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Netflix-Doku: Hulk Hogan und die Pressefreiheit

Fernsehen: Nobody Speak Netflix-Doku: Hulk Hogan und die Pressefreiheit

In „Nobody Speak“ (Netflix, streambar ab Freitag, 23. Juni) wird der Prozess des Wrestlers Hulk Hogan gegen den Blog Gawker analysiert, der ein Sex-Video mit ihm gepostet hatte. Der Vorgang, der mit dem Untergang des Blogs durch Schadensersatz endete, klingt nach Boulevard, bedroht die Pressefreiheit aber laut Streamingdienst im Grunde genauso wie Donald Trump.

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Sieg vor Gericht: Ein privates Sexvideo von Hulk Hogan wurde veröffentlicht. Netflix sieht in dem nachfolgenden Prozess weit mehr als nur einen skurrilen, juristischen Vorgang.

Quelle: picture alliance / Captital Pict

Hannover. „Und aus dem Chaos“, lautet eine Redensart, „sprach eine Stimme zu mir: ,Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen!’, und ich lächelte und war froh, und es kam schlimmer…!“ So ungefähr fühlt man sich dieser Tage mit Blick auf die USA, wenn der amtierende Präsident den nächsten Irrsinn zu Politik erklärt. Manchmal jedoch kann die Stimme noch so sehr um Frohsinn bitten – es will einfach nicht klappen. Dann nämlich, wenn es gefährlich wird. Dann, wenn die Pressefreiheit bedroht ist. Eine Netflix-Doku will von Freitag, 23. Juni, an zeigen, wie sehr sie das derzeit in den USA ist.

Hinter dem Hogan-Prozess steckt ein Rachenmotiv

Oberflächlich geht es darin um den Wrestler Terry Bollea, der als Hulk Hogan zur berühmtesten Kunstfigur dieses Showsports wurde. Nachdem der amerikanische News-Blog Gawker vor 2012 ein privates Sex-Video des Superstars veröffentlicht hatte, verklagte der Koloss mit dem markanten Schnauzbart die Nachrichtenplattform auf Schadenersatz in Höhe von 100 Millionen Dollar – und gewann. Was nun allerdings nach dem bizarren Rechtsstreit zweier Boulevard-Gewächse aussieht, wertet Brian Knappenberger in seinem Film „Nobody Speak“ als großen Angriff auf die Pressefreiheit in Amerika. Und da gibt es absolut nichts zu lächeln.

Hinter dem Prozess stand nämlich nicht allein die vermeintlich unabhängige Justiz des Staates Florida, sondern ein gewisser Peter Thiel, der es mit Risikoinvestments von PayPal bis Facebook zum Milliardär gebracht hat. Fünf Jahre vor dem Prozess hatte ihn Gawker als schwul geoutet, woraufhin er Rache schwor, Hogans Klage mit einer siebenstelligen Summe zum Sieg führte – und Gawker dank der Schadenersatzzahlung unmittelbar in die Insolvenz. Bis dahin weist der Film unter Beteiligung Dutzender Protagonisten beider Lager ein besorgniserregendes Dickicht aus Rechtsbeugungen nach, angefangen mit einer befangenen Richterin, vollendet durch unterschlagene Beweise.

Der Pate lässt kritische Reporter entlassen

Ein Justizskandal. Wie auch im zweiten Fall des Films. Hier sorgt einer der schwer antastbaren Paten des Spielerparadieses Las Vegas mit seiner jahrzehntelang gewachsenen Macht dafür, dass nach und nach jeder Journalist der größten Tageszeitung von Nevada entlassen wird, bis nur noch gewogene Reporter dort arbeiten. Knappenbergers Fazit: im land of the free endet die Meinungsfreiheit des ersten Verfassungszusatzes exakt dort, wo das große Geld der Männer mit Einfluss mehr wert ist als jede Wahrheit. Womit wir dort wären, wo der Film beginnt, endet und immer wieder Halt macht: Donald Trump.

Mit dem 45. US-Präsidenten ist ein Resultat dieser hyperkapitalistischen Selbsterhaltungsblase im Weißen Haus gelandet, ein Mann, der die Presse samt ihrer Freiheit verachtet. Der die Realität zur Lüge erklärt und die Lüge zur Wahrheit. Und der mithilfe von Gleichgesinnten wie Peter Thiel an die Macht gelangt ist. Thiel nun erklärt Demokratie und Liberalismus für unvereinbar und hat der freien Presse mit all seinem Reichtum den Krieg erklärt. Den scheint er führen zu wollen, bis es keine Institution der freien Meinungsbildung mehr gibt, die ihm beim Maximieren seiner Gewinne auf die Finger schaut.

Gawker hat er schon erledigt. Ein Online-Medium, das bisweilen brachialen Regenbogenjournalismus auf „Bild“-Niveau betrieben hat, aber auch mehrfach Skandale aufdeckte. Es dürfte nicht das letzte gewesen sein. Die Zeit des Lächelns, so Netflix, ist vorbei.

Von Jan Freitag / RND

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