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Medien Bei Böhmermann heißt es bald „Vorsicht, Satire!“
Nachrichten Medien Bei Böhmermann heißt es bald „Vorsicht, Satire!“
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13:06 19.03.2015
 Fake vom Fake? Jan Böhmermann irritiert und amüsiert mit #varoufake das Netz Quelle: Screenshot/YouTube
Hannover

Es soll alles ganz einfach gewesen sein: Ein Varoufakis-Arm-Double im Studio, ein bisschen Recherche in Kroatien, ein paar übliche Tricks am Computer - und schon zeigt der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis den Deutschen den Stinkefinger. Das zumindest behauptet Jan Böhmermann, TV-Satiriker des "Neo Magazin Royale". Am Mittwochabend stellte er ein Video ins Internet, das den Eklat um den Stinkefinger aufklären soll.

Das Lob ließ nicht lange auf sich warten: Wenige Stunden später reagierte der griechische Finanzminister Varoufakis - und gratulierte Böhmermann zu dem Video.

Böhmermann hatte in dem veröffentlichten Video zuvor die Verantwortung für die Manipulation des "Stinkefingers" übernommen. "Lieber Günther Jauch, liebe ARD, liebe "Bild"-Redaktion, einmal bitte tief durchatmen, vielleicht nehmen Sie sich mal einen Stuhl und setzen sich hin. Sie müssen jetzt ganz, ganz stark sein", sagt Böhmermann in dem von ihm am Mittwochabend verbreiteten Youtube-Video. Darin erklärt der Moderator des satirischen Magazins "Neo Magazin Royale", seine Redaktion habe die umstrittene Varoufakis-Sequenz manipuliert, weil Material für einen Spott-Song über den griechischen Finanzminister gefehlt habe.

Nach dem Böhmermann-Video vom Mittwochabend wird in den sozialen Netzwerken heftig über #varoufake diskutiert. Und Böhmermann bekommt dabei viel Beifall für seine Aktion.


Sagt der Satiriker Böhmermann die Wahrheit oder ist es schlicht eine gut gelungene Satire, die auf eine aktuelle Diskussion aufspringt? Ein Fake zum Fake? So oder so: Böhmermann hat eine Diskussion über Glaubwürdigkeit im Internet, Recherchetiefe, Kontextforschung und Propaganda entfacht.

Mittlerweile hat sich auch das ZDF auf Twitter geäußert: Der Sender erwäge, Böhmermanns satirisches Magazin "Neo Magazin Royale" künftig mit dem "Warnhinweis 'Vorsicht Satire!'" zu versehen. ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler sagte launig zu "Spiegel Online", Böhmermann werde von der Moderation der Nachrichtensendung "Heute Journal" "sicherheitshalber vorerst ausgeschlossen".

Vorausgegangen war eine tagelange Debatte um die Echtheit eines Youtube-Videos, mit dem Günther Jauch am Sonntagabend in seiner Sendung den griechischen Finanzminister konfrontierte: Dort zeigte Varoufakis im Mai 2013 in Kroatien bei einem Vortrag den Mittelfinger. Er sagte im Video: "And stick the finger to germany". Wurde der Grieche, wie er es selbst sieht, bei seinem ersten großen Live-Auftritt im deutschen Fernsehen in die Pfanne gehauen - oder verlor er vor 5,22 Millionen Zuschauern schlicht die Nerven und log, was seiner angekratzten Reputation im Kreis der Euro-Minister den Rest geben könnte?

"Internetexperten" hielten Video für echt

Steif und fest behauptete der aus Athen zugeschaltete Varoufakis am Sonntagabend im ARD-Talk, ein von Jauch eingespieltes Youtube-Video, auf dem er den Deutschen symbolisch den Mittelfinger zeigt, sei eine Fälschung. Die Geste sei hineinmontiert worden. "Das ist getürkt. Das hat es nicht gegeben", schimpft er. Er schäme sich, dass ihm so etwas zugetraut werde.

Jauch schaute ziemlich perplex. Seine Redaktion und die Twittergemeinde warfen noch in der Nacht die Recherchemaschine an. Am Montag verschickte Jauchs Produktionsfirma diese Mitteilung: "Nach bisherigem Kenntnisstand kann die Redaktion von Günther Jauch keinerlei Anzeichen von Manipulation oder Fälschung in dem während der Live-Sendung gezeigten Video feststellen."

Sogenannte "Internetexperten", über die sich Böhmermann auch lustig macht, hielten das Video für echt.

r.

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