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"Heiß ist kein Qualitätsmerkmal"

Sportmoderatorin Anna Kraft im Interview "Heiß ist kein Qualitätsmerkmal"

Frauen haben es im Sportjournalismus imemr noch schwerer als Männer – so lautet das Klischee. Sportmoderatorin Anna Kraft ist von der Sexismus-Debatte genervt: "Heiß" sei noch nie ein Qualitätsmerkmal für Sportjournalistinnen gewesen, findet die 30-Jährige.

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"Bislang ist es wirklich gut gelaufen": Anna Kraft wird im Sommer von der Fußball-EM berichten.

Quelle: Nadien Rupp

Frau Kraft, haben es Frauen im Jahr 2016 immer noch schwerer im Sportjournalismus als Männer?
Puh, das ist die typische Klischeefrage. Nehmen Sie es mir nicht übel, aber diese Frage kann ich fast nicht mehr hören.

Verständlich. Aber die Frage hat ja einen aktuellen Hintergrund. Der "Sportjournalist", das Mitgliedermagazin des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, hat kürzlich mit einer Meldung über die "heißeste Moderatorin Deutschlands" eine Sexismusdebatte in der Medienbranche entfacht.
Ja, das habe ich mitbekommen. Ich hatte eigentlich gedacht, dass wir da schon einen Schritt weiter sind. "Heiß" ist doch kein Qualitätsmerkmal für Sportjournalistinnen und ist es auch noch nie gewesen.

Und dennoch werden immer wieder Artikel über "sexy Sportmoderatorinnen" veröffentlicht.
Ja, und ich finde es in diesem Zusammenhang ziemlich spannend, dass über Männer nie in derartigen Kategorien gesprochen wird. Männliche Sportreporter sind gut oder schlecht. Aber es hat noch nie jemand gefragt, inwiefern das Aussehen der männlichen Kollegen mit ihrer journalistischen Leistung zu tun hat. Warum auch?

Also hat der Sportjournalismus ein Sexismusproblem?
Das ist eine Frage für denjenigen, der solche Umfragen in Auftrag gibt beziehungsweise solche Umfragen durchführt. Fakt ist, in meinem Berufsalltag spüre ich, dass bei Interviews keine geschlechterspezifischen Unterschiede gemacht werden. Ich finde es auch etwas verstörend, dass in Diskussionen über Sportjournalistinnen immer noch von der angeblichen „Männerdomäne Fußball“ die Rede ist. Denn die Wirklichkeit ist anders. Wir sind im 21. Jahrhundert: Frauen interessieren sich für Fußball, sie spielen Fußball, sie gehören längst dazu. Ich gratuliere Laura Wontorra zum Titel „heißeste Sportmoderatorin“, sie ist eine gute Freundin von mir und eine tolle Kollegin. Aber ich kann mit dieser Umfrage, ehrlich gesagt, nichts anfangen. Und ich weiß auch nicht, wer so eine Umfrage braucht.

Können Sie verstehen, dass Kolleginnen aus Protest aus dem Verband Deutscher Sportjournalisten ausgetreten sind?
Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Manchmal sind es die extremen Reaktionen, die ein Nachdenken provozieren.

Im Sommer werden Sie erstmals von der Fußball-Europameisterschaft berichten. Was wird Ihre Aufgabe sein?
Ich werde aus den Stadien berichten, die Stimmung einfangen und nach dem Spiel Interviews mit Spielern und Funktionären führen.

Steigt die Anspannung schon?
Noch nicht. Noch bin ich im Bundesliga-Modus. Aber mit dem Abpfiff in der Liga beginnt die Vorbereitung auf die EM. Darauf freue ich mich total. Das ist das erste große Fußballturnier, von dem ich vor Ort berichten werde. Ein echtes Highlight.

In den vergangenen Jahren ist es für Sie beruflich steil bergauf gegangen. Was ist das nächste Ziel? Wollen Sie irgendwann das „Aktuelle Sportstudio“ moderieren?
Bislang ist es wirklich gut gelaufen, das stimmt. Und deshalb werde ich es weiter so halten wie bisher, dass ich alles auf mich zukommen lasse, um dann zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln.

Zur Person: Anna Kraft

Anna Kraft (30) ist eine deutsche Sportjournalistin und ehemalige Leichtathletin. Sie hat an der Sporthochschule Köln Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Medien und Kommunikation studiert. Nach Stationen bei Antenne Bayern, Sat.1, Sky und Sport1 ist Kraft im Sommer 2015 zum ZDF gewechselt. Dort moderiert sie unter anderem die "Sportreportage".

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