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Wer darf künftig das Wetter im Ersten machen?

Aus für Kachelmann? Wer darf künftig das Wetter im Ersten machen?

Es werde in Zukunft „öfter knallen“, hat Claudia Kleinert kürzlich gesagt. Sie meinte das Wetter, selbstverständlich, aber es klingt ein bisschen so, als beschreibe die 41-Jährige das Verhältnis zwischen der ARD und Jörg Kachelmanns Firma Meteomedia, ihrem bisherigen Arbeitgeber und langjährigen Alleinlieferanten der moderierten ARD-Wettersendungen vor der „Tagesschau“ und nach den „Tagesthemen“.

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„Und nun das Wetter“: Claudia Kleinert hat sich durch regelmäßige TV-Einsätze einen kleinen Promistatus erarbeitet.

Quelle: ARD

Kleinert war als „Wetterexpertin“ zu Gast bei der Raiffeisenbank im schwäbischen Geislingen-Rosenfeld. Sie trug „langes, blondes Haar, ein schwarzes Etuikleid und zentimeterhohe Stilettos“, wie der örtliche „Zollern-Alb-Kurier“ nicht verabsäumte zu erwähnen. Sie macht das ab und zu, gegen ein Zubrot auswärts Tornados und Hurrikans erklären, ebenso wie ihre Kollegen Sven Plöger (44) und Alexander Lehmann (42). ARD-Wetterleute sind früher oder später ja doch irgendwie Prominente.

Claudia Kleinert, geborene Koblenzerin, ist das Aushängeschild des „Wetters im Ersten“. Sie ist 1,72 Meter groß („auch wenn ich im Fernsehen größer aussehe“), hört auf ihrem iPod gern Coldplay, Till Brönner, Dido, Pavarotti und Rebekka Bakken und liebt Autos – vor allem ihren Oldtimer (ein 350-SL-Mercedes-Cabrio, Baujahr 1971). Als 16-Jährige wollte sie Tierärztin werden, dann machte sie doch eine Banklehre in Köln, studierte Betriebswirtschaft und landete 1996 als Moderatorin bei Jörg Kachelmanns Düsseldorfer „Wetterkanal“, der nach zwei Jahren schon wieder schließen musste. Man blieb in Kontakt. Claudia Kleinert wurde zur Wetterfee. Und dann, 2002, zum ARD-Gesicht, das pro Woche Dutzende Liebesschwüre per Post erhält (wer es genau wissen möchte: ledig, Single, keine Kinder).

Kleinert ist zwar – anders als Plöger und Lehmann – keine gelernte Meteorologin. ARD-Wetterfee aber möchte sie ganz gern bleiben. Und so hat sie angekündigt, ihren Dienst bei Meteomedia zu kündigen: „Fest steht, dass ich im nächsten Jahr nicht mehr bei Meteomedia arbeite.“ Denn die 1990 gegründete Wetterfirma verliert in Kürze ihren lukrativsten Auftrag: Der Großkunde ARD hat angekündigt, dass Kachelmann die Wettersendungen im Ersten von 2012 an nicht mehr produzieren solle. Künftig darf er möglicherweise zwar weiterhin die Wetterdaten liefern – die Sendungen selbst aber sollen in München entstehen. Die ARD erhofft sich davon, so heißt es, größeren Einfluss auf Gestaltung, Vorhersage und Moderation. Meteomedia erklärt sich den Rückschlag selbst tapfer mit dem ungünstigen Franken-Wechselkurs: Es sei auf Dauer einfach zu teuer, in der Schweiz zu produzieren.

Die Wettersendungen in der ARD stammen aus zwei Quellen: Das eher statische Wetter in der „Tagesschau“ mit seinen ineinander verschmelzenden Hoch- und Tiefdruck-Blasen sowie den lustigen Windpfeilen wird seit TV-Urzeiten vom Hessischen Rundfunk produziert. Der traditionsreichen Sendung kommt das Verdienst zu, den „Azorenhochkeil“ in Deutschland erst so richtig bekannt gemacht zu haben. Seit 1994 hat die ARD zusätzlich das „Wetter vor der ,Tagesschau‘“ sowie das „Wetter nach den ,Tagesthemen‘“ im Programm. Beide stammen seit Jahren komplett aus dem Hause Kachelmann – auf Basis der Daten seiner 830 Wetterstationen in Europa. „Die hohe Qualität der Prognosen, ein erstklassiges Moderatorenteam und nicht zuletzt die innovativen grafischen Präsentationslösungen machen die ARD-Wetterberichte zu einem ganz besonderen Fernsehereignis“, lobt sich das Unternehmen selbst.

Diesen Auftrag – der angeblich 20 Prozent des Meteomedia-Umsatzes ausmacht – will der 53-jährige Wetterpionier nicht verlieren. Kachelmann ging daher vergangene Woche in die Offensive: Er werde künftig mit der Münchener Bavaria Filmgruppe kooperieren, verkündete er auf einer Pressekonferenz in Zürich: Bavaria produziert in München, Meteomedia liefert die Daten, die ARD spart Geld, alle sind zufrieden – so sein Plan. Doch noch ist nichts in trockenen Tüchern. Die ARD hält sich bedeckt, die Bavaria nicht minder. Die Absichtserklärung sei nur eine „Vorstufe“, heißt es in München. Soll heißen: Ob Kachelmann bei der Gestaltung der Sendungen künftig überhaupt noch ein Wörtchen mitreden darf, ist fraglich. Es seien auch noch andere Produzenten denkbar, sagte Kleinert selbst. Sie halte sich „mehrere Optionen offen“. Den Prozess um ihren Chef, sagte sie vor Wochen schon, empfand sie als „sehr belastend“.

Geht es wirklich nur um Währungskurse? Um Produktionskosten? Unwahrscheinlich. Hofft man bei der ARD, auf diese Weise Kachelmann halbwegs elegant loszuwerden? Möglich. Dahinter steckt offenbar ein schwelender Konflikt: Die ARD soll verschnupft darüber sein, dass Kachelmanns Anwalt Johann Schwenn während der Medienschlacht um seinen Vergewaltigungsprozess den Eindruck erweckt hatte, MDR-Intendant Udo Reiter habe Kachelmann möglicherweise auf Initiative von Burda-Chef Hubert Burda („Bunte“) die Moderation der MDR-Talkshow „Riverboat“ entzogen. Burdas „Bunte“ hatte während des Prozesses früh publizistisch Stellung gegen Kachelmann bezogen. Zweitens waren der ARD offenbar die Engagements von Kachelmann bei Radio Basel und Radio Primavera ein Dorn im Auge.

Zumindest Kleinert also wird wohl ARD-Wettergesicht bleiben, Plöger und Lehmann haben gute Chancen. Ein ARD-Comeback für Kachelmann vor der Kamera jedoch rückt in weite Ferne. Die offizielle Metemoedia-Wettervorhersage für den heutigen Tag in Gais, dem schweizerischen Standort von Kachelmanns Firma: trübe, regnerisch, windig, 13 Grad.

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