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Schlechte Stimmungslage bei VW

Analyse zum Auto-Unternehmen in der Krise Schlechte Stimmungslage bei VW

Ausgerechnet in dem Konzern, der wie kaum ein anderer von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit von Management und Betriebsräten abhängig ist, scheint das Tischtuch zwischen beiden Seiten zerschnitten. Und das auch noch gerade jetzt. Eine Analyse zur Stimmung beim Wolfsburger Autobauer VW.

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Quelle: dpa

Wolfsburg. Es war kein Empfang, den man sich wünscht als Führungskraft. Als VW-Markenchef Herbert Diess dieser Tage dem mit Jobabbau kämpfenden Werk Emden einen Besuch abstattete, hielten ihm einige Beschäftigte ein Plakat mit einem Wortspiel auf seine Kosten unter die Nase: „Wir haben DIESS nicht verdient“, stand darauf. Ein anderer dagegen nimmt den Namen des früheren BMW-Managers gar nicht mehr in den Mund: Betriebsratschef Bernd Osterloh spricht nur noch von „dem Markenvorstand“, wenn er mal wieder Unzuverlässigkeit und Flatterhaftigkeit anprangert.

Beides zusammen wirft kein gutes Bild auf die Gemüts- und Gefechtslage in Wolfsburg und anderswo. Ausgerechnet in dem Konzern, der wie kaum ein anderer von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit von Management und Betriebsräten abhängig ist, scheint das Tischtuch zwischen beiden Seiten zerschnitten. Und das zur Unzeit: Denn die Marke VW Pkw steht vor einem Bündel von Herausforderungen, das nicht leicht zu entwirren ist.

Auf dem Weg zur Bewältigung des Abgas-Skandals hat VW noch nicht einmal die erste Steigung hinter sich gebracht. Der Rückruf in Europa stockt schon beim Start, in den USA gibt es noch nicht einmal ein Konzept, das den Behörden genügt. Hinzu kommen bald Strafen, Klagen, Gerichtsprozesse und die interne Aufarbeitung.

Intern jedoch spielt der Skandal jenseits derer, die mit ihm zu tun haben, längst nicht mehr die Rolle wie in der Öffentlichkeit. VW muss sich rüsten für die Digitalisierung und Elektrifizierung der Autos. Dahinter stehen gewaltige Investitionsvolumina und viele Grundsatzentscheidungen. Was will der Konzern selbst entwickeln und fertigen? Welche Technologie muss vorangetrieben werden, was muss man womöglich auslaufen lassen? Die Zukunft ganzer Werke - auch und gerade in Niedersachsen - kann davon mittelfristig abhängen.

Früher hätten das Martin Winterkorn und Osterloh auf dem kurzen Dienstweg geregelt. Doch den gibt es bekanntlich nicht mehr. Machtballung und autokratische Strukturen sollen schließlich der Vergangenheit angehören. Damit jedoch müssen die Führungskräfte der unteren Ebenen erst einmal klarkommen. Markenchef Diess hat ihnen dazu ein Zwölf-Punkte-Programm an die Hand gegeben, mit dem die Marke möglichst schnell neu ausgerichtet werden soll. Doch die Unsicherheit über die zukünftige Ausrichtung des Konzerns hat es noch nicht abbauen können.

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