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Meinung Überschuss: Weltmeister wider Willen
Nachrichten Meinung Überschuss: Weltmeister wider Willen
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00:17 23.08.2018
Die Produkte der deutschen Industrie sind weltweit begehrt. Quelle: dpa
Hannover

Deutschland wird wieder Weltmeister – aber dies ist nicht unbedingt eine gute Nachricht. Es zeichnet sich erneut ein Riesenüberschuss in der Leistungsbilanz ab, was vor allem mit dem weiterhin florierenden Export deutscher Waren zusammenhängt. Das ist einerseits ein Beleg für die Qualität und Preiswürdigkeit der hier erzeugten Produkte, andererseits Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die Deutschland wegen der hohen Überschüsse anklagen. Der Grund dafür ist einfach: Des einen Überschuss ist immer auch des anderen Defizit.

Den größten Minussaldo haben schon immer die USA gehabt, und unter Präsident Donald Trump nimmt das Defizit noch zu. Das liegt vor allem daran, dass er durch Steuersenkungen und Ausgabensteigerungen die amerikanische Wirtschaft mächtig auf Trab gebracht hat – und zugleich die Amerikaner wenig vom Sparen und viel vom Geldausgeben halten. Doch solche ökonomischen Zusammenhänge interessieren den Präsidenten nicht: Er braucht einen Schuldigen außerhalb des Landes, und für diese Rolle ist Deutschland jetzt noch besser geeignet, weil die ebenfalls am Pranger stehenden Chinesen im Handel mit dem Ausland deutlich geringere Überschüsse einfahren.

Aber auch manche Ökonomen halten Deutschlands hohe Leistungsbilanzüberschüsse für ein Problem. Als Heilmittel werden gerne höhere staatliche Investitionen empfohlen. Dieses Rezept geht allerdings an den Realitäten vorbei. Die dafür nötigen Kapazitäten hierzulande sind in vielen Bereichen ausgereizt. Noch mehr Investitionen etwa in die Verkehrsinfrastruktur würden vor allem die Preise in die Höhe treiben.

Von Albrecht Scheuermann

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