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Onlinemagazine entdecken die Karrierefrau Business statt Beauty

Von klassischen Zeitschriften wird die Karrierefrau noch ignoriert. Die Magazine machen lieber Lust auf das Landleben oder drucken Do-it-Yourself-Anleitungen. Warum nur? Onlinemagazine zeigen doch längst, wie es gehen kann.

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Internetportale wie "Edition F" beschwören die moderne Frau. Im Print sind Jobtitel für Frauen dagegen eine Seltenheit.

Quelle: Edition F/Screenshot

Hannover. Am Kiosk muss man sie durchaus suchen, die arbeitende Frau. Hier kennt man die kochende Frau, die handarbeitende, sportbesessene, modesüchtige, einrichtungsverliebte, landlustige Frau. Titel über Titel widmen sich dem, was Frauen angeblich gern machen: schlemmen, shoppen, schminken.

Über ihr Arbeitsleben indes herrscht im Zeitschriftenwald einträchtiges Schweigen. Dass in Deutschland fast 70 Prozent der 15- bis 64-jährigen Frauen berufstätig sind, mag man angesichts des hiesigen Magazinmarktes kaum glauben.

Bisher nur als Sonderheft

Die Frage, warum es an businessorientierten Frauenheften mangelt, während man mit Do-it-yourself-Magazinen oder Land-Genuss-Titeln die Straße pflastern kann, stellt sich gelegentlich auch die Journalistin Andrea Huss: "Ich glaube, viele Verlage trauen sich an einen Jobtitel für Frauen nicht heran. Anzeigenmarkt und Zielgruppe zu erreichen gilt als schwierig. Eine Fehleinschätzung."

Huss ist Editor-at-Large beim Hamburger Magazin "Emotion", dessen Inhalt ebenfalls vorwiegend ums weibliche Seelenheil kreist. Alle zwölf Monate jedoch wagt sich ihr Team an die vermeintlich harten Themen: Beruf, Geld, Firma, Kollegen. "Working Women" heißt das Sonderheft, dessen erste Ausgabe im Herbst 2014 erschien, die zweite wird am 31. Oktober veröffentlicht.

Keine klassischen Karrieretipps

Wer dabei an eine Art "Managerin-Magazin" denkt, liegt falsch. Die "Emotion"-Tochter richte sich, so Huss, zwar hauptsächlich an gebildete Frauen "in der Rushhour des Lebens", zwischen 30 und 40, mit Beruf und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung.

Karrierefixierte Frauen, die in Lackleder-Pumps durch die Glasdecke streben, finde man auf den gut hundert Seiten aber nicht. "Uns geht es um die emotionale Perspektive auf den Job, um einen authentischen Blick", sagt die Journalistin. Nicht klassische Karrieretipps ("fünf goldene Regeln für Gehaltsverhandlungen") stehen im Vordergrund, sondern die Themen Coaching, Mentoring, Inspiration.

Das Netz macht es vor

"Working Women" ist die Entschleunigte unter den Jobzeitschriften. Neben "Vogue Business", einer zweimal jährlich erscheinenden Beilage für gut verdienende Gutgekleidete über gut gekleidete Gutverdienende, steht sie im Print jedoch ziemlich allein.

Anders ist es im Netz: Von "Bizz Miss" bis "Saal Zwei", vom "Kokon Magazin" bis zu den "Mompreneurs" – hier widmen sich gleich mehrere Magazine der arbeitenden Frau. Die Faustregel dabei: Harte Fakten schrecken ab. Jedes Businessthema braucht auch immer eine gehörige Portion Lifestyle.

Mehr als nur eine Zeitschrift

Am erfolgreichsten macht das "Edition F". Im Sommer 2014 von Nora-Vanessa Wohlert (30) und Susann Hoffmann (33) in Berlin gegründet, erreicht das Online-Magazin inzwischen 250.000 Nutzer im Monat. Es ist "das digitale Zuhause für Frauen, die noch ein bisschen was vorhaben – im Job und im Leben", erklärt Hoffmann. Unternehmerinnen werden porträtiert, Erfolge analysiert, Vorbilder geliefert. Und es gibt Tipps: von Selbstständigen, Müttern, Überfliegern. Für Durchstarter, fürs Büro, für den Kleiderkauf.

"Edition F" soll am Ende mehr sein als eine digitale Zeitschrift: "Wir verstehen uns als Community. Mit Onlinemagazin, Jobbörse und Services für die Zielgruppe", sagt Hoffmann. Schneller Austausch mit den Lesern, persönlicher Zugang zum Thema – das Konzept hat sich herumgesprochen: Auch bei "Femtastics" dreht sich alles um Nähe.

Frauenthemen für Männer

Das Onlinemagazin, von drei Hamburger Journalistinnen im Mai gegründet, porträtiert in multimedialen Homestorys die Karrierewege und Lebensentwürfe von Frauen. "Ob Anwältin oder Astronautin: Für uns hängt Berufliches und Privates oft zusammen. Wir glauben, jemanden besser zu verstehen, wenn wir sehen, wie er wohnt", erklärt Lisa van Houtem aus dem Gründungstrio.

Im Print sehen sich die jungen Blattmacherinnen nicht. Dort erobern derweil Männermagazine mit Frauenthemen den Markt: Mode, Beauty, Kochen, Entspannen – von "Gala Men" über "Beef!" bis "Walden" und "Movo", immer mehr Verlage entdecken den modernen Mann. Sie haben den Vätermonate nehmenden Hausmann als neue Zielgruppe ausgemacht und besetzen damit eine Nische.

Das Pendant der Karriere machenden Frau hat bisher nur das Netz entdeckt. Das klassische Frauenmagazin soll mit weichen Themen aus dem Alltag entführen. Jobthemen gelten in der Branche als anstrengend. Die Vorreiter im Internet beweisen jetzt, dass sich Lifestyle und Business verschmelzen lassen.

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