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Shitstorm wegen Schlankheitstest für Kinder

Apothekenzeitschrift „Medizini“ Shitstorm wegen Schlankheitstest für Kinder

Die Apothekenzeitschrift „Medizini“ hat in diesen Tagen einen Shitstorm ausgelöst. Der Annlass: Sie druckte einen Schlankheitstest für Kinder ab. Die Kritik daran konnte sie überhaupt nicht verstehen.

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Kinder und ihre Figur: „Medizini“ nimmt sich das Thema vor.

Quelle: Wort & Bild Verlag

Hannover. Was die „Apotheken Umschau“ für die Generation Gleitsichtbrille ist, ist „Medizini“ für ihre fünf- bis zwölfjährigen Enkel: ein kostenloses Kundenbindungsmagazin voller glücklicher, von der Pharmaindustrie sorgsam umhegter Menschen. In der kurzen Zeitspanne zwischen „Bob, der Baumeister“ und Miley Cyrus hängen deutsche Kinderzimmer voll mit Löwen, Tigern oder Pinguinen aus „Medizini“. In seiner jüngsten Ausgabe freilich hat das Postermagazin, das bis 1986 „Medi & Zini“ hieß, den sicheren Pfad der Kinderwitze („Mein kleiner Bruder wird Mittwoch getauft“ - „Mittwoch? Komischer Name“) verlassen: „Teste dich!“ heißt es ganzseitig unter der Überschrift „Wunderwerk Mensch“: „Wie zufrieden bist du mit deiner Figur?“ Ein Schlankheitstest für Kindergartenkinder.

Illustriert wird die Seite von einem unglücklichen Teenager, der prüfend vor dem Spiegel steht. Darunter finden sich suggestive Multiple-Choice-Fragen wie „Stell dir vor, du hättest in letzter Zeit ganz schön zugelegt. Was tust du?“. Oder auch: „Alle in deiner Klasse tragen jetzt diese superengen Hosen. Bei dir sitzen sie viel zu knapp und sehen nicht gut aus. Was tust du?“

Empörung allerorten. Shitstorm im Internet. Jugendpsychiater in Aufruhr. Einzelne Apotheken boykottieren das Januarheft und legen „Medizini“ nicht aus. Der Wort & Bild Verlag gibt eine Erklärung ab. Der bunte Selbsttest richte sich an Schulkinder und solle spielerisch „das Bewusstsein dafür schaffen, dass zu viel Beschäftigung mit dem eigenen Körper schädlich“ sein könne. Wir fassen zusammen: „Medizini“ findet zu viel Beschäftigung mit dem eigenen Körper schädlich und beschäftigt sich deshalb mit dem Körper.

Falls „Medizinis“ jüngste Leser bisher der Ansicht gewesen sein sollten, dass Aussehen, Unter- oder Übergewicht kein wichtiges Thema seien, dann beendet spätestens die Lektüre dieses Tests diesen seeligen Zustand. Wahr ist, dass schon Vierjährige nach Diäten fragen und Achtjährige an Anorexie leiden - und dass Totschweigen nicht hilft. Wahr ist aber auch, dass eine solche, 1,5 Millionen Mal gedruckte Anleitung zum Selbstzweifel kaum hilft. Der Test arbeitet vielmehr Heidi Klum und der Beautyindustrie in die Hände.

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