Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien „Süddeutsche Zeitung“ trennt sich nach Zweifeln an Geschichte von freiem Journalisten
Nachrichten Medien „Süddeutsche Zeitung“ trennt sich nach Zweifeln an Geschichte von freiem Journalisten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:55 21.02.2019
Die „Süddeutsche Zeitung“ hat die Texte eines freien Mitarbeiters überprüft – und Verstöße gegen journalistische Standards entdeckt. Quelle: Ronald Wittek/dpa
München

Die „Süddeutsche Zeitung“ hat die Zusammenarbeit mit einem freien Mitarbeiter beendet. Er hat nach Angaben des Blatts in einer noch nicht veröffentlichten Geschichte des „Süddeutsche Zeitung Magazins“ einen Protagonisten erfunden. Der Autor habe zugegeben, dass Zweifel an der Geschichte berechtigt seien, teilten die Chefredaktionen beider Titel am Mittwoch in München mit. Sie sehen das als „groben Verstoß gegen die journalistischen Standards“. Das Branchenportal „Meedia“ hatte darüber berichtet.

Bei der Überprüfung weiterer Texte habe sich herausgestellt, dass „in einer Geschichte des Journalisten fremdsprachige Zitate unsauber wiedergegeben wurden und dadurch Sachverhalte ungenau dargestellt worden sind“. Anhaltspunkte für weitere „schwerwiegende Verstöße“ gegen die journalistischen Standards der beiden Titel habe es nicht gegeben.

„Zeit“ überprüft nun auch Texte des Journalisten

Der freie Journalist soll auch für andere Medien geschrieben haben. Eine Sprecherin der Zeit-Verlagsgruppe erklärte laut „Meedia“: „Wir prüfen intensiv alle Texte des freien Mitarbeiters. Dies geschieht unter Mithilfe des Autors, der uns seine Rechercheunterlagen zur Verfügung gestellt hat. Die Prüfung hält noch an. Bislang haben sich alle Orte, Personen und Ereignisse als real erwiesen.“ Allerdings seien in einem Teil der Texte sachliche Fehler und Ungenauigkeiten aufgefallen.

Im Dezember hatte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ einen schweren journalistischen Betrugsfall im eigenen Haus aufgedeckt und öffentlich gemacht. Dabei ging es um Fälschungen des Reporters Claas Relotius, der zunächst als freier Mitarbeiter und dann als Redakteur für das Nachrichtenmagazin gearbeitet hatte. Von ihm sind dem „Spiegel“ zufolge seit 2011 knapp 60 Texte im Heft und bei „Spiegel Online“ erschienen. Nach „Spiegel“-Angaben hat der Journalist in „großem Umfang seine eigenen Berichte gefälscht und Protagonisten erfunden“. Die neue Chefredaktion um Steffen Klusmann setzte eine Kommission aus internen und externen Experten ein, die den Fälschungen nachgeht.

Von dpa/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Traumatische Erlebnisse sind nie einfach zu verarbeiten – das gilt für Soldaten in Kriegsgebieten besonders. Eine Amazon-Serie mit Filmstar Julia Roberts erzählt davon.

20.02.2019

Sex in Zeiten des Internets: Pornos sind das Eine – alle möglichen Ratgeber das Andere. In Podcasts reden Menschen offen über ihr Sex- und Gefühlsleben. Selbst echten Sitzungen aus Paartherapien kann man zuhören. Was macht diese Offenheit mit uns?

20.02.2019

Anleitung zum Manipulieren? Mit einem Sprachgutachten namens „Framing Manual“ wollte die ARD ihr Image aufpolieren – nun steht sie unter Propagandaverdacht. Und „Staatsfunk“-Kritiker fühlen sich bestätigt. Dabei betreibt etwa die AfD „Framing“ längst selbst in Perfektion.

19.02.2019