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Wie kommerziell darf Fußball sein?

Analyse zu 50+1 Wie kommerziell darf Fußball sein?

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) drückte sich vor der Entscheidung, ob ein Mäzen wie Hannover-96-Boss Martin Kind die Mehrheit an der Profiabteilung (s)eines Fußballclubs übernehmen darf. Dabei müsste eine Grundsatzdebatte eigentlich noch viel weiter gehen, meint Felix Harbart. 

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Quelle: dpa

Hannover. Der Tag, der eigentlich Klärung im nervtötenden Streit um die Zukunft des Profifußballs in Deutschland bringen sollte, brachte am Ende nur eines: mehr Streit. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) drückte sich vor der Entscheidung, ob ein Mäzen wie Hannover-96-Boss Martin Kind die Mehrheit an der Profiabteilung (s)eines Fußballclubs übernehmen darf. Kind wiederum ließ seinen Antrag ruhen, von der sogenannten 50+1-Regel ausgenommen zu werden, die der Machtübernahme der Investoren noch im Wege steht. Stattdessen solle nun, so die DFL, eine „intensive Grundsatzdebatte zu 50+1 innerhalb der Ligen“ stattfinden. Na dann.

Ob das in Wahrheit ein Erfolg für Kind oder seine Gegner ist, ist der jeweiligen Interpretation überlassen. Bei Hannover 96 schimmerte am Montag die Erwartung durch, die Regelung werde im Zuge dieser Grundsatzdebatte wohl so modifiziert, dass Kind am Ende doch ans Ziel kommen könnte. Seine Gegner dagegen hoffen, dass stattdessen sämtliche Ausnahmetatbestände abgeschafft werden und die 50+1-Regel in ihrer reinen Form übrig bleibt. Man ist also keinen Deut schlauer als zuvor.

Das ist ärgerlich – und vermutlich wird alles noch viel ärgerlicher. Denn zu befürchten ist, dass die Debatte innerhalb der DFL nicht so grundsätzlich ausfallen wird, wie sie sein müsste. Zum Beispiel: Der Ligaverband macht sich, wie Kind und andere, Sorgen um die „Konkurrenzfähigkeit“ der Bundesliga. Vielleicht sollte sie lieber grundsätzlich darüber diskutieren, ob sie etwa mit einer von Petrodollars alimentierten, der Realität völlig entrückten Scheinwelt wie der englischen Premier League überhaupt noch konkurrieren will. Die entfremdet sich durch absurde Transfersummen und Gehälter von den Fans, hat kaum Platz für den eigenen Nachwuchs – und gewinnt noch nicht einmal internationale Titel.

Oder: Um an mehr Fernsehgeld zu kommen, hat die DFL die Spieltage der Bundesliga bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt, zum Schaden der Fans. Auch das wird die schönste Grundsatzdebatte kaum rückgängig machen.

Oder: Die Enthüllungsplattform „Football Leaks“ hat öffentlich gemacht, an welch schmierigen Transfers Bundesliga-Clubs beteiligt sind. Geschäfte, bei denen die Rechte an Spielern ohne deren Wissen an dubiose Briefkastenfirmen übertragen werden, auf deren Schweizer Konten am Ende siebenstellige Summen landen. All das ist verboten, läuft aber über Umwege weiter. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Es stimmt: Die Kerngedanken der 50+1-Regel sind wichtige Faktoren im Kampf gegen die Kommerzialisierung des Fußballs. Aber man sollte nicht so tun, als sei mit der Erhaltung von 50+1 seine Seele gerettet. Die ist in viel schlimmeren Nöten.

Die „Grundsatzdebatte“ der DFL wird nicht so grundsätzlich sein, wie sie sein müsste.

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