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"Der Spiegel" gründet Recherche-Netzwerk

Europaweite Zusammenarbeit "Der Spiegel" gründet Recherche-Netzwerk

Enthüllungen großer Affären sind nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal des "Spiegel". Chefredakteur Klaus Brinkbäumer hat deshalb ein europäisches Recherche-Netzwerk ins Leben gerufen. Das Team legt jetzt das erste Ergebnis vor.

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Das neue Recherche-Netzwerk des "Spiegel" veröffentlicht seine erste Enthüllung.

Quelle: Marcus Brandt/dpa

Hamburg/Berlin. Die Journalisten wollten wissen, woher die Terroristen die Waffen für die Anschläge in Paris und Kopenhagen hatten und stießen auf eine lückenhafte Richtlinie der EU. Auf sieben Seiten sind die über drei Monate in mehreren Ländern zusammengetragenen Recherchen im neuen "Spiegel" ausgebreitet. Es ist die erste Arbeit des neu gegründeten Europäischen Netzwerks für investigative Zusammenarbeit, kurz EIC (für European Investigative Collaboration).

Dem paneuropäischen Rechercheverbund gehören neben dem "Spiegel" acht weitere Titel an: die Zeitungen "Le Soir" (Belgien), "Politiken" (Dänemark) und "El Mundo" (Spanien), "L‘Espresso" (Italien), die Online-Zeitung "Médiapart" (Frankreich), die serbische Ausgabe von "Newsweek", der "Falter" in Wien sowie RCIJ, ein Verbund freier Journalisten aus Rumänien, die unter der Marke "The Black Sea" auch auf Englisch veröffentlichen. Mit weiteren Partnern laufen Gespräche, etwa in der Schweiz und im angelsächsischen Raum. Das EIC versteht sich als Antwort auf eine globalisierte, zusammengerückte Welt.

Auswertung riesiger Datensätze

In den vergangenen Jahren gründeten nicht nur mehrere Redaktionen eigene Recherche-Teams, die ressortübergreifend arbeiten. Auch medienübergreifend fanden sich Journalisten zu Rechercheallianzen zusammen. Die bekannteste ist sicherlich der vielzitierte Rechercheverbund aus NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung", an dem Konkurrenten wegen der Zusammenarbeit einer privatwirtschaftlichen Zeitung mit zwei öffentlich-rechtlichen Sendern immer wieder Anstoß nehmen.

Global agiert das aus Washington dirigierte International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ), dem hierzulande nur zwei Journalisten angehören: Hans Leyendecker und Georg Mascolo, die ohnehin über den Verbund aus NDR, WDR und "Süddeutscher" zusammenarbeiten. Auf ICIJ gehen etwa die Auswertungen riesiger Datensätze zurück, die unter den Schlagwörtern "Swiss Leaks" und "Luxemburg Leaks" bekannt geworden sind.

Länderübergreifende Projekte

Über die Jahre haben diese Anstrengungen dazu geführt, dass Enthüllungen großer Affären längst nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal des "Spiegels" sind. Chefredakteur Klaus Brinkbäumer hat das erkannt. Eine seiner ersten Amtshandlungen Anfang 2015 war die Gründung eines kleinen Teams, das über Alfred Weinzierl in der Chefredaktion angebunden ist und große Recherchen ressort-, dank "Spiegel Online" und "Spiegel TV" aber auch medienübergreifend koordiniert.

Das in Hamburg ins Leben gerufene EIC ist der nächste logische Schritt. Das Netzwerk bündelt Ressourcen, um länderübergreifend Projekte zu stemmen, mit denen einzelne Rechercheure und Redaktionen selbst unter großer Kraftanstrengung schnell überfordert wären.

Völlige Geheimhaltung nach außen

Die im neuen "Spiegel" erscheinende Geschichte ist dafür ein Paradebeispiel. Brinkbäumer sagt: "Das zeigt die fulminante Wucht, die eine Recherche entwickeln kann, wenn Journalisten den Netzwerkgedanken ernstnehmen und jeder für sich in seinem jeweiligen Land über beste Kontakte verfügt."

In einer Satzung haben sich die Chefredakteure der im EIC zusammengeschlossenen Medien zu völliger Geheimhaltung nach außen, aber totaler Transparenz nach innen verständigt. Wöchentlich gibt es eine Skype-Konferenz. Über eine verschlüsselte, technische Plattform tauschen die Journalisten Daten, Informationen und Dokumente aus. Die Themen sollen möglichst breit interessieren und werden naturgemäß häufig vor europäischem Hintergrund spielen.

Die Veröffentlichung ist zeitlich koordiniert. Dabei steht jedem Journalisten frei, die Recherchen mit dem Hinweis auf das Netzwerk unter eigenem Namen exklusiv in seinem Land zu veröffentlichen – so wie die aktuelle über Waffenhandel, die in Deutschland exklusiv im "Spiegel" nachzulesen ist.

Von Ulrike Simon

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