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20:39 27.02.2019
Zu viele Lebensmittel haben eine Plastikverpackung: Bundesumweltministerin Svenja Schulze will eine „Trendwende“ einläuten. Fotolia
Hannover

Böse, böser, Plastik: Die Bilder vollgemüllter Ozeane haben das Thema Verpackungsmüll im Rekordtempo ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gehoben. Die EU verbietet überflüssige Kunststoffprodukte, die Bundesregierung schreibt Aktionspläne, die Händler starten eine freiwillige Initiative nach der anderen. Das ist alles richtig und lobenswert – es darf aber nicht bei Symbolpolitik bleiben. Wer hier und da auf etwas Plastik verzichtet, erreicht wenig. Im Extremfall schadet man der Umwelt sogar.

Ersetzen Händler zum Beispiel Plastiktüten einfach durch Papiertüten, ist nichts gewonnen. Papier wird zwar in der Umwelt schnell abgebaut, die Herstellung kostet aber mehr Energie und Wasser. Oder die in Plastik eingeschweißte Salatgurke: Sie gilt mittlerweile als Symbol der überflüssigen Verpackung. Doch so einfach ist es nicht. Tatsächlich verlängert die Folie die Haltbarkeit, hat also durchaus einen vernünftigen Zweck. Landet die nackte Gurke vertrocknet in der Tonne, wurde sie umsonst aus Spanien hergekarrt.

Wenn die Händler wirklich etwas erreichen wollen, müssen sie sich auch trauen, den Einkauf etwas weniger bequem zu gestalten: Bringen Kunden ihre eigenen Behälter mit, brauchen viele Produkte gar keine Verpackung mehr. „Lose Läden“, Wochenmärkte und einige kleine Biogeschäfte machen es vor. Mittlerweile springen sogar Riesen wie Edeka auf diesen Trend auf. Die Branche meint ihr Engagement also durchaus ernst. Doch die Verbraucher müssen dabei auch noch mitspielen. Ein paar Pilotprojekte werden nicht reichen, um den seit Jahren anhaltenden Trend zu immer mehr Verpackungsmüll zu stoppen.

Von Christian Wölbert

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