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Wer ist besser, kicker oder Sport Bild?

Faktenhuber gegen Statistikfüchse Wer ist besser, kicker oder Sport Bild?

Jeder Fußballfan kennt das: Irgendwann im Laufe einer Bundesligasaison geht es auf der Tribüne, im Wohnzimmer, im Büro oder in der Kneipe um wirklich wichtiges: Fußball. Wer ist besser, kicker oder Sport Bild? Wir haben die beiden Sonderhefte verglichen, die in einem umkämpften Markt konkurrieren.

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Jeder Fußballfan kennt das: Irgendwann im Laufe einer Bundesligasaison geht es auf der Tribüne, im Wohnzimmer, im Büro oder in der Kneipe um die wirklich wichtigen Dinge. Dann will die Bekannte plötzlich wissen, wie groß eigentlich Nationaltorwart Manuel Neuer ist und wie viele Tore Manuel Schmiedebach bisher für Hannover 96 erzielt hat. Der Arbeitskollege hat eine Wette laufen und ist sich nicht sicher, ob Bayern-Neuzugang Nils Petersen ein Däne oder ein Schwede ist. Und der Kumpel, mit dem man stundenlang über Abseits und Torwartfehler diskutieren kann, wirft zu später Stunde unerwartet die Frage auf, ob der 1. FC Heidenheim und Holstein Kiel in der 3. oder der 4. Liga spielen.

Für solche Momente gibt es die beiden großen Bundesliga-Sonderhefte von „Sport Bild“ und „kicker“. Sie sind Saisonlexikon, Nachschlagewerk und zudem für viele Fans eine Art Trainingslager bis zum Saisonstart am 5. August. Der „kicker“ wirbt mit dem Slogan „Das Original seit 1963“ und verspricht „Alles was Sie wissen müssen“. „Sport Bild“ trommelt auf dem Titel mit „Jeder Verein auf 6 Seiten“ und „Alle Teams. Alle Spieler. Alle Termine.“

Preis und Umfang: Beide Hefte kosten 5,50 Euro, der „kicker“ bietet dafür 248 Seiten, „Sport Bild“ 242.

Der Inhalt: Vieles, aber nicht alles, dreht sich um die 1. Liga. Beide Hefte schauen auch auf die 2. Liga und steigen noch eine Etage tiefer, wobei „Sport Bild“ die 3. Liga eher lustlos abarbeitet und sich auf Namen und Zahlen beschränkt, während im „kicker“ alle Drittligisten sogar ein Mannschaftsbild bekommen. Ein bisschen Schiedsrichterinfos, DFB-Pokal, Europacup, Nationalmannschaft und Auslandstabellen ergänzen beide Hefte. Und die Frauenfußball-Bundesliga? Drei Seiten gibt es im „kicker“, anderthalb Seiten bei der Konkurrenz, die sich in diesem Fall noch nicht einmal für die Aufgebote der zwölf Vereine interessiert. DFB-Präsident Theo Zwanziger wird das nicht gefallen.

Das Besondere: Mit der beigelegten Gratis-DVD „Die 100 schönsten Tore“ gibt sich „Sport Bild“ modern. Der ­„kicker“ hat wieder seine berüchtigte Stecktabelle in der Heftmitte, an der schon Generationen von Fans verzweifelt sind bei dem Versuch, die Papplogos der Klubs in die Schlitze zu fummeln. Außerdem gibt es Aufkleber aller Erst- und Zweitligaklubs.

Stärken: „Sport Bild“ packt das Mannschaftsfoto jedes Erstligisten auf eine Doppelseite, während der „kicker“ traditionell bei einem Foto in DIN-A4-Größe bleibt. In puncto Fakten und Zahlen trumpfen beide Hefte stark auf, wobei „Sport Bild“ vermutlich im nächsten Jahr auch die Gegentore bei Regenschauern in eine Statistik packen wird. Wer sich dafür interessiert, wer die genauesten Pässe in der vergangenen Saison gespielt hat (schwer vorstellbar: Hamburgs David Jarolim) und die höchste Fehlpassquote besaß (Nürnbergs Christian Eigler), der wird bei „Sport Bild“ bestens bedient, bekommt aber Schwindelgefühle vor lauter farbigen Kästchen und Zahlenkolonnen. Eine nette Idee ist die Rubrik „Die Mannschaft im Überblick“, in der aufgeführt wird, welcher Profi welches Schussbein hat. Inhaltlich nehmen sich beide Hefte nichts, wobei der „kicker“ angenehm sachlich-fachlich daherkommt und bei den einzelnen Vereinen wesentlich informativer ist. Positiv zu erwähnen ist beim „kicker“ zudem: Rainer Holzschuh, Herausgeber des Blattes und seit Jahren in der Lage, jedes Phrasenschwein in zwei Absätzen zum Platzen zu bringen, wird mit seinem Beitrag auf Seite 64 versteckt.

Schwächen: Der größte Schwachpunkt ist wegen des Erscheinungstermins lange vor dem Saisonstart die mangelnde Aktualität. Die meisten Mannschaftsbilder sind überholt, wenn es losgeht. Und das eine oder andere Urteil auch.

Hannover 96: Bei einer Internetumfrage des „kicker“ antworteten 91,2 Prozent auf die Frage, ob „das Slomka-Team erneut den Sprung in den Europapokal schafft“, mit Nein. „Sport Bild“ enthüllt, dass Trainer Mirko Slomka als Spieler mal für den TSV Türkenheim gekickt hat, beim „kicker“ fehlt diese Station.

Fazit: Beide Hefte sind ihr Geld wert und informieren umfassend vor allem über die 1. und 2. Liga. Die „Sport Bild“, die mit ihrem normalen Heft mittwochs meist krawallig daherkommt und bei der die Titelstorys oft heiße Luft sind, verzichtet im Sonderheft auf diese lästigen Zutaten. Das tut ihm gut. Das „kicker“-Sonderheft ist alles, was die Nürnberger auch montags und donnerstags sind: kenntnisreich, schnörkellos und wunderbar altmodisch.

PS: Manuel Neuer ist 1,93 Meter groß. Manuel Schmiedebach hat in 46 Spielen noch kein Bundesligator erzielt, und Nils Petersen ist weder Däne noch Schwede, sondern Deutscher, erster Klub FC Einheit 90 Wernigerode. Heidenheim spielt in der 3. Liga, Kiel in der Regionalliga.

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