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Medien VOX profiliert sich am Wochenende mit langen Dokumentationen
Nachrichten Medien VOX profiliert sich am Wochenende mit langen Dokumentationen
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19:47 03.06.2011
Großer Auftritt auf VOX: Seit dem 4. Januar 2010 steht im Wüstenemirat Dubai das höchste Gebäude der Welt: Burj Khalifa. Quelle: dpa
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Es war einmal ein kleiner Sender. Dieser Sender, VOX mit Namen, wollte der beste, wichtigste und unterhaltsamste des Okzidents sein. Da baute er sich ein Programm, gehaltvoll wie das öffentlich-rechtliche, doch das Publikum wollte dieses Programm nicht sehen. Anspruchsvolles Fernsehen wurde daraufhin bei VOX aufgegeben. Der Sender dümpelte mit Billigfernsehen, Softpornos und Kochshows dahin.

Seit Januar endlich volljährig, hat sich VOX in den vergangenen Jahren nun aber beinahe zu einem erwachsenen Kanal gemausert. Die RTL-Tochter sondert neben allerlei US-Serien zwar weiter unablässig Trash mit Daniela Katzenberger und „Das perfekte Dinner“ in Endlosschleife ab, ist aber gleichsam der einzige Anbieter von etwas, das im Aussterben begriffen ist: kommerzielles Sachfernsehen, das diesen Namen auch verdient. Seit gut drei Jahren zeigt ausgerechnet jener Sender, der als einziges Vollprogramm zwischen 12 und 24 Uhr so nachrichtenfrei ist wie das gesamte Wochenende danach, episch lange Dokumentationen zur Primetime: vierstündige Schwerpunkte, produziert meist von Alexander Kluges Info-Fabrik dctp.

Ob Beerdigungs- oder Schönheitskultur, Norm- oder Transsexualität, 200 Jahre Oktoberfest oder fünf Jahre Tsunami, das Ende der DDR – oder wie am Sonnabend in der interessanten Doku „Wolkenkratzer Burj Khalifa – Leben im höchsten Gebäude der Welt“ alles über das beeindruckende Gebäude Burj Khalifa in Dubai ... Wenn andere Spielshows und Blockbuster zeigten, konterte VOX allein im Vorjahr 25-mal mit der Aufarbeitung zeitgemäßer Themen. Und die können durchaus mal halbe Tage gehen. Hitlers Suizid zum Beispiel wurde am 30. April über zwölf Stunden förmlich seziert. Am 11. September dann steht der nächste Marathon an. „Mehr Qualität dank Quantität“, so umschreibt Senderchef Frank Hoffmann sein Konzept. Es entstehe ein neues Bild in einem neuen Licht, denn „durch die lange Sendezeit haben wir mehr Raum für Zwischentöne und Details“.

Qualität, Zwischentöne, Details – solche Begriffe sollte man sich kurz laut wiederholen bei einem Kanal, den Hoffmann vor sechs Jahren als Karikatur seiner eigenen Träume übernahm. Gestartet im Jahr 1993 als dualer Mittelweg zwischen privater Verflachung und staatlichem Trott, hatte der nachnominierte „Ereignissender“ sein Programm nur Monate nach dem ambitionierten Start im Quotentief umgekrempelt. Der Markt für Anspruch war öffentlich-rechtlich blockiert, also ersetzte VOX den anfänglichen Info-Cocktail durch eben jene Kommerzware, die der erste Senderchef Ruprecht Eser doch eigentlich auch im werbefinanzierten Rundfunk überwinden wollte.

Was folgte, war eifriges Stühlerücken. Die alten Betreiber von „Süddeutsche“ bis Bertelsmann stiegen aus, dafür 1994 Rupert Murdoch und fünf Jahre später RTL ein. Ökonomisch mag das sinnvoll klingen, inhaltlich wurde es zum Desaster. Unter der Ägide des aktuellen Marktführers klang das Angebot des Senders mit dem lateinischen Wort für „Stimme“ schließlich zusehends dünner. Wie so häufig im Fernsehen war Verflachung allerdings gleichbedeutend mit: Erfolg. Und der lag weniger an den seltenen Perlen wie „Ally McBeal“ oder „Six Feet Under“ als vielmehr an Tim Mälzer, „hundkatzemaus“ und Auswanderermagazinen.

Denn Hoffmanns Vorgängerin, die jetzige RTL-Chefin Anke Schäferkordt, hatte den neuen Unterhaltungssender zum noch viel neueren Tier-/Koch-/Reise-Kanal geformt, damit so manchen Fernsehtrend gesetzt und sich angeschickt, die Mitbewerber der zweiten Generation – Kabel 1 und RTL II – in der Zuschauergunst zu überholen. Dass VOX bei der virtuellen Zielgruppe 14 bis 49 mittlerweile nun gar vor ARD und ZDF rangiert, geschah eher trotz als wegen der schönen Informationsoffensive zur besten Sendezeit.

„Die große Samstagdokumentation“ erreicht nämlich nur in Ausnahmefällen auch die Durchschnittsquote von 5,6 Prozent: Wenn’s um Sex geht zum Beispiel (Beruf: Hure!). Oder um Hitler. Doch VOX-Geschäftsführer Frank Hoffmann geht es nach eigener Aussage auch gar nicht so sehr um die Quote, sondern um eine „Alternative zum stark unterhaltungsgeprägten Konkurrenzprogramm am Wochenende“. Das mag angesichts einer Konkurrenz mit Stefan Raab, „Wetten, dass …?“ oder Volksmusik ein bisschen hilflos klingen; dem Fernsehen tut es allemal gut.

„Wolkenkratzer Burj Khalifa“ | VOX
Dokumentation
Sonnabend, 20.15 Uhr

Jan Freitag

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