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19:37 04.09.2018
Conti-Chef Elmar Degenhart steht unter Druck. Quelle: Rainer-Droese
Hannover

Misserfolge ist man bei Conti nicht mehr gewohnt. Seit Elmar Degenhart im April 2009 an die Spitze des Konzerns berufen wurde, haben sich die Geschäfte bestens entwickelt – der Kursverlauf der Aktie ist dafür ein gutes Barometer: Von unter 20 Euro ging es zeitweilig bis auf 250 Euro nach oben. Entsprechend gut gelaunt verliefen zuletzt die Hauptversammlungen: Es gab viel Lob für den Vorstand und kaum noch kritische Fragen.

Mit dieser angenehmen Art der Langweile dürfte es beim nächsten Treffen der Aktionäre vorbei sein. Conti war bisher dafür bekannt, seine Prognosen eher vorsichtig zu formulieren, um sie dann im Jahresverlauf zu übertreffen. Wenn sich das Management einmal verschätzt und das nachvollziehbar begründen kann, werden Investoren noch nicht allzu nervös. Wiederholt sich so eine Fehlleistung innerhalb weniger Wochen, ist es mit Stirnrunzeln allein aber nicht mehr getan.

Denn spätestens jetzt steht die Frage im Raum, wer für die überzogenen Erwartungen verantwortlich ist. Für den Conti-Vorstand scheint die Antwort auf der Hand zu liegen: Die mittlere Führungsebene soll es gewesen sein. Das haben die Manager für das operative Geschäft nun sogar schriftlich: Angeblich sind sie es, die das „Vertrauenskapital“ des Konzerns verspielen – und das nicht erst seit gestern. Für einen Vorstand, der im Konzern Werte wie Vertrauen und Verbundenheit sonst besonders hochhält, ist das nicht nur eine auffällig unangemessene Tonlage – das Manöver hilft auch nicht weiter: Wenn länger bekannte Probleme nicht gelöst werden, fehlt es offenbar an der nötigen Kontrolle – und zwar durch die oberste Führungsebene.

Von Jens Heitmann

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