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00:19 01.10.2018
Gehen gemeinsam ins Rennen um die Auszeichnung als Exzellenzuniversität: Die Leibniz-Uni Hannover und die MHH. Quelle: dpa/Montage
Hannover

Je unsicherer die Zeiten, desto lauter wird der Zweifel. An allen und allem. Längst hat es auch die Wissenschaftler erwischt. Nur noch 13 Prozent der Deutschen sagen, dass sie ihnen voll und ganz vertrauen, immerhin 41 Prozent neigen noch der Ansicht zu, dass man „eher“ glauben könne, was Forscher so sagen. Andersherum: Knapp die Hälfte der Menschen hierzulande traut ihren Experten nicht oder schert sich überhaupt nicht um sie. Das ist ein Problem – für die Wissenschaftler wie für die Gesellschaft. Denn wer schon alles zu wissen glaubt, stellt keine Fragen mehr. Und wer keine Fragen mehr stellt, bleibt irgendwann stehen. Das wiederum kann sich keine entwickelte Volkswirtschaft leisten – und unsere schon gar nicht.

Schon deshalb ist es gut, dass sich zumindest die Spitzenforschung in Deutschland in dieser Woche sichtbar neu sortiert hat. Mit der Festlegung neuer „Exzellenzcluster“, in denen besonders förderungswürdige Ansätze zusammengefasst sind, rücken viele bemerkenswerte Projekte der Forschung zumindest kurz einmal ins Rampenlicht. Und das, obwohl es dabei angesichts diverser Millardenprogramme für dieses und jenes um eine vergleichsweise überschaubare Förderungssumme von zunächst 385 Millionen Euro im Jahr geht. In einem Jahr kommen für jene Universitäten, die sich weiterqualifizieren, noch einmal zusammen 148 Millionen Euro im Jahr hinzu. Hannover und Niedersachsen sind hier vorn mit dabei. Das alles läuft bis 2025; es ist keine Revolution in der Forschungsförderung – doch damit lässt sich schon etwas erreichen.

Denn natürlich sind die „Exzellenzcluster“ weit mehr als Marketing, auch wenn der Wettstreit der Standorte das zuweilen zweifelhaft erscheinen lässt. Und auch der Einfluss der Politik ist nicht zu übersehen – wegen des Regionalproporzes stieg etwa die Zahl der zu fördernden Einheiten in den letzten Tagen plötzlich an. Nun gibt es mehr Forschergruppen (vor allem in Nordrhein-Westfalen, dem Herkunftsland von CDU-Bundesbildungsministerin Anja Karliczek), die sich als „exzellent“ verstehen dürfen, aber weniger Geld für jede einzelne. Dennoch: Überall geht es hier ums Grundlegende, um Zukunftsfragen, die sowohl im geistes- als auch naturwissenschaftlichen Bereich nun geklärt werden könnten. Und das ist der richtige Weg, wenn die Rede von der deutschen „Wissensgesellschaft“ einen Sinn haben soll.

Das Misstrauen gegen die akademische Forschungsarbeit werden Förderungsprogramme allein indes kaum mindern. Hier müssen die Experten ran. Es ist an der Zeit, dass Universitäten und Forschungseinrichtungen ihre Kommunikation überdenken. Sie müssen erklären, was sie tun, was es nützt oder welche Wege in die Zukunft es möglicherweise weist. Erst dann wird überall klar, was Wissen schafft.

Von Hendrik Brandt

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