Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Chefredakteurin der "Bunte" hört auf

Die Ära der Patricia Riekel Chefredakteurin der "Bunte" hört auf

Die "Bunte", wie sie an diesem Donnerstag erscheinen wird, ist die letzte mit Patricia Riekels Handschrift. Am Wochenende schrieb die Chefredakteurin das letzte Editorial. Sie blickt auf aufregende Jahre zurück.

Voriger Artikel
1000 Beschwerden gegen Wiesenhof-Spot
Nächster Artikel
"Bei Multimedialität können wir einiges holen"

Promipaar: Patricia Riekel hat die "Bunte" auf neuen Kurs gebracht – nun hört sie auf.

Quelle: Bauer

München. Am Montag, in der Redaktion am Münchner Arabellapark, prüfte Patricia Riekel zum letzten Mal die Zeilen, die Bilder, das Cover – ganz so, wie sie es fast 20 Jahre lang gemacht hat. Montag für Montag. Auch im Urlaub. Als die Seiten in der Druckerei waren, stand nur noch das Abschiedsessen beim Verleger aus. Und dann? Was dann?

Vorige Woche in Berlin. 900 Gäste sind zum Sommerfest des Burda-Verlags erschienen. Patricia Riekel trägt knallblaue Plateau-Sandaletten zum blauen Hippie-Flatterkleid. Als "Bunte"-Redakteur würde man sofort überlegen: Gehört das im "Bunte-Stil-Check" in die Kategorie "wunderbar" oder "sonderbar"? Gibt es das teure Designerkleid mit fast identischem Aussehen auch günstig bei einer Ladenkette um die Ecke? Hat Riekel seit dem letzten Mal drei Kilogramm zu- oder fünf abgenommen? Und scheint sie glücklich an der Seite ihres Lebensgefährten, "Focus"-Gründer Helmut Markwort?

Foto: Promipaar: Patricia Riekel mit ihrem Lebensgefährten Helmut Markwort beim Burda-Sommerfest.

Promipaar: Patricia Riekel mit ihrem Lebensgefährten Helmut Markwort beim Burda-Sommerfest.

Quelle: Bauer

Gedankenlesen gehört bei "Bunte" zum Handwerkszeug

Gedankenlesen, ganz so, als liefen Spruchbänder über die Stirn prominenter Menschen, gehört bei "Bunte" zum Handwerkszeug. Journalisten, für die das Kokolores ist, begegnet Patricia Riekel zunächst misstrauisch. Diesmal wird sie während des Gesprächs, das sie als eher privat verstanden wissen möchte, zunehmend nachdenklich. Sie fragt sich, wie das wird, dieses Leben ohne "Bunte", ohne eng getaktete Zeitpläne, ohne Team.

Vor ein paar Tagen wurde Patricia Riekel 67. Gerade 20 war sie, als sie ihre Lehre zur Verlagsbuchhändlerin abbrach, sich im selbst genähten Kleid in Starnberg in den Zug setzte und nach München fuhr, um sich beim "Merkur" als Volontärin zu bewerben. Vom ersten Tag an wusste sie: Das ist es, das ist ihr Beruf. Dazwischen liegen 47 Jahre: bei der Zeitung, beim Radio, bei Zeitschriften. Mal frei, mal fest angestellt – bei "Bunte" als anfangs belächelte, später respektierte Chefredakteurin. Wird sie sich jetzt häufiger mit ihren Freundinnen treffen? Häufiger in ihr Haus am Starnberger See fahren? Sie könne sich vorstellen, Drehbücher zu schreiben. Wie ihr früh verstorbener Vater. Unveröffentlichte Geschichten kennt sie reichlich.

Was Prominenz mit Menschen macht, hat sie vielfach erlebt. Außerdem findet sie: Frauen morden anders. Stoff zum Schreiben hat sie also. Aber allein arbeiten? Ohne Team? Sie überlegt, es zu zweit anzugehen, ist sich aber sicher: Es wird ihr schon gelingen, das zu erwartende Defizit an Anerkennung auszugleichen. Männern, glaubt sie, fällt das schwerer. Ihr Lebensgefährte ist ein anschauliches Beispiel. Seine Nachfolger, von denen es in kürzester Zeit gleich mehrere gab, könnten viel darüber erzählen.

