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Meinung Beschleunigter Niedergang
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18:57 06.09.2018
Karstadt und Kaufhof in Trier: Es zeichnet sich ab, dass die Kaufhof-Angestellten für die Fusion einen hohen Preis zahlen Quelle: dpa
Hannover

Die Kaufhof-Beschäftigten hängen seit Monaten in der Luft. Sie müssen hilflos abwarten, während ihre Zukunft hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Sie haben wohl immer mit Kürzungen gerechnet, unabhängig davon, ob Kaufhof eigenständig bleibt oder nicht. Trotzdem erschrecken die jüngsten Gerüchte: Wenn es stimmt, dass bei der sich abzeichnenden Fusion mit Karstadt ein Viertel der Kaufhof-Arbeitsplätze wegfällt, wäre das ein Kahlschlag.

Allein mit Abfindungsangeboten und Vorruhestandsregeln ließe sich das nicht umsetzen. Viele Mitarbeiter aus der Zentrale, aber auch aus Filialen, würden wohl auf der Straße landen. Gerade im Einzelhandel ist es nicht einfach, eine gleichwertige Stelle zu finden. Die meisten Modeketten setzen auf junges, flexibles Personal und zahlen eher schlecht. Aber auch die verbleibenden Kaufhof-Mitarbeiter verdienen künftig wohl weniger.

Einen großen Teil der Verantwortung dafür trägt der Kaufhof-Eigner HBC. Die größte deutsche Warenhauskette hätte zwar auch mit einem verantwortungsvollen und fähigen Eigentümer kaum wachsen können. Schließlich leiden die meisten Traditionshändler unter der doppelten Konkurrenz durch Online-Anbieter wie Amazon und Zalando und Mode-Spezialisten wie Zara. Doch HBC hat den Niedergang beschleunigt: Die Kanadier haben Kaufhof steigende Mieten aufgebürdet, gleichzeitig aber wenig bewegt. Sie haben Geld verbrannt, während der Konkurrent Karstadt die Wende schaffte.

Deshalb wäre es eine gute Nachricht, wenn HBC sich tatsächlich aus der operativen Führung des geplanten Karstadt-Kaufhof-Gemeinschaftsunternehmens heraushält.

Von Christian Wölbert

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