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Nachrichten Medien Neuseeland präsentiert sich auf der Buchmesse
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19:29 05.10.2012
Von Martina Sulner
Saubere Sache: „Beachsweep“ von Phil Dason – zu sehen in der Ausstellung „Contact“ im Frankfurter Kunstverein. Quelle: Dason and Starkwhite, Auckland
Frankfurt

Mit der Literatur verhält es sich in Neuseeland ein bisschen anders als in anderen Ländern: Der literarische Übervater ist eine Frau, Katherine Mansfield; und der in Deutschland bekannteste neuseeländische Autor hat schon seit vielen Jahren seinen Hauptwohnsitz in London. Das ist Anthony McCarten, dessen traurig-schöne Romane wie „Superhero“ und „Englischer Harem“ bei Lesern wie Kritikern gleichermaßen gut ankommen.

Die Werke von Mansfield, 1888 in Wellington geboren und 1923 in der Nähe von Paris an Tuberkulose gestorben, und McCarten, Jahrgang 1961, werden neben denen von gut 70 weiteren neuseeländischen Autoren von Dienstag an auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert. Neuseeland ist Ehrengast der Messe, und das Gastland vom anderen Ende der Erde will die Chance nutzen, sich auf dem weltweit wichtigsten Branchentreffen überzeugend in Szene zu setzen.

„Bevor es bei Euch hell wird“ lautet das Ehrengast-Motto. Die Botschaft macht deutlich, dass sich die Neuseeländer nicht allein durch sich selbst definieren, sondern sich stark auf Europa orientieren. Historisch verständlich ist das: Das Land, das Mitte des 17. Jahrhunderts von europäischen Seefahrern entdeckt wurde, hat eine erst kurze literarische Tradition. Die Ureinwohner, die Maori, kannten keine Schriftsprache und überlieferten ihre Geschichten und Mythen mündlich und in Form von Tänzen oder Schnitzereien. Erst 1830 erschien in Neuseeland, wo heute 50 Millionen Schafe und 4,4 Millionen Menschen leben, das erste Buch; 1843 kam der erste Gedichtband des Landes heraus. Es dauerte lange, bis sich eine eigenständige Literatur- und Verlagsszene etablierte. Generationen von Schriftstellern orientierten und orientieren sich noch heute Richtung Großbritannien.

Katherine Mansfield ist dafür ein Paradebeispiel. Als junges Mädchen ging sie in ein britisches College. Anschließend lebte die Autorin, die meisterhafte Kurzgeschichten wie den Klassiker „Das Gartenfest“ schrieb, die meiste Zeit ihres kurzen Lebens in Europa - auch in Deutschland, wo die Erzählsammlung „In einer deutschen Pension“ entstand.

Europa, das war zu Beginn des 20. Jahrhunderts der kultivierte Kontinent mit Unmengen an Theatern und Museen, der Ort, an dem man leicht Kontakt zu anderen Autoren und zu Verlagen bekommen konnte. Noch heute ist die Verlagsszene Neuseelands ziemlich überschaubar: Gerade mal 1000 Menschen arbeiten in der Branche, pro Jahr erscheinen landesweit gut 5500 neue Bücher. Zum Vergleich: In Deutschland kommen jedes Jahr rund 90000 neue Titel auf den Markt.

Zur Buchmesse hat das neuseeländische Organisationsteam rund 300 Veranstaltungen geplant, darunter auch Comic- und Kunstausstellungen sowie zahlreiche Perfomances und Tanzdarbietungen. Dass der Ehrengast-Auftritt in diesem Jahr auffällig tänzerisch ausfällt, liegt vor allem an der Maori-Tradition Neuseelands. Auch dort schätzt und präsentiert man - ähnlich wie in Australien - erst seit wenigen Jahren das Erbe der Ureinwohner, die in der Frühzeit der weißen Besiedlung massakriert und später diskriminiert wurden.

Schwerpunkt des Auftritts bildet die Literatur. Zur Messe hat man eine Vielzahl an Büchern ins Deutsche übersetzt oder neu übersetzt. Erzählungen und/oder Briefe und Tagebuchaufzeichnungen von Katherine Mansfield sind bei Diogenes, im Verlag Zweitausendeins und bei Schöffling erschienen. Anthony McCartens neuer Roman, „Ganz normale Helden“ über die Familie Delpe, die Leser bereits aus dem Buch „Superhero“ kennen, ist gerade bei Diogenes herausgekommen.

In Frankfurt kann man Bücher von zwei renommierten Autorinnen (wieder-)entdecken. Das sind zum einen Romane und die Autobiografie „Ein Engel an meiner Tafel“ von Janet Frame (alle bei C. H. Beck). Frame ist in Deutschland vor allem durch Jane Campions Verfilmung von „Ein Engel an meiner Tafel“ bekannt geworden. Ebenfalls auf der Messe präsentiert werden Romane von Keri Hulme, die für ihr Buch „Unter dem Tagmond“, in dem sie auch von Maori-Mythen erzählt, 1985 den Booker-Preis erhalten hat (Verlag S. Fischer).

Durch die Messe geraten auch zuvor in Deutschland wenig bekannte Autoren in den Blick - darunter Carl Nixon und dessen spannender Entwicklungsroman „Rocking Horse Road“ (Weidle Verlag) oder „Sydney Bridge Upside Down“, ein düsterer Roman von David Ballantyne (Hoffmann und Campe). Oder auch Emily Perkins’ Roman „Die Forrests“ über eine Familie, die von New York nach Auckland auswandert (Berlin Verlag).

Besonders spannend dürfte die Begegnung mit der Literatur von Maori-Autoren werden. Robert Sullivan stellt seine Erzählung „Sternen-Waka“ (Mana Verlag) vor. Ein Waka ist ein maorisches Boot. Und in dem Buch „Die letzte Prophezeiung“ (ebenfalls Mana Verlag) erzählt Heretaunga Pat Baker von der Ankunft der Europäer auf Neuseeland. Das ist eine ziemlich blutige Geschichte.

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