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Meinung Obike-Scheitern: Hannover braucht ein Fahrradverleihsystem
Nachrichten Meinung Obike-Scheitern: Hannover braucht ein Fahrradverleihsystem
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10:11 14.07.2018
Obike hat ausgedient, jetzt wird über neue Fahrradverleihsysteme diskutiert. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Zu Hunderten stehen sie jetzt nutzlos am Straßenrand – die orangegelben Miet-Fahrräder des insolventen Unternehmens Obike. Die asiatische Firma wollte mit einer Flut von Billigrädern die Mobilität in deutschen Großstädten revolutionieren. Das ist gründlich schief gegangen und dürfte auch daran liegen, dass der Fahrspaß auf den Kleinrädern nach Hundert Metern auf der Strecke bleibt. Am Ende wird es darauf hinauslaufen, dass die Kommunen alle Obike-Räder einsammeln und entsorgen, vermutlich auf Kosten des Steuerzahlers. Hannovers Stadtverwaltung sollte daraus nicht den Schluss ziehen, dass ein Fahradverleihsystem verzichtbar ist, im Gegenteil.

Die Stadt hat es sich in den vergangenen Monaten allzu leicht gemacht und ganz auf Obike gesetzt. Anregungen aus der Ratspolitik, endlich über ein hannoversches Verleihystem nachzudenken, wurden mit Verweis auf die gelbe Billigrad-Flotte zurückgewiesen. Diese phlegmatische Haltung rächt sich jetzt. Der Druck aus der Ratspolitik wird größer, dabei ist es bemerkenswert, dass ausgerechnet die CDU eine Lanze für den Mietradverkehr bricht, die Grünen scheint das Thema nicht zu interessieren. Aber braucht Hannover überhaupt einen organisierten Fahrradverleih?

Hannover zieht jedes Jahr Millionen Geschäfts- und Städtereisende an. Als Studentenstadt beherbergt Hannover etliche Dauergäste. Das Interesse an einem soliden, unbürokratischen Fahrradverleih dürfte folglich nicht gering sein. Der Radverleih sei ein Muss, heißt es aus Hannovers Tourismusbüro. Zudem hat sich die Stadtverwaltung auf die Fahnen geschrieben, den Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen deutlich zu erhöhen. Das ist in Anbetracht von Luftverschmutzung und verstopften Straßen in der Tat geboten. Ein attraktiver Fahrradverleih könnte seinen Teil zur Verkehrswende beitragen.

Klar ist auch: Ein Mietradsystem gibt es nicht zum Nulltarif. Das zeigen Beispiele aus anderen Städten. Nürnberg hat in Kooperation mit einem privaten Anbieter 74 Leihstationen mit insgesamt 800 Rädern aufgebaut. Eigentlich wollte sich die Stadt nach einer zweijährigen Anschubfinanzierung aus dem Geschäft verabschieden, doch ohne Zuschüsse scheint es nicht zu funktionieren. Berlin gibt jährlich 1,5 Millionen Euro für ein engmaschiges Netz mit 5000 Rädern an mehr als 700 Stationen aus. Gefahr droht, wenn Kommunen das Mietgeschäft allein privaten Firmen überlassen. Die Stadt Düsseldorf hat ihre Tore für sämtliche Anbieter geöffnet, Tausende Leihräder kurven auf den Straßen. Man müsse achtgeben, dass die Räder ordnungsgemäß abgestellt werden, heißt es aus der Stadtverwaltung. Es droht der Obike-Effekt.

Hannover ist gut beraten, einen Mittelweg zu gehen. Der Verleihbetrieb kann ausgeschrieben werden, Partner wie die Üstra und die Deutsche Bahn können ins Boot geholt werden. Dadurch ließen sich die städtischen Kosten gering halten. Die Rede von der „fahrradfreundlichen Stadt“ darf nicht zur Floskel verkommen.

Von Andreas Schinkel

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