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Rechtsextreme bedrohen "Eltern"-Redaktion

Wegen Kopftuch-Cover Rechtsextreme bedrohen "Eltern"-Redaktion

Eine Frau mit Kopftuch auf dem Cover, das reicht offenbar, um einen regelrechten Sturm der Entrüstung sogenannter besorgter Bürger zu entfachen. Die "Eltern"-Redaktion wurde dieser Tage Ziel unzähliger fremdenfeindlicher Hassbotschaften.

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Mit diesem Jubiläums-Cover brachte die "Eltern" die rechte Szene in Rage. 

Quelle: Eltern

Hamburg. Dass ihre Coveridee für die Jubiläumsausgabe der Zeitschrift Eltern kontrovers diskutiert würde, dürfte Marie-Luise Lewicki, Chefredakteurin der Zeitschrift "Eltern", wohl geahnt haben. Dass sie allerdings einen regelrechten Shitstorm auslösen würde, wohl aber nicht. 

Neben der Headline "Warum jede Mutter die beste für ihr Kind ist" hatte die Zeitschrift zum 50-jährigen Bestehen fünf strahlende Frauen mit ihren Kindern auf der Titelseite abgebildet - eine davon, die 30-jährige Muslima Kubra, trug ein Kopftuch. Bei den Lesern kam das offenbar sehr gut an, die Verkaufszahlen seien laut Lewicki etwa 10 Prozent höher als sonst üblich ausgefallen.

Die anderen vier Cover der Jubiläums-Ausgabe zum 50-jährigen Bestehen der "Eltern".

Quelle: Eltern

"PI-News" entfacht Shitstorm

Den Shitstorm hingegen löste ein kurzer Beitrag auf der rechtspopulistischen Seite "PI News" aus. Unter der Überschrift "Altehrwürdige 'Eltern' mit Kopftuch-Cover" lassen sich die Macher zwischen Pegida-Demo-Aufruf und AFD-Werbung über die "vielfältige" Titelseite aus und schließen mit den Worten: "Alles klar, Gruner+Jahr – Botschaft verstanden!"

Mehr als 200 Leser kommentierten den kurzen Beitrag mit fremdenfeindlichen Kommentaren wie diesem von Manfred_K: "Passender Leitartikel wäre: Wie mache ich aus meinem 'Scheißerchen' einen guten IS-Kämpfer?" Und ein User namens Memuweg legt nach: "Schaut Euch das Titelbild gut an. Die klassische, altehrwürdige (deutsche) europäische Mutter. Meine Großeltern rotieren im Grabe!" Ähnlich herablassend äußert sich "ArmesDeutschland" in seinem Beitrag: "Wenn der Inhalt so bescheuert ist wie die Aufmachung, ist die Zeitung nur für Türken bestimmt. Deshalb ihr deutschen Mütter – liegenlassen, das ist die Exportausgabe für die Türkei." Und das sind nur die veröffentlichungsfähigen Kommentare.

"Eltern" setzt weiter auf Diversität

Zum Beitrag lieferte das "PI News"-Portal (PI steht für Politically Incorrect) auch direkt die Redaktionsanschrift der "Eltern" mit. Was dort seither an Hasszuschriften aufläuft, treibt Chefredakteurin Lewicki die Sorgenfalten auf die Stirn: "Was mich beunruhigt, ist, dass das mittlerweile aus der Mitte der Gesellschaft kommt und die Menschen kein Problem mehr damit haben, solche Äußerungen auch mit ihrem Namen zu unterschreiben." Sie selbst habe sogar Morddrohungen erhalten, man habe ihr den Tod in der Gaskammer gewünscht, so die "Eltern"-Chefredakteurin gegenüber der Zeitschrift "Stern".

Unterkriegen lassen will sich Lewicki von den Anfeindungen aber nicht: "Wir werden in Zukunft noch mehr Wert darauf legen, die Diversität unserer Gesellschaft zu zeigen", wird sie weiter auf "stern.de" zitiert. Und sie macht direkt Ernst: In der kommenden Ausgabe der "Eltern" geht es um das Thema Schwangerschaft - auch eine Muslima wird dort ihre Geschichte als werdende Mutter erzählen.

caro

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