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00:16 01.05.2016
"Aufgeben gilt nicht!": re:publica-Mitgründer Johnny Haeusler. Quelle: re:publica/Gregor Fischer
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Berlin

Als die re:publica 2007 startete, kamen 600 Leute, dieses Jahr werden 8000 erwartet. Wann wird die Konferenz zu groß?
Wir mussten 2012 überlegen, was wir tun, wenn 4000 kommen wollen – und wir nur Platz für 2000 haben. Und weil wir niemanden ausschließen wollten, haben wir beschlossen: Lasst es uns wachsen lassen. Ich persönlich fände es jetzt aber auch nicht schlimm, wenn es irgendwann stagniert oder nur noch 5000 Leute kommen.

Aber ist es nicht manchmal wie bei einem Musikfestival, von dem die Leute sagen: Nun ist es zu groß geworden, das ist nicht mehr meins?
Ach, ich weiß nicht. Das höre ich eigentlich nicht so oft. Das Tolle ist ja, dass die verschiedenen Grüppchen sich mischen können – aber sie finden auch noch einen Platz, wo sie unter sich sein können. Hätten wir die re:publica nicht geöffnet, wäre uns zu Recht der Vorwurf gemacht worden, wir würden nur im eigenen Saft schmoren.

Wer hat Sie in alle den Jahren re:publica am meisten beeindruckt?
Einerseits waren das die älteren Menschen, die wir da hatten. Der inzwischen gestorbene Netzwerkforscher Peter Kruse zum Beispiel oder auch Götz Werner, der sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen einsetzt. Auf der anderen Seite haben mich die Amateure fasziniert. Leute, die sich mit einem Vortrag einfach mal ausprobieren wollen und mittlerweile auch auf anderen Veranstaltungen sprechen.

Gibt es in diesem Jahr einen persönlichen Lieblingsgast?
Randall Munroe, einen Nerd-Comic-Zeichner und ehemaligen Robotiker der Nasa. Er zeichnet mit netten Strichmännchen den Webcomic „xkcd“. Wir hatten schon viele Jahr lang versucht, ihn einzuladen. Nun hat es endlich geklappt.

Hoffnungen, dass das Internet die große Chance zur Demokratisierung der Gesellschaft bieten könnte, sind mittlerweile enttäuscht worden. Im vergangenen Jahr war das auf der „re:publica“ eine Art Grundtenor, in diesem Jahr geht es bei mehreren Vorträgen um Hatespeech. Hatte Sascha Lobo doch recht, als er formulierte: „Das Internet ist kaputt?“
Ich habe mal gedacht, dass die Möglichkeit, sich weltweit zu informieren und in andere Kulturen reinzuschnuppern, doch eigentlich dazu führen müsste, dass wir uns alle besser verstehen und Empathie füreinander empfinden. Die Tatsache, dass die Menschen, die voller Hass sind, nun die sozialen Medien so brutal bespielen, dass also genau das Gegenteil geschieht, ist erschütternd. Genauso wie die Enthüllungen von Edward Snowden. Dass mitgehört wird, hat keinen überrascht, das Ausmaß allerdings schon. Aber verzweifeln darf man dennoch nicht. Whatsapp verschlüsselt jetzt, Apple widersetzte sich dem FBI, Hunderte Journalisten leaken die Panama-Papers. Es ist eine spannende Zeit. Aufgeben gilt nicht!

Sie haben gemeinsam mit Ihrer Frau Tanja eine Internetkonferenz für Jugendliche ins Leben gerufen, die Tincon. Warum?
Es lag in der Luft, so etwas wie die re:publica für Teenager zu machen. Ich zum Beispiel bin 51, ich habe mehr Vergangenheit als Zukunft. Die ganzen Menschen, die aber in eine digitale Welt hineingeboren worden sind, die 15, 16 sind, die bestimmen auch, was in der Zukunft damit passiert. Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass auch sie ihre Foren haben. Wir haben in Gesprächen festgestellt, dass junge Leute sehr wohl politisch sind, dass sie durchaus eine Haltung haben.

Es ist auch eine Altersgruppe, die im Allgemeinen ein wenig aus dem Blick geraten ist, oder?
Ja. Alle reden immer über Jugendliche und dass es so wichtig sei, sich um sie zu kümmern. Aber es macht einfach keiner. Jugendliche sind immer so ein bisschen Aliens. Man will alles über sie wissen, man will aber auf keinen Fall mit ihnen in Berührung kommen. Dabei kann ich mit ihnen reden wie mit Erwachsenen.

Mit wem werden die Jugendlichen auf der Tincon diskutieren?
Wir haben Youtuber, aber es wird keine Fanveranstaltung. Ich freue mich zum Beispiel riesig, dass die experimentierfreudige Youtuberin Coldmirror kommt. Es sprechen dort aber auch Erwachsene wie Frank Rieger vom Chaos Computer Club oder Ralph Caspers aus der Kika-Sendung „Wissen macht ahh“. Wir werden schauen, was funktioniert und was nicht – und dann machen wir die nächste Tincon.

Interview: Christiane Eickmann

Zur Person: Johnny Haeusler

Der 51-jährige Frontmann der Berliner Band Plan B, Johnny Haeusler, arbeitet unter anderem als Radiomoderator, Blogger und Mediendesigner. Der Vater zweier jugendlicher Söhne gehörte 2007 zu den Gründern der re:publica. Die zehnte re:publica findet vom 2. bis 4. Mai in der „Station“ in Berlin-Kreuzberg statt. Infos zur Tincon gibt es unter www.tincon.org.

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