren. Auf die Frage nach ihren Visionen für die ARD-Anstalt wehrte sie den Begriff mit einer Geste ab und sagte, sie wolle die Anstalt weiter in Richtung Unternehmen entwickeln. Mit Blick auf das Fernsehprogramm sprach sie von Leidenschaft und Relevanz. Beides kann das mit sechs Wellen im Hörfunk gut aufgestellte, im Fernsehen aber quotenschwächste ARD-Dritte gut gebrauchen. Einsetzen wolle sie sich für die Grundfeste journalistischer Unabhängigkeit, sagte Schlesinger – gerade wegen des Rechtfertigungsdrucks, unter dem der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht.

Nicht nur wegen ihres größeren Temperaments, auch wegen ihrer Streitbarkeit und direkten Art dürfte Schlesinger gut passen zum RBB, zu Berlin und Brandenburg. Das gilt erst recht im Vergleich zum distanzierten Theo Koll. Journalistisch versiert sind der frühere Moderator von "Frontal 21" und "auslandsjournal" und die frühere Moderatorin von "Panorama" gleichermaßen; auch haben beide jahrelange Auslands- und Führungserfahrung. Entsprechend hin- und hergerissen waren die Rundfunkräte. In den in immer kürzeren Abständen gewährten Raucherpausen fielen entsprechend häufig die Sätze, beide hätten sich überzeugend präsentiert, keiner von ihnen sei als Zählkandidat angetreten, beide seien richtig gut, die Entscheidung falle daher schwer.

Biografie spricht für Schlesinger

Von Anfang an lag Schlesinger stets eine Nasenlänge vorn. Der erste Wahlgang endete 15 zu 14 für sie. Somit gab es für den scheinbar aussichtsloseren Koll keinen Grund, die Bewerbung zurückzuziehen. Im zweiten Durchgang ging es 18 zu elf für Schlesinger aus, dann 17 zu 12, nach dem vierten Wahlgang lautete das Ergebnis erneut 15 zu 14 für Schlesinger. Es folgte eine längere Pause, nach der das Gremium 19 zu 10 abstimmte. Nun fehlte zur Zweidrittelmehrheit nur noch ein einziges Ja. Am Ende erhielt Schlesinger sogar 22, Koll nur noch sieben Stimmen.

Eine Rolle gespielt haben dürfte Schlesingers Biografie, die einiges gemein hat mit der Zerrissenheit des Ost-West-Senders RBB. Wohnhaft in Hamburg, aber aufgewachsen in einem niedersächsischen Dorf ist sie die Tochter eines Republikflüchtlings und eines jüdischen Großvaters aus Görlitz, der zeitweilig in Sachsen Gesundheitsminister war und den sie als Kind häufig nahe der polnischen Grenze oder in Ost-Berlin besucht hat. Und schließlich kommt sie als NDR-Frau ebenfalls von einer Mehrländeranstalt, die den Spagat zwischen Hamburg bis Mecklenburg-Vorpommern schafft.

Programm soll vielfältiger und bunter werden

Sie wisse wohl, sagte Schlesinger, dass das Gefälle zwischen Hauptstadt und Brandenburg größer sei. Die Lösung könnte sein, das "Fernsehprogramm weiter auseinanderzufahren", um nicht mit allem jedem gefallen zu wollen, sondern um sämtliche Wirklichkeiten zwischen Arm und Reich, Ost und West, Stadt und Land abzubilden. So würde das Programm "bunter, vielfältiger und glitzernder" werden können. Den notwendigen Gestaltungswillen bringe sie dafür mit. Mehr aber wollte sie dann wirklich nicht sagen, jedenfalls nicht vor ihrem Amtsantritt am 1. Juli.

Von Ulrike Simon

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