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"Der Spiegel" will sparen – und wachsen

150 Stellen sollen wegfallen "Der Spiegel" will sparen – und wachsen

"Der Spiegel" hat sich ein umfangreiches Sparprogramm verordnet. Bis Ende 2016 will der Verlag rund 150 Stellen streichen. Gleichzeitig plant er aber auch zahlreiche Neuerungen in seinen Print- und Digitalprodukten, um sich für die Zukunft aufzustellen.

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Die Leitung des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" will sparen – und gleichzeitig neue Projekte starten.

Quelle: Marcus Brandt/dpa

Hamburg. Die Mitarbeiter des Spiegel-Verlags werden sich umgewöhnen müssen. Sie werden bald gezwungen sein, sich auf mehr Arbeit, aber auch neue Abläufe einzustellen und auf manches zu verzichten, was den Alltag im Vergleich zu anderen Häusern etwas angenehmer gestaltet hat.

Doch das wird die leichtere Last sein, denn auch Personalabbau ist geplant. Von den derzeit 727 Stellen sollen bis Ende 2016 rund 150 wegfallen: 100 im Verlag, 35 in der Redaktion und 14 in der Dokumentation. Beschlossen haben das die Gesellschafter des Spiegel-Verlags: die Mitarbeiter KG, denen das Haus zu 50,5 Prozent gehört, der Verlag Gruner + Jahr (25,5 Prozent) sowie die Erbengemeinschaft des Gründers Rudolf Augstein (24 Prozent).

Bisher keine Kündigungen

Bereits im Juni, ein halbes Jahr nach ihrem Antritt, haben Geschäftsführer Thomas Hass und Chefredakteur Klaus Brinkbäumer einen Sparkurs angekündigt. Seit Dienstag steht fest, woher die 16,1 Millionen Euro kommen: Knapp zehn Millionen Euro sollen effizientere Arbeitsabläufe bringen, mehr als vier Millionen Euro werden bei Sachkosten gestrichen. Einzelne Dienstleistungen sollen zudem ausgelagert werden, was weitere gut zwei Millionen sparen soll.

Der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", Klaus Brinkbäumer (l.), und der Chefredakteur von "Spiegel Online", Florian Harms.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Zwar kündigte Hass auf einer Mitarbeiterversammlung am Dienstag an, dass der Personalabbau "möglichst fair und angemessen" gestaltet werden soll. Doch betriebsbedingte Kündigungen, das gab es beim "Spiegel" noch nie, und sie sollen auch jetzt so weit wie möglich verhindert werden. Von Vorruhestands- und neuen Solidarmodellen ist die Rede, die von den Mitarbeitern und dem Betriebsrat nun zu diskutieren sind.

Neue Projekte gestartet

Die Kürzungen im kostenintensivsten Bereich Personal sind allerdings nur ein Teil einer Reihe weiterer Maßnahmen, die die finanzielle Unabhängigkeit des Verlags und damit die Qualität des "Spiegel"-Journalismus langfristig sichern sollen. "Wir werden gerade jenes experimentierfreudige und moderne Medienhaus, das wir sein wollen", formuliert das Chefredakteur Klaus Brinkbäumer.

Die unter dem Arbeitstitel "Agenda 2018" firmierende Restrukturierung des Spiegel-Verlags sieht neben Spar- jedoch auch Maßnahmen für Wachstum vor. Von den anfangs definierten 15 Projekten sollen elf umgesetzt werden. Einige von ihnen sind bereits gestartet oder zumindest auf den Weg gebracht: etwa ein neues Veranstaltungskonzept, der zur Buchmesse gestartete "Literatur Spiegel", der möglicherweise künftig regelmäßig gedruckt erscheinende Magazinableger "Spiegel Biografie" oder das junge Online-Portal "bento" (mitsamt redaktionell verpackter Werbeartikel). Dazu kommt in zwei Wochen die überarbeitete Version des digitalen "Spiegels".

Bezahlschranke soll kommen

Zu den geplanten Projekten gehört aber auch eine digitale, am späten Nachmittag als Smartphone-App erscheinende Zeitung, deren Start für das erste Halbjahr 2016 angekündigt ist. Umgesetzt wird nun außerdem die lang diskutierte Bezahlstrategie für "Spiegel Online": nach und nach, mit zunächst einzelnen Artikeln, für die der Nutzer wird zahlen müssen.

Damit beendet das Digitalangebot die von Beginn an auf Reichweite fixierte Kostenlos-Strategie. Dasselbe gilt für das englischsprachige Angebot "Spiegel International", das im Laufe des ersten Quartals 2016 ebenfalls zum Bezahlangebot umgebaut wird.

Regionale Seiten im "Spiegel"

Ganz neu sind die Pläne, das gedruckte Magazin um regionale Berichterstattung zu ergänzen. Jeweils in der Heftmitte werden von Februar an regionale Seiten erscheinen: zunächst in Nordrhein-Westfalen. Bei Erfolg wird der Test auf weitere Regionen ausgeweitet.

"Es geht uns darum, die Spiegel-Gruppe als Heimat des investigativen Journalismus zu stärken und gleichzeitig zu einem innovativen multimedialen Unternehmen zu entwickeln", sagte Geschäftsführer Hass. Die "Agenda 2018", die sowohl auf Spar- als auch Wachstumsmaßnahmen setzt, schaffe die Voraussetzungen. Bereits im noch laufenden Geschäftsjahr wird für die Restrukturierungen ein zweistelliger Millionenbetrag anfallen, der noch aus dem zu erwartenden operativen Ergebnis zu finanzieren sei, sagte Hass.

Von Ulrike Simon

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