Ihr Nachfolger wird ein Mann

Riekel hat ihren Nachfolger nicht ausgesucht. Der Verlag entschied sich für einen Mann, Robert Pölzer, zuletzt Chef der "Freizeit Revue". Er ist sicherlich geschmeidiger. Bevor man ihn kritisiert, muss man ihn aber erst einmal machen lassen. Diese Chance gaben Riekel wenige. Aber davon ließ sie sich nicht beeindrucken: Die schlimmsten Gegner biss sie weg. Den ewig säftelnden Klatschreporter Michael Graeter zum Beispiel, die reale Vorlage für "Baby Schimmerlos" in "Kir Royal".

Unter Franz Josef Wagner, heute "Bild"-Kolumnist, war Graeter Kult. Die ganze "Bunte" war Kult: respektlos, irre unterhaltsam – nur eben nicht für Leser, die sich mit den Aufs und Abs Prominenter identifizieren wollen. Wagners "Bunte"-Geschichten waren nicht selten filmreif – manchmal ebenso fiktiv. Das Redaktionsbudget kümmerte Wagner nicht, Rücksicht war ihm fremd, den Redaktionsschluss betrachtete er als vage Verabredung. Irgendwann war die Glaubwürdigkeit dahin, das Anzeigengeschäft auch. Hubert Burda, der als junger Mann selbst "Bunte"-Chefredakteur war, überlegte, das Blatt einzustellen. In dieser Situation kam Riekel.

"Bunte" gelang der Sturz eines Ministers

Wagner, verletzt und leidend, spottete, "Bunte" sei jetzt der "Aldi-Supermarkt der kleinen Eitelkeiten". Unter Riekel brachte die "Bunte" bald wieder Geld ein. Das People-Magazin interessierte sich jetzt auch für das Private von Managern, Sportlern und Politikern, von denen nicht wenige bereitwillig Einblicke zuließen. Dem Blatt gelang sogar der Sturz eines Ministers. Rudolf Scharping planschte im Pool mit seiner Gräfin, während die Bundeswehr vor dem Einsatz in Mazedonien stand. Doch dann verletzte "Bunte" wieder einmal Persönlichkeitsrechte, wieder litt die Glaubwürdigkeit, am schlimmsten 2010 bei der Spähaffäre: Nur mit Mühe zog sich Riekel aus der Affäre. Sie beharrte, trotz gegenteiliger Indizien nicht gewusst, nicht geahnt und nicht in Auftrag gegeben zu haben, dass eine Agentur mit Geheimdienstmethoden das Privatleben von Politikern ausspionierte.

"Bunte TV" war ein Flop, aber wacker schlug sich Riekel gegen alle Angriffe konkurrierender Verlage. Die meisten wählten den Weg des niedrigeren Preises. Von denen, die glamouröser sein wollten, verschwanden die meisten wieder: "Park Avenue", "Vanity Fair", zuletzt "People" aus dem Bauer-Verlag.

Das Gespräch am Rande der Party hat länger gedauert als geplant. Markwort ruft. Durch die Menge rauscht Riekels Freundin Barbara Becker, eine derer, die neben Lilly Becker, Uschi Glas, Veronica Ferres und Burdas Gattin Maria Furtwängler fast wöchentlich in "Bunte" ihre Bühne bekamen. Patricia Riekel sorgt sich um die Zukunft des Magazins. Sie hat sich vorgenommen, sich aus dem Redaktionsalltag herauszuhalten. Einmischen will sie sich nur nachträglich. Als Herausgeberin, die sie nun sein wird, sieht sie das als ihr Recht an.

Von Ulrike Simon

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Medien
HAZ-Volontäre gewinnen Medienpreis der Architektenkammer

Mit ihrer multimedialen Berichterstattung über die Wasserstadt Limmer haben die Volontäre der HAZ beim Medienpreis der Bundesarchitektenkammer den ersten Platz belegt.

Datenschutz im Netz: Diese Begriffe sollten Sie kennen