Leon Taylor
Das passiert auch nicht alle Tage, dass eine Newcomerin einer gestandenen Musikerin zu einem unverhofften Hit verhilft: Wenige Tage, nachdem sich die 18-jährige Lena Meyer-Landrut in der ersten Ausgabe von Stefan Raabs „Unser Star für Oslo“ (USFO) mit ihrem fröhlich irren, unbeschwerten Drei-Minuten-Auftritt für den Eurovision Song Contest empfahl, schoss die Nummer, mit der sie antrat, auf Platz eins der iTunes-Verkaufscharts: „My Same“ von der britischen Sängerin Adele. Im Netz hat Lenas One-Girl-Show eine Flut von Kommentaren ausgelöst, darunter manche Wirrnisse („Bekloppt oder klasse? Auf jeden Fall nicht langweilig“) – 98 Prozent sind positiv.
So groß ist der Rummel, dass die Produktionsfirma Brainpool vorerst den Stecker zog und alle Interviewanfragen abschlägig beschied.In der zweiten Ausgabe von „Unser Star für Oslo“ schafften es am Dienstagabend die nächsten fünf Kandidaten in die Runde der letzten zehn: Christian Durstewitz (mit einer flotten Ausgabe von George Michaels "Faith"), Leon Taylor ("Der Weg" von Herbert Grönemeyer), Jennifer Braun (die gleich als Erste mit "I'm Outta Love" von Anastacia die Halle nach 30 Sekunden im Sack hatte), Sharyan Osman (mit Whitney Houstons "I have nothing") und die sympathische Nebenerwerbs-Straßenmusikerin Maria-Lisa Straßfurt (mit "Saving my Face" von KT Tunstall), die zuletzt fürs öffentliche Musizieren immerhin 80 Euro in anderthalb Stunden kassierte.
In der Jury saßen neben Jurypräsident Prof. Dr. Stefan "Klemmbrett" Raab die Delmenhorster Pophoffnung Sarah Connor und der gestandene Rocker Peter Maffay, der mit deutlich weniger Worten als Marius Müller-Westernhagen vor einer Woche nichts wirklich Strenges zu sagen hatte.
Und der Aha-Moment des Abends? Der Augenblick, in dem sich das Publikum wie vergangene Woche bei Lena Meyer-Landrut kollektiv die Augen rieb und fragte: "Wo, bitteschön, hast du die letzten Jahre gesteckt?" Der kam mit dem 26-jährigen Leon Taylor, der sich als vorletzter Kandidat an Herbert Grönemeyers zutiefst privaten Liebesschwur "Der Weg" wagte und das sehr persönliche Lied erfolgreich zum etwas Eigenem machte, das Jury und Publikum begeisterte. "Ich glaube", sagte Raab, "Herbert Grönemyer sitzt vor dem Fernseher und fragt sich: Warum habe ich nicht so eine Stimme?" Taylor hat einen jamaikanischen Vater und eine Mutter aus Barbados und eine Stimme, die Eisberge zum schmelzen bringt.
Über allem schwebte die Frage, ob ein ernsthafter Konkurrent für Favoritin Lena auszumachen war. Antwort: Die können alle was. Das Rennen ist offen. Der Drops ist noch lange nicht gelutscht. Das wird doch mal ein interessantes Duell in der kommenden Woche: Leon gegen Lena.
Wieder war die Show größtenteils eine erfreuliche Parade von Menschen mit Talent und Charakter. Von echten Personen, die mit echter Musik echte Gefühle zu erzeugen im Stande sind. Die Kandidaten waren im Querschnitt noch einmal deutlich stärker als in der vergangenen Woche. Die deutsche Musikfernsehlandschaft liegt derartig brach, dass man mit einem so schlichten Konzept - 20 Sänger, eine Jury, das Publikum entscheidet - schon Fernsehpreise verdient. Was zeigt uns das? Es zeigt uns vor allem, wie erschreckend fortgeschritten die Dieterbohlisierung des deutschen Popgeschäfts inzwischen ist. Gut, dass es mit Raabs "USFO" jetzt eine Antwort gibt, die den Namen "Musiksendung" verdient.
