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So wird der neue „Tatort“ aus Kiel

Letzter Fall für Kekilli So wird der neue „Tatort“ aus Kiel

Mörder ahoi! Während alle Welt auf die große Regatta der Kieler Woche blickt, jagen die „Tatort“-Kommissare Borowski und Brandt einen Psychokiller. Der letzte „Tatort“ mit Sibel Kekilli (Sonntag, 18. Juni, 20.15 Uhr, ARD) ist bis zum finalen Paukenschlag extrem harter Stoff. Zuschauers Nervenkostüm wird hier auf die Probe gestellt.

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Genervt, gebeutelt, abgebrannt: Nach einem Feuer in seiner Wohnung schleppt sich Borowski (Axel Milberg, links) auf die Straße.

Quelle: Foto: ARD

Kiel. Eigentlich hätte Sarah Brandt einen schöneren oder spektakuläreren Abschied verdient. Dass Sibel Kekilli, die diese Rolle seit 2010 spielt, sich so sang- und klanglos vom Kieler-„Tatort“ verabschiedet, hat jedoch mehrere Gründe. Zum einen wollte die Schauspielerin angeblich keine explizite Abschieds-Folge und zum anderen wurde die jetzt gesendete Folge „Borowski und das Fest des Nordens“ (Regie: Jan Bonny) bereits 2015 gedreht. Sie lag danach auf Eis, weil der NDR zur Ausstrahlung die zeitliche Nähe zur Kieler Woche im Juni suchte. Und dieses Fest des Nordens spielt dann auch eine wichtige Rolle im Film, ja es liefert gleichsam den Soundtrack zum Geschehen.

Feierndes Volk, gestresste Kommissarin

Ganz Kiel hat sich an diesen festlichen Tagen in eine Art Dauer-Rummelplatz verwandelt, nachts ziehen grölende Horden Betrunkener durch die Stadt und Sarah Brandt, die mittendrin wohnt, ist davon so genervt, dass sie einer lärmenden Männergruppe mit dem Golfschläger hinterherläuft und einen Eimer voll Wasser aus dem Fenster kippt. Aber sie ist nicht die Einzige in diesem Film, die gestresst wirkt. Auch ihr Kollege Klaus Borowski (Axel Milberg) scheint im Ausnahmezustand zu sein. Ja er könnte, so wie er hier gezeichnet ist, auch gut ein Kommissar in einem Schweden-Krimi sein. Was wenig überrascht, da die von Nils Willbrandt bearbeitete Vorlage von dem verstorbenen schwedischen Autor Henning Mankell stammt.

Borowski schlägt über die Stränge

So lebt Borowski, der früher ein liebenswert ordentlicher Grantler gewesen ist, nun recht unbehaust in einer chaotischen Wohnung und trinkt viel zu viel. Und neigt dann zu Eskapaden. Diese werden aber nie zu Ende erzählt wie sehr vieles in diesem Film. Zu allem Überfluss befindet sich unser Kommissar auch noch im Dauerstreit mit seiner Kollegin Brandt, die ihn mit ihren Mutmaßungen über den Täter fürchterlich auf den Wecker geht.

Apropos: Die Kieler Kommissare suchen einen Doppelmörder, den der Zuschauer von Anfang an kennt. Er wird nämlich Zeuge der Taten dieses Mannes und verfolgt dabei hautnah das Geschehen. Was durch den Einsatz der Handkamera zusätzlich verstärkt wird, die erschreckend authentisch die Morde einfängt. Morde, die wahre Gewaltexzesse sind. Das ist bisweilen so verstörend, dass man sich wundert, dass die ARD den Film um 20.15 Uhr ausstrahlen darf.

Ein Streit endet tödlich

Der Mann, der hier so brutal tötet, ist Roman Eggers (ganz stark: Misel Maticevic). Sein Leben ist völlig aus der Spur geraten und. Warum – das erfährt das Publikum indes nicht. Stattdessen sieht man ihn in einer fast leeren Wohnung, die ihm offenbar als Versteck dient. Dort besucht ihn Maren, mit der er ein Verhältnis gehabt hat. Sie möchte Sex von ihm, macht ihm aber auch Vorwürfe wegen einer hohen Summe Geld, die verschwunden ist. Und es kommt zum Streit, der tödlich endet.

Die genauen Motive bleiben im Dunkel. Und Borowski hat wohl nicht unrecht, wenn er am Tatort mit Blick auf die malträtierte Tote kühl analysiert: „Sie hat ihn genervt.“ Ein Spruch, den Sarah Brandt zynisch findet angesichts der Tatsache, dass eine Frau erschlagen worden ist. Zudem hat sie bald einen fürchterlichen Verdacht, der für Borowski im Rang eines Hirngespinsts bleibt. Im Verlauf des Films kommt es dann noch zu einem ähnlich grausam gezeigten Mord, während Borowski aus Gründen, die wir hier nicht verraten wollen, tatsächlich eine Seelenverwandtschaft zu dem Mörder entwickelt. Alles gipfelt in einer äußerst irritierenden Szene.

Reif für die „Tatort“-Sommerpause

Danach ist man dann als Zuschauer tatsächlich reif für die „Tatort“-Sommerpause, in der man sich ja immerhin gut zwei Monate lang von diesem extremen Film erholen kann. Von einem Krimi, der mutig die Sehgewohnheiten überschreitet, den man entweder mögen oder genervt abschalten wird.

Von Ernst Corinth/RND

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