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Medien Saalfeld stößt im Leipziger „Tatort“ auf familiäre Stasi-Verstrickungen
Nachrichten Medien Saalfeld stößt im Leipziger „Tatort“ auf familiäre Stasi-Verstrickungen
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18:04 10.06.2011
Von Stefan Stosch
Hauptkommissarin Eva Saalfeld (Simone Thomalla) kann einen Verdächtigen am Flughafen stellen. Quelle: ARD
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Leipzig kann sehr schön sein: Wenn der Kamerablick über die glänzenden Kuppeln der Stadt streicht, dann ist schwer vorstellbar, wie viel unaufgeklärte Vergangenheit da unten in den Straßen rumort. Leipzig kann aber auch sehr hässlich sein: Ein Gebrauchtwagenhändler liegt erschlagen im Industriegebiet. Ausgerechnet zwei Müllmänner finden den Toten bei ihrer frühmorgendlichen Tour im „Tatort – Nasse Sachen“.

Das kann man getrost symbolisch verstehen. Denn nun wird es Zeit fürs große Aufräumen. Was zunächst nach einem Gewaltverbrechen unter international vernetzten Autoschiebern aussieht, führt bald schon zurück in DDR- und Stasi-Vergangenheit. Die Kommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) übernehmen den Job – und Saalfeld wird mit einer tragischen Familiengeschichte konfrontiert, von der wir bislang gar nicht recht wussten, dass sie diese hat.

Keppler und Saalfeld in historisch-aufklärerischer Mission: Das ist doch mal was anderes. Bislang hatten es die beiden vorrangig mit Morden zu tun, die sich auch an jedem anderen Ort dieser Republik hätten zutragen können. Wenn sich die Ermittler überhaupt mit der Vergangenheit beschäftigten, dann mit ihrer eigenen als gescheitertes Ehepaar.

Jetzt nutzen der in Dresden geborene Drehbuchautor Andreas Knaup und Regisseur Johannes Grieser den Standortvorteil Ost. Darauf verweist schon der „Tatort“-Titel: „Nasse Sachen“ bezeichnet einen euphemistischen Stasi-Begriff für Kidnapping und Mord. Angeordnet wurden die Verbrechen von ganz oben, abgezeichnet von Minister Erich Mielke persönlich. So weit die historischen Fakten. Wenig später stoßen die Kommissare auf einen zweiten Gebrauchtwagenhändler – und der soll als früherer Volkspolizist schuld am Verschwinden eines Dissidenten Anfang der achtziger Jahre gewesen sein. Bei der Aktion war auch Saalfelds Vater, ebenfalls ein Vopo, beteiligt. Er wurde damals erschossen. So steht es in den Akten. Und ein Grab auf dem Friedhof gibt es auch.

Von jetzt an wird es persönlich. Nicht nur den ewig zu leicht bekleideten Keppler fröstelt es bald schon tüchtig, auch seine Kollegin, die aber vor allem innerlich. War Saalfelds Vater womöglich gar kein harmloser Polizist, sondern ein Stasi-Offizier für besonders dreckige Aufgaben? Genau wie Saalfeld müssen bald auch noch zwei andere Beteiligte (Claudia Michelsen, Jörg Hartmann) klären, ob ihre Väter einstmals eher Opfer oder Täter waren. Die Aufladung des Falls mit so viel Zeithistorie produziert ungewohnte „Tatort“-Spannung. Doch knirscht die Konstruktion. Einige Erklärungen werden notdürftig nachgereicht, um die bis in den Nordteil Zyperns führende Geschichte wenigstens halbwegs plausibel erscheinen zu lassen.

Am Schluss kann die Akte Saalfeld geschlossen werden – allerdings nicht ohne noch schnell den pädagogischen Ansprüchen der Öffentlich-Rechtlichen Genüge zu tun: Kollege Keppler verweist mit moralischer Entschiedenheit auf die Prinzipien des Rechtsstaats Bundesrepublik. Das wäre bei den hier geschilderten kriminellen Machenschaften des Staates DDR gar nicht nötig gewesen.

Immerhin: Keppler und Saalfeld werden emotional mal tüchtig durchgeschüttelt. Arm in Arm verlassen sie den Friedhof. Es hat immer etwas Befreiendes, sich der Vergangenheit zu stellen.

„Nasse Sachen“ | ARD
Krimi aus der Reihe „Tatort“
Sonntag, 20.15 Uhr

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