Ob der gebeutelten Grand-Prix-Nation das neue deutsche Credo "Es geht endlich wieder um Musik!" auf der europäischen Bühne am 29. Mai in Oslo wirklich weiterhilft, steht auf einem ganz anderen Blatt. Denn dort ging es zuletzt um alles mögliche: Freundschaften, Show, Spaß, Party, Politik, Neid, Häme, Kungelei. Immerhin hat zuletzt im Mai 2009 in Moskau ein kleiner, lustiger Norweger mit einem einfachen Märchensong gewonnen. Das macht doch Hoffnung für einen Kandidaten, der auf Musik setzt.
Die nächste Ausgabe von „Unser Star für Oslo“ läuft am kommenden Dienstag um 20.15 Uhr auf PRO7 – dann auch wieder mit Lena und dem zweiten hannoverschen Kandidaten Cyril.
Kommentare
Dummer Kommentar Petra6 – 10.02.10
@Gelangweilter: Ich sehe schon, Sie gehören also zu der Spezies, die keinen Fernseher hat. - Müsste ja so sein, oder? Denn auf die eine oder andere Art und Weise ist ja schließlich alles Mist, was im Fernsehen gezeigt wird. Oder ist nur Ihre Meinung dafür entscheidend, was wirklich Mist ist? Es kommt nun mal immer auf die Betrachtungsweise an. Der eine mag Musik, der andere nicht. Der eine mag Sport, der andere nicht. Und so weiter, und so weiter, ...! Man könnte die Aufzählung beliebig fortsetzen. Wen es nicht interessiert, der solls nicht gucken, und dann aber gefälligst auch die Klappe halten. Das ist genauso, wie beim Wählen gehen: Zum Meckern hat nur der das Recht, der auch mitgemacht hat.Mir hat es jedenfalls sehr gut gefallen und ich werde mir auch die weiteren Sendungen ansehen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
@Gelangweilter Hannoveraner96 – 10.02.10
Was würden Sie davon halten, Ihren Kommentar zu einer Sendung, die Sie ziemlich sicher auch nicht gesehen haben, einfach zu lassen?!Ich bin keineswegs unterbeschäftigt, dass können Sie mir glauben. Bin voll berufstätig, habe kleine Kinder usw.
Ich sehe dennoch sehr gerne eine Musiksendung mit Niveau und wirklich sehr guten Musikern im Gegensatz zum bohlschen DSDS Krempel...
Vielleicht lassen mir einfach meine ca. zwei Stunden Entspannung und sparen sich Ihre Kommentare für Herrn Bohlen auf. Wie wär das??
Nichts gesehen aber kommentieren... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Unser Star für Oslo Gelangweilter – 10.02.10
Wen interessiert denn schon so ein Mist! Man muß schon viel Langeweile haben um sich solch eine SOAP Show anzusehen.Und, zensiert wird in der HAZ auch, Kommentar gelöscht weil wohl nicht der "Vorstellung" gerecht ist. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Unser Star für Oslo Gelangweilter – 10.02.10
Wen interessiert denn schon so ein Mist? Man muß schon sehr gelangweilt sein sich solche SOAP Shows anzusehen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenUnser Star für Oslo mammamia – 10.02.10
Warum Konkurenz für Lena? Ich finde es beschämend, dass eine Zeitung (und ich spreche nicht von der Bld-Zeitung) so parteiisch ist. M.E. ist Cyril Krueger der eigentliche Star. Aber ich denke, beide haben den gleichen Respekt und eine neutrale Berichterstattung verdient. So wie in der letzen Woche über Lena berichtet wurde, hat diese Redaktion bereits eine Entscheidung getroffen. Schade, ich dachte eingentlich,Journalismus bedeutet auch, dass über Themen objektiv berichtet wird. Nun ja, vielleicht ist ja auch bei der HAZ ein bißchen Bild angekommen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenSuper Frau Hannoveraner – 10.02.10
Lena ist richtig toll, ich wünsche ihr viel Erfolg, Singen kann sie=) Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenna, na, na... pmf – 10.02.10
... warum so garstig, icke? Schon spät, wa? Ich fands genau so, geht voll in ordnugn. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenTalent auf der? icke – 10.02.10
Wenn Talent wirklich auf der Straße liegt, dann wird es Zeit, dort mal nach talentierten HAZ-Redakteuren zu suchen. Das Geschreibsel der etablierten wird langsam unerträglich! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben