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Meinung Das Brexit-Eigentor
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02:15 01.07.2016
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London

Man sieht jetzt viele Bilder aus trostlosen Ecken Großbritanniens im Fernsehen. Das Land, so scheint es, liege schon am Boden und werde auch nicht mehr hochkommen. Doch ganz so ist es nicht. Die Briten haben gute Jahre hinter sich, in denen ihre Wirtschaft doppelt so stark wuchs wie die deutsche. Sie hatten einen Lauf - und legen sich mit dem Brexit selbst die Stolperfalle.

Der größte Schaden tritt schon ein, bevor auch nur Verhandlungen über den EU-Austritt begonnen haben. Die Unsicherheit dürfte den Konsum drücken. Ausländische Investoren stellen Projekte zurück - in einem Land, wo Deutsche, Inder und Amerikaner die Autoindustrie beherrschen und mehrere Stahlwerke Käufer suchen. Ausgerechnet die Finanzbranche, die auf der Insel doppelt so wichtig ist wie hier, trifft der Brexit besonders hart. Und die Briten werden sich neue Billigarbeiter suchen oder die ungeliebten Jobs selbst machen müssen - ohne die Freizügigkeit des EU-Binnenmarkts wird das mit den Polen schwierig.

Es ist kein Wunder, dass die meisten Experten eine Rezession voraussagen. Da richten sich die Blicke reflexhaft auf die Regierung und die Notenbank, doch auch deren Handlungsspielraum ist begrenzt. Angesichts des schwachen Pfundes wird die Bank of England mit Zinssenkungen sehr vorsichtig sein. Und die Regierung hat schon mit üppigen Staatsausgaben den jüngsten Aufschwung befeuert - in der vergeblichen Hoffnung, die Bevölkerung bei Laune zu halten.

So muss man seit Freitag trübe Szenarien zeichnen, wo bis Donnerstag Chancen waren. Die ließen sich nur retten, wenn die EU den Ex-Freunden weiter Vorteile gewähren würde - mehr als eine „privilegierte Partnerschaft“ à la Türkei. Doch das Kalkül der Brexit-Promoter, das Beste vom EU-Büfett mitzunehmen und zähe Stücke liegen zu lassen, wird nicht aufgehen, denn Rest-Europa hätte nichts davon.

Kann man den Briten aus wirtschaftlicher Sicht also leichten Herzens Goodbye sagen? Nein, denn es geht eben um die zuletzt wachstumsstärkste große Volkswirtschaft der EU und den drittgrößten Nettozahler. Und nebenbei geht es um einen wichtigen Verbündeten der Deutschen in wirtschaftspolitischen Grundsatzfragen. Ohne die Briten verschiebt sich der Schwerpunkt der Europäischen Union ein Stück nach Süden - nicht nur geografisch, sondern auch wirtschaftspolitisch. Die Kanzlerin weiß ganz gut, warum sie den Ball in Sachen Brexit flacher hält als die Kollegen aus Paris und Rom.

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