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Medien „Zeitung machen kann man nur mit dem Herzen“
Nachrichten Medien „Zeitung machen kann man nur mit dem Herzen“
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17:43 28.02.2018
Keimzelle der Madsack Mediengruppe: In der Handsetzerei in Hannover entstanden 1893 die ersten Exemplare des „Hannoverschen Anzeigers“. Quelle: HAZ
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Hannover

Manchmal beginnen große Erfolgsgeschichten mit einem Paukenschlag, mit Feuerwerk und Donnerhall. Und manchmal mit einem sachlichen, ganz und gar glamourfreien Satz: „Von der Tatsache ausgehend, daß am hiesigen Orte bisher noch ein billiges, jedermann zugängliches, parteiloses Blatt fehlte“, hieß es am 28. Februar 1893 in der 16-seitigen Erstausgabe des „Hannoverschen Anzeigers“, „lassen wir von heute an ein solches erscheinen“. Das war norddeutsch nüchtern. Bedarf erkannt, Bedarf erfüllt. Dass aus diesen zwei Dutzend Wörtern einst ein Konzern erwachsen würde, war an jenem Dienstag im Deutschen Kaiserreich noch niemandem klar.

Auch August Madsack nicht, dem 36-jährigen Verleger. Dabei wusste der Ostpreuße, was er tat. Er war bereits im zaristischen Russland ein erfahrener Zeitungsmacher gewesen, als er 1892 nach Hannover kam. In St. Petersburg hatte er den deutschsprachigen „Herold“ gedruckt, im estnischen Reval die „Revaler Zeitung“, im lettischen Riga das „Rigaer Tageblatt“. Nun also ein „unparteiisches Organ für jedermann“ in Norddeutschland. Zum Start der neuen Zeitung setzt er auf eine intensive Werbekampagne: Er lässt 48 000 Exemplare drucken, verteilt sie kostenlos an fast jeden Haushalt der Stadt – zwei Monate lang. Sein Plan geht auf: Schnell wird das Blatt zum Liebling der Leser, vor allem die lokalen Geschichten und Glossen kommen gut an. Heiteres mit Lokalkolorit – eine damals unerhörte Neuerung.

Das Anzeiger-Hochhaus wird zum Wahrzeichen

Die Auflage steigt kontinuierlich, die redaktionelle Berichterstattung wird ausgebaut. 1928 zählt der „Anzeiger“ mit 112 500 Abonnenten zu den 15 auflagenstärksten Titeln im damaligen Deutschen Reich. Da der Platz für Redaktion und Druckerei im alten Verlagsgebäude nicht mehr reicht, lässt Madsack das Anzeiger-Hochhaus in Hannover bauen. Architekt Fritz Höger entwirft einen markant-eleganten Bau im Stil des Backsteinexpressionismus. Das Hochhaus wird zum Wahrzeichen der Stadt – und auch zu einer Wiege des Journalismus in der Nachkriegszeit. Hier gründet Rudolf Augstein das Magazin „Der Spiegel“, hier hebt Henri Nannen den „Stern“ aus der Taufe.

Im Jahr 1933 stirbt August Madsack, sein Sohn Erich führt sein Lebenswerk fort – und muss es umgehend verteidigen. Unter dem nationalsozialistischen Regime wird die redaktionelle Freiheit des „Hannoverschen Anzeigers“ eingeschränkt, im Jahr 1943 wird das Blatt eingestellt. Am 8. Mai 1945 diktierte Madsack dann einen langen Brief an die Militärregierung – mit der Bitte, einen medialen Neustart wagen zu dürfen. Es ist die Stunde Null auch bei Madsack: Von den zwanzig Setzmaschinen, die 1939 arbeiteten, funktionieren nur noch drei. Ab 1949 erscheint dann mit der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ wieder ein regionaler Titel – innerhalb weniger Jahre wird das Blatt zur auflagenstärksten Zeitung Niedersachsens.

„Wir stehen für unabhängigen und anspruchsvollen Journalismus“

Und der Verlag wächst weiter. Knapp sieben Jahrzehnte später ist aus dem hannoverschen Zeitungshaus ein deutschlandweit agierendes Unternehmen geworden – die Madsack Mediengruppe. August Madsacks Lebenswerk hat in 125 Jahren ein Kaiserreich und zwei Weltkriege erlebt; Deutschland wurde geteilt und wiedervereint – stets berichteten die Journalisten der Madsack Mediengruppe darüber. Zum Verbund gehören heute deutschlandweit 15 regionale Zeitungen, die täglich 2,5 Millionen Leser erreichen. Hierzu zählen unter anderem die „Leipziger Volkszeitung“ in Sachsen, die „Ostsee-Zeitung“ in Mecklenburg-Vorpommern, die „Märkische Allgemeine“ in Brandenburg sowie die „Lübecker Nachrichten“ in Schleswig-Holstein.

„Glauben und Überzeugung“

„Zeitung machen kann man nur mit dem Herzen und nur, wenn das, was wir sagen und schreiben, unserem Glauben und unserer innersten Überzeugung entspricht.“

(August Madsack, (1856–1933)

„Vor 125 Jahren bewies August Madsack Mut und Leidenschaft mit der Idee, Menschen täglich über das Geschehen in der Welt und ihrer Region mit hochwertigem Journalismus zu informieren“, sagt Thomas Düffert, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung der Madsack Mediengruppe. Dieser Anspruch sei heute noch prägend für den Konzern. „Wir stehen seit 1893 für unabhängigen und anspruchsvollen Journalismus.“

Geschichten für täglich vier Millionen Leser

Dazu trägt auch das 2013 gegründete RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) bei. Die Redaktionsgemeinschaft produziert nationale und internationale Inhalte für regionale Tageszeitungen. Das RND beliefert mehr als 40 Partner und erreicht täglich rund vier Millionen Leser. „Diese deutschlandweite Zusammenarbeit schafft Freiräume für die lokale Berichterstattung und stärkt den regionalen Charakter der Zeitungsmarken“, sagt Düffert.

Auch in den journalistischen Nachwuchs wird investiert. Auf dem Madsack Medien Campus in Hannover werden jedes Jahr mehr als 20 Volontäre ausgebildet.

„Ein glücklicher Stern hat mich nach Hannover geführt“

Zum Verbund gehören auch deutschlandweit 28 Anzeigenblätter mit wöchentlich rund fünf Millionen verteilten Exemplaren. Auch digital ist der Konzern breit aufgestellt – zu den Angeboten zählen etwa das Fußballportal Sportbuzzer oder das Urlaubsportal Reisereporter. National agierende Postdienstleister befördern Millionen Briefe quer durchs Land, die Fernsehmacher der TVN Group ermöglichen die Übertragung von Spielen der Fußballnationalmannschaft, bei Talkshows und TV-Sendungen.

Die Welt hat sich fundamental verändert seit der Gründung des „Hannoverschen Anzeigers“ 1893. Das journalistische Selbstverständnis aber folgt noch immer dem Leitmotiv des Gründers, den – wie er selbst befand – damals „ein glücklicher Stern nach Hannover geführt“ habe. „August Madsack sagte einmal: Zeitung machen kann man nur mit dem Herzen – diesem Credo folgen wir seit 125 Jahren“, sagt Düffert. „Wir sind lokal tief verwurzelt und arbeiten mit dem Herzen für die Regionen.“

Zahlen, Daten und Fakten zur Madsack Mediengruppe

Von Imre Grimm

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