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Neue Digital-Technik verändert das Radio

DAB plus Neue Digital-Technik verändert das Radio

Radio lässt sich auf mannigfaltige Weise empfangen: über Satellit, Kabel, Ultrakurzwellen (UKW) oder über das Internet. Am Montag soll das effektivere „DAB plus“ an den Start gehen und das bisherige „DAB alt“ ablösen. Damit verschwinden vorerst auch die Programme „NDR Musik Plus“ und „NDR Traffic“.

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Quelle: dpa

Hannover. So leise wie der Radiosender gekommen war, so still verschwand er auch wieder. Seit Anfang Juni ist das Programm des norddeutschen Nischensenders „NDR Musik Plus“, der neben Popmusik und Jazz auch Experimentelles in den Äther schickte, eingestellt. Er war erst am 2. Mai 2008 ohne öffentliche Ankündigung aus der Taufe gehoben worden. Mit ihm verstummte „NDR Traffic“, das permanent Verkehrsnachrichten sendete und somit jedem Autofahrer eine Hilfe war, der sich Staus und Verkehrsbehinderungen in Ruhe mehrmals vorlesen lassen wollte. Zumindest vorübergehend ist die Senderfamilie aus NDR 1, NDR 2, NDR 90,3, NDR Kultur, NDR Info und N-Joy damit um zwei Mitglieder ärmer.
Das Verschwinden von „NDR Musik Plus“ und „NDR Traffic“ könnte eine Randnotiz sein, die nur den kleinen Hörerkreis interessiert. Aber dahinter steht mehr: Das Aus ist ein Vorbote aus der schönen neuen Radiowelt. Die Zukunft heißt – wieder einmal – Digitalradio.

Derzeit lässt sich Radio auf mannigfaltige Weise empfangen: über Satellit, Kabel, Ultrakurzwellen (UKW) oder über das Internet, wobei Letzteres sicherlich die modernste Form ist. Hinzu kommt noch der digitale Radiostandard DAB. Doch der befindet sich um Umbruch. Am 1. August soll das effektivere „DAB plus“ an den Start gehen und das bisherige „DAB alt“ ablösen. Schon heute verbreitet der NDR keines seiner Programme mehr über „DAB alt“, „weil ein Weiterbetrieb unverhältnismäßig große Ausgaben verursacht hätte“, wie es in einem Schreiben des Senders heißt. Gebührengelder – die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hat insgesamt 35 Millionen Euro freigegeben – sollen nun in „DAB plus“ fließen.

Die „Musik Plus“-Fans gucken damit in die Röhre, denn ihr Lieblingsprogramm wurde immer nur über „DAB alt“ ausgestrahlt. Dagegen bleiben Aushängeschilder wie NDR 2 oder NDR Info über die anderen Verbreitungswege „on air“. Im Gegensatz zum NDR hat das Deutschlandradio noch nicht mit dem alten Digitalstandard gebrochen. „Wir werden das Deutschlandradio Kultur und den Deutschlandfunk mittelfristig weiter in ,DAB alt‘ senden“, sagt Redakteur Helmut Buchholz. DRadio Wissen werde dagegen bereits über „DAB plus“ verbreitet. Aber „DAB plus“-Hörer könnten ja auch den alten Standard empfangen.

Nur umgekehrt funktioniert das nicht. „Die Benutzer von Altstandardgeräten wären aufgeschmissen, wenn wir flächendeckend auf DAB plus umstellen würden“, so Buchholz. Denn ein „DAB alt“-Tuner kann das neue Format nicht empfangen.
Wenigstens lassen die meisten von ihnen einen Empfang über UKW zu. So kann man zumindest Radio hören wie in den siebziger Jahren – die Empfangsprobleme vor allem im Auto inbegriffen. Doch auf der Ultrakurzwelle reiten die meisten Sender noch mit. „Mit UKW verdienen die heutigen Sender ihr Geld und das bleibt auch erstmal so“, sagt Michael Richter von der Digital Radio Plattform (DRP).

Darin spiegelt sich die Absurdität der Situation: Weil immer mehr Sender das sinkende Schiff „DAB alt“ verlassen, flüchten sich die Hörer in das vielfältigere UKW-Programm, von dem sie sich einst aus akustischen Gründen abgewendet hatten. Die Klangqualität im Digitalradio gilt als unerreicht.

Mit „DAB plus“ können 50 Prozent mehr Audioprogramme verbreitet werden als zuvor. Ab 1. August werden über 27 Senderstandorte zehn bundesweite Hörfunkprogramme ausgestrahlt. Im Herbst folgen die Landesprogramme. Dann gibt es auch „NDR Musik Plus“ wieder zu hören, aber eben nur für jene, die technisch aufgerüstet haben.

Möglicherweise wird es gar nicht einmal so teuer, den Anschluss an die Zukunft zu halten. Laut DRP sind Geräte zum Empfang von „DAB plus“ schon ab 50 Euro erhältlich.

Sören Hendrik Maak

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