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China braucht Deutschland

Leitartikel China braucht Deutschland

Wie entwickeln sich die Beziehungen zwischen Deutschland und China? Werden die Bundesrepublik und die EU den Partner in Fernost als Marktwirtschaft anerkennen? Und was ist überhaupt das richtige Modell für China? Eine Analyse von Felix Lee.

Peking/Berlin. Noch beim letzten China-Besuch vor neun Monaten vermittelte Angela Merkel den Eindruck: Nichts kann das gute Verhältnis zwischen Berlin und Peking ernsthaft trüben. Doch diesmal könnte es mit der guten Stimmung vorbei sein. Seit Sonntag ist Merkel mit dem halben Bundeskabinett in Peking. Und vor allem in einem Punkt könnte es gewaltig krachen: Bei der Frage, ob Deutschland und die EU China als Marktwirtschaft anerkennen.

Als die Volksrepublik vor 15 Jahren der Welthandelsorganisation beitrat, wollten die Industrieländer China den Status Marktwirtschaft noch nicht einräumen. Da China damals noch stark von der Planwirtschaft geprägt war und die Preisbildung seiner Waren nicht nach den Gesetzen des Marktes erfolgte, bestand die Gefahr, dass chinesische Waren weit unter Marktpreis auf dem Weltmarkt landeten. Indem die Industrieländer China den Status verweigerten, konnten sie die Billigimporte aus Fernost mit Anti-Dumping-Zöllen belegen. Das glich die Marktverzerrungen aus.

Die chinesische Führung war bis vor Kurzem davon ausgegangen, dass dies bis Ende dieses Jahres korrigiert wird. Doch weil die chinesische Wirtschaft schwächelt, schottet die Regierung ihre Märkte wieder ab. Wer in China investieren will, muss mit einheimischen Firmen kooperieren - während die Chinesen derzeit weltweit auf Einkaufstour gehen. Zugleich subventioniert China massiv seine Industrie. Derzeit häufen sich Klagen, dass Chinas Unternehmen mit einer massiven Überproduktion vor allem von Stahl, Aluminium und Solarpanels die Weltmärkte überschwemmen und mit Dumping-Preisen ausländische Konkurrenten aus dem Markt drängen.

Zu Recht wächst der Unmut gegenüber China. Japan und die USA haben bereits angekündigt, dass sie China nicht als Marktwirtschaft anerkennen werden. Auch das EU-Parlament hat sich dagegen ausgesprochen. Umso mehr versucht die chinesische Führung nun, Druck auf Merkel auszuüben. Unverhohlen drohte Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua bereits mit einem „Handelskrieg“, sollte sich „Freundin Merkel“ in Brüssel nicht ausreichend im Sinne Chinas einsetzen.

Das sollte die Kanzlerin nicht weiter beeindrucken. Im Gegenteil: Merkel sollte Stärke zeigen. Denn die hat sie. China stößt mit seinem bisherigen Wachstumsmodell immer öfter an Grenzen. Die Löhne sind rasant gestiegen, die Qualität der meisten chinesischen Produkte lässt aber weiter zu wünschen übrig. Mit den reichen Industrieländern kann China noch lange nicht mithalten. Was die chinesische Wirtschaft braucht, ist eine technische Erneuerung seiner gesamten Industrie. Und da sind die Deutschen mit ihrem Maschinenbau und ihrer Ingenieurskunst gefragt. Die sollen die Chinesen auch bekommen - schließlich profitieren davon auch die Deutschen. Aber nur unter gleichen Bedingungen. Das nennt man Marktwirtschaft.

Von Felix Lee

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