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Magazine im Fokus

Ulrich Reitz wird Focus-Chef Magazine im Fokus

In den Verlagen herrscht Nervosität: Erst tauscht der „stern“ seinen Chefredakteur aus, jetzt der „Focus“. Ulrich Reitz, ehemaliger Chefredakteur der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ („WAZ“), ersetzt Jög Quoos.

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Bereits 1993 gehörte Reitz zur ersten Redaktionsmannschaft des „Focus“ unter Helmut Markwort.

Quelle: Carstensen

München. Als Jörg Quoos vor eineinhalb Jahren den Posten des Chefredakteurs beim „Focus“ antrat, wollte er vor allem eins: Themen setzen, die der Leser nicht erwartet. Das führte in der Folge auch dazu, dass das Nachrichtenmagazin aus dem Verlagshaus Burda in der Woche des Papstrücktrittes mit der Schlagzeile „Albtraum Fehldiagnose“ am Kiosk lag. Beim wöchentlichen Roulette um den stärksten Kiosktitel kann man schon mal danebenliegen. Dass Quoos gerade mal 18 Monate später mit einem Paukenschlag als Chefredakteur entlassen wird, dürfte allerdings tiefer gehende Gründe und vor allem mit konkreten Zahlen zu tun haben.

Der ehemalige „Bild“-Vize war offenbar nicht in der Lage, das trudelnde Münchener Magazin wieder auf Kurs zu bringen. Die Zahl der Abonnenten – die harte Währung der Verlage – fiel in den letzten zehn Jahren von 300 000 auf 175 000. Und auch die Kioskverkäufe reduzierten sich um mehr als die Hälfte, von 200 000 Exemplaren auf rund 77 000. Dass man sich von Quoos nicht in friedlichem Einvernehmen trennt, liest sich recht deutlich aus der offiziellen Burda-Mitteilung heraus: „Jörg Quoos und das Unternehmen sind unterschiedlicher Auffassung bezüglich der künftigen Ausrichtung des Magazins“, heißt es darin.

Der „Focus“ war mal eine Marke im deutschen Zeitschriftenmarkt. Doch in letzter Zeit machte der Titel – einmal abgesehen von der Enthüllung der Hoeneß-Affäre und dem Fall Gurlitt – höchstens noch im Onlinebereich mit Absurditäten, wie dem gefühlt 365 Tage andauernden und mit allerlei Gerüchten aufgefüllten Schumacher-Live-Ticker, auf sich aufmerksam.

Richten soll es jetzt Ulrich Reitz. Der ehemalige Chefredakteur der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ („WAZ“) weiß, wie es sich anfühlt, wenn man seine Sachen packen muss. Neun Jahre stand Reitz an der Spitze der „WAZ“-Redaktion. Er baute die zentrale Mantelredaktion für die NRW-Titel „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Westfalenpost“, „Westfälische Rundschau“ und „Neue Ruhr-Zeitung“ auf. Er verordnete der Gruppe einen radikalen Sparkurs. Zunächst wurden 330 Redakteure entlassen, Anfang 2013 musste die komplette Redaktion der „Westfälischen Rundschau“ gehen. Den Auflagenschwund (8,5 Prozent minus für alle „WAZ“-Titel innerhalb eines Jahres) konnte das auch nicht stoppen – und Reitz musste gehen.

Im Grunde kehrt der 54-Jährige jetzt dahin zurück, wo er einst angefangen hat. 1993 gehörte Reitz zur ersten Redaktionsmannschaft des „Focus“ unter Helmut Markwort. Bis 1997 leitete er die Bonner Parlamentsredaktion des Magazins. Reitz gilt als politischer Kopf, der in seiner Zeit bei der „WAZ“ sogar schon einmal als Regierungssprecher gehandelt wurde. Dass es diese Qualifikation war, die Reitz jetzt auf den Chefsessel des „Focus“ beförderte, gilt allerdings als ausgeschlossen. Eher, so vermuten Branchenkenner, brauchte man einen Neuen, der auch dann nicht zimperlich ist, wenn es darum geht, dem Haus einen rigiden Sparkurs zu verpassen.

Der „Focus“ ist derzeit nur einer unter vielen, der das Sommerloch fleißig mit Interna füllt. Erst vor zwei Wochen war der „stern“ in die Schlagzeilen geraten, nachdem Chefredakteur Dominik Wichmann von Journalisten erfahren musste, dass sein Posten bereits neu vergeben wurde. Und auch der „Spiegel“ kommt nicht zur Ruhe. Gerade erst maßregelte die Gesellschafterversammlung Chefredakteur Wolfgang Büchner, die Verzahnung von Print und Online nicht im Alleingang, sondern nur „in enger Zusammenarbeit“ mit den Redaktionen von „Spiegel“ und „Spiegel Online“ vorzunehmen. Bei Berufsanfängern nennt man so etwas auch Probezeit.

von Nora Lysk

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