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Sonderhefte zur Frauenfußball-WM

Eröffnungsspiel am Kiosk Sonderhefte zur Frauenfußball-WM

Eröffnungsspiel am Kiosk: Zur Frauenfußball-WM erscheinen erstmals Sonderhefte, wie es sie im Männerfußball schon lange gibt – zwischen sportlichem Anspruch und Event-Charakter.

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Zwischen sportlichem Anspruch und Event-Charakter: Der „kicker“ und „11 Freundinnen“ setzen aufs Fachpublikum – der „Playboy“ auf Klischees.

Quelle: Kris Finn

Am Ball sind ARD und ZDF schon lange. Seit dem ersten Weltmeistertitel 2003 zeigen die Öffentlich-Rechtlichen die meisten Länderspiele der deutschen Frauen-Nationalmannschaft live, und bis zur Saison 2015/2016 haben sie sich die weiteren Übertragungsrechte gesichert – da erscheint es selbstverständlich, dass zwischen dem 26. Juni und 17. Juli alle 33 Spiele der Frauen-WM 2011 live zu sehen sind.

Solche Begeisterung für den Frauenfußball war am Zeitschriftenkiosk bisher nicht zu spüren. Doch jetzt, wo das deutsche Großereignis des Sommers naht, kommt Bewegung in die Regale. Vorfreude auf die Frauen-WM will beispielsweise „11 Freundinnen“ wecken, die kleine Schwester der „11 Freunde“. Als die Beilage im September vergangenen Jahres erstmals erschien, mussten sich die Redakteure allerdings die Frage gefallen lassen, ob sie den Verstand verloren hätten. Hatten sie nicht; sie sahen sich eher als Reisende, die als Erste auf einen Zug aufspringen, während andere noch die Koffer packen.

„Es bietet sich total an“, sagte Jens Kirschneck damals, der redaktionelle Leiter des Magazins, „es gibt eine Million organisierte Frauen im DFB, und die sportlichen Erfolge sind auch da.“ Dementsprechend inszeniert er die Kickerinnen nicht als Popstars; im Mittelpunkt stehen ernsthafte Porträts und Reportagen aus den internationalen Ligen. Ungeachtet der Stammtisch-Kritik ist „11 Freundinnen“ jetzt als WM-Sonderheft erschienen: Alle Teams und Taktiken, Stadien und Termine sind auf 100 Seiten beschrieben.

Der „kicker“ wollte da nicht zurückstehen. Das Fachmagazin, sonst zu jedem Anpfiff von Männer-WM und Männer-Bundesliga mit einer Extraausgabe am Start, hat sich mit einem Frauen-WM-Sonderheft auf den Markt gewagt. Längst vergessen der Versuch aus der Saison 1990/1991, als das erste und bisher einzige Sonderheft zur Frauen-Bundesliga – erschienen ohne Anzeigen! – floppte. Die Frauen-Nationalelf liefert da offenbar mehr Geschichten, die vor der WM im eigenen Land auf größeres Interesse stoßen: Das aktuelle Heft bietet auf 102 Seiten vor allem Informationen über das deutsche Team.

„Ursprünglich waren 64 Seiten geplant“, sagt Christof Distler, Leiter des Nürnberger Olympia-Verlages, in dem der „kicker“ erscheint. Dann aber habe das Anzeigenaufkommen „wahnsinnig überrascht“ und dafür gesorgt, dass der Umfang des Heftes zweimal erweitert wurde. „Fünf vollbezahlte Anzeigen haben wir erhofft“, erinnert sich Distler an den Beginn der Planungen im November – 20 ganzseitige Werbeflächen sind es bis Ende Mai geworden. Der große Zuspruch setzte erst zwei bis drei Wochen vor Anzeigenschluss ein; „die Sponsoren haben abgewartet und sich gegenseitig beobachtet.“ Als die ersten aktiv wurden, zogen die anderen nach.

Knapp 130.000 Exemplare des „kicker“-Sonderheftes liegen im Handel, die Mehrzahl soll vor dem Eröffnungsspiel verkauft sein. „Der große Run wird einsetzen, wenn die WM im Fernsehen beginnt“, sagt Redakteur Peter Nickel. So wie 2006 beim „Sommermärchen“ der Männer: Damals verkaufte der „kicker“ rund 400.000 Exemplare seines Sonderheftes, das 270 Seiten stark war. Das Konzept von damals ist das Konzept von heute, „wir wollten die Qualität halten“, sagt Nickel. Und so enthält das Frauenheft den Spielplan im aufklappbaren Umschlag sowie reichlich Details über Gruppengegner, Favoriten, Geheimtipps und Außenseiter. Nur statt der üblichen Männer-Stecktabelle gibt es ein großes Frauenposter der deutschen Elf – und als Besonderheit einen historischen Überblick über Frauenfußball.

Einen Ritterschlag verpasst Panini den Fußballerinnen. Erstmals erscheint ein Sammelalbum mit Porträts von jeweils 19 Spielerinnen der 16 WM-Teams. Auch Klebesticker der WM-Stadien, der WM-Trophäe und des Spielballs fehlen nicht – alles wie bei den Männern, bei denen die Klebetradition seit der WM 1970 gepflegt wird. Als „Meilenstein für den Frauenfußball“ hat der Weltverband FIFA die Panini-Premiere pathetisch bezeichnet.

Bleibt das Kontrastprogramm: Auch der „Playboy“ hat den Frauenfußball entdeckt – und widmet ihm die Titelgeschichte: „Weltmeisterlich! So schön sind Deutschlands Fußball-Nationalspielerinnen“. Im Innenteil zeigen auf neun Doppelseiten fünf Spielerinnen „echtes Ballgefühl“, um damit das „Mannweiber-Klischee“ zu widerlegen. Schade nur, dass keine aus dem Quintett im aktuellen WM-Kader steht.

Ob der Frauenfußball mit so viel Offenherzigkeit gut in Szene gesetzt ist? Das sportliche Image steigern solche Auftritte sicher nicht.

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