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Medien Springer verliert gegen Hollywood und muss seinen Medienpreis umbenennen
Nachrichten Medien Springer verliert gegen Hollywood und muss seinen Medienpreis umbenennen
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18:58 09.08.2011
Von Imre Grimm
„Osgar“ oder „Oscar“ – tatsächlich besteht höchstens vom Namen her Verwechselungsgefahr. Quelle: dpa
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Es kommt selten vor, dass der Axel Springer Verlag in einem Kampf mal die Rolle des David spielt. Aber in einem Gerichtsstreit mit Hollywood kriegt selbst das deutsche Medien-Dickschiff zu spüren, wer hier der Boss ist: Springers „Bild“-Zeitung hat eine Niederlage gegen Goliath erlitten, die US-Filmindustrie. Das Boulevardblatt muss sich nach einem Urteil des Berliner Landgerichts einen neuen Namen für seinen Medienpreis „Osgar“ ausdenken. Geklagt hatte die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences aus Beverly Hills. Sie vergibt jährlich die „Academy Awards“ – den „Oscar“ – und sah durch den „Osgar“ ihre Markenrechte verletzt.

Zu Recht – urteilte das Gericht. Wegen der Namensähnlichkeit drohe hohe Verwechselungsgefahr. Springer ist es damit künftig verboten, unter der Bezeichnung „Osgar“ oder „Bild-Osgar“ Auszeichnungen, Preise, Prädikate oder Trophäen zu verleihen, heißt es (Az.: 16 O 168/10). Die „Bild“-Zeitung hatte sich erfolglos darauf berufen, dass ihr Preis nach Oskar Seifert (1861–1932) benannt sei, einem sprücheklopfenden Leipziger Original und Marktschreier, von dem sich auch die Redensart „Frech wie Osgar“ ableite (mit sächsisch-weichem „g“ statt „k“).

„Osgar“ oder „Oscar“ – tatsächlich besteht höchstens vom Namen her Verwechselungsgefahr. Ansonsten gleicht sich wenig: Der „Osgar“ ist eine 25 Zentimeter hohe und 721 Gramm schwere, weiße Porzellanfigur aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin, die ein bisschen aussieht wie ein Schaltknauf. Der „Oscar“, vergeben seit 1929, ist zehn Zentimeter höher, besteht aus einem massiven Nickel-Kupfer-Silber-Körper, überzogen mit einer 24-karätigen Echtgoldhaut, und wiegt 3,85 Kilogramm.

Und auch sonst: „Osgar“ in Leipzig – „Oscar“ in Los Angeles. „Osgar“ mit Kai Pflaume und Katarina Witt – „Oscar“ mit Johnny Depp und Scarlett Johansson. „Osgar“ mit Kai Diekmann – „Oscar“ mit George Clooney. Nun ja. Bei www.bild.de stellt man den „Osgar“ dennoch in hausüblicher Hybris in eine Reihe mit den Superstars unter den Trophäen: Er findet sich ganz keck in einer Preis-Liste zwischen „MTV Movie Awards“, „Grammy“, „Golden Globe“, „Friedensnobelpreis“ (warum nicht?), „Echo“ – und dem echten „Oscar“. Dazwischen hat sich auch noch das „Goldene Lenkrad“ gezwängt, Springers Autopreis.

„Bild“ vergab den „Osgar“ seit 1994 an Menschen, die sich „um Frieden, Freiheit und das Zusammenwachsen Deutschlands verdient gemacht haben“. Zu den Preisträgern gehören Kurt Masur, die Prinzen, Peter Sodann, Kristin Otto, Yvonne Catterfeld, Michael Ballack, Franziska van Almsick und Silbermond – also praktisch jeder, der irgendwie aus dem Osten stammt und schon mal im Fernsehen war. Zur Not durften’s aber auch Weststars sein oder Allzweck-Politpromis wie Desmond Tutu und der Dalai-Lama. Die Antwort auf die Frage, inwieweit sich Hartmut Mehdorn, José Carreras, Oliver Kahn und die Jacob Sisters um die deutsche Einheit verdient gemacht haben, blieb der Verlag schuldig.

2009 reiste „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann eigens nach Moskau, um Michail Gorbatschow einen „Osgar“ zu überreichen. In einem Video sitzt Diekmann aufgeregt in einem russischen Büro, Gorbatschow nimmt das bollerige Stück Porzellan höflich entgegen, lacht und murmelt. Die Dolmetscherin übersetzt: „Sie hätten es am gleichen Abend machen sollen wie die in Hollywood.“ – „Jahaa!“, lacht Diekmann. So viel zur Frage, ob es beim „Osgar“ eine kalkulierte Analogie zum Original gab oder nicht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verlag prüft derzeit die Begründung des Gerichts. „Über eine Berufung ist noch nicht entschieden“, sagte eine Sprecherin am Dienstag in Berlin. Für das Jahr 2011 sei keine Gala geplant gewesen.

Es herrscht ja auch wahrlich kein Mangel an Medienpreisen in Deutschland, dem Land der Goldenen Ehrennadeln und Silbernen Lorbeerblätter. Vom Franz-Josef-Strauß-Preis bis zum Quadriga-Preis, von der Goldenen Henne bis zum Point-Alpha-Preis – es gibt immer eine Gelegenheit, sich bei gutem Essen mit gekauften Prominenten zu schmücken, die im Gegenzug mit ihrer Gegenwart die Stiftung/Firma/Gesellschaft/Partei aufwerten, während die Fotografen knipsen. Die „Financial Times Deutschland“ schrieb unlängst von „Ehrungs-Onanie“. „Unter Umständen kann es eine Ehre sein, dass man einen Preis nicht erhält“, hat der französische Autor André Maurois mal gesagt, – „vor allem dann, wenn man bedenkt, wer ihn schon bekommen hat.“ Das erinnert an den alten Groucho-Marx-Spruch: „Ich möchte keinem Klub angehören, der Leute wie mich als Mitglied aufnimmt.“

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