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Die Sehnsucht nach der guten Nachricht

Analyse Die Sehnsucht nach der guten Nachricht

Nach all den Rückschlägen strahlt die Elbphilharmonie in Hamburg nun eine Welle der Euphorie aus. Selten sind sich wirklich alle Beobachter darin einig, dass etwas gut ist. HAZ-Redakteur Stefan Arndt analysiert das neue "Hamburg-Gefühl".

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Quelle: dpa

Hamburg. Es gibt einige Gründe, warum man sich für die Elbphilharmonie interessieren kann. Die spektakuläre Architektur. Die immensen Kosten und die verkorkste Baugeschichte. Der neue Konzertsaal und die Musik, die darin erklingen wird. Die Akustik, um die bis zuletzt so ein großes Geheimnis gemacht wurde, oder einfach nur die atemberaubende Aussicht auf den Hafen, die man von der Plaza auf dem Dach des ehemaligen Kaispeichers hat.

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Nach knapp zehn Jahren Bauzeit ist die Hamburger Elbphilharmonie mit einem Konzert eröffnet worden. Zu den 2100 geladenen Gästen gehörten Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD).

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Doch richtig erklären kann das nicht, was derzeit in Hamburg geschieht. Warum ist der gewaltige Ärger, der einen Großteil der zehnjährigen Bauphase begleitet hat, plötzlich wie von Zauberhand weggewischt? Warum hört man nie, dass es vielleicht gar nicht so wahnsinnig originell ist, ein Gebäude an der Hafenkante zu errichten, das je nach Perspektive an ein Segelschiff oder eine Welle erinnert? Und warum fragt kaum noch jemand, wozu man eigentlich einen neuen Konzertsaal braucht? Es mosert keiner mehr. Stattdessen gehört ein Besuch in der Elbphilharmonie derzeit zu den nächsten Reiseplänen vieler Deutscher. Noch vor einem Jahr ist das eine abwegige Vorstellung gewesen.

Selten sind sich wirklich alle Beobachter darin einig, dass etwas gut ist. Das kann hier nicht nur daran liegen, dass die Elbphilharmonie tatsächlich fabelhaft schön ist. Es ist auch so etwas wie der allgemeine Willen zum Gelingen. Die Fertigstellung dieses Hauses bedient die Sehnsucht nach der guten Nachricht, die Lichtblicke eröffnet in einer sorgenumwölkten Gegenwart. Endlich klappt mal etwas - das schwingt in diesen Tagen der „Elphi“-Euphorie stets mit. Wo sich täglich so viel verändert, wo in der Gesellschaft oder in der Arbeitswelt nichts mehr so ist, wie es einmal war, ist ein schlichtes „Fertig“, wie es im November auf der Fassade zu lesen war, wohltuend. Denn zu oft ist in den vergangenen Jahren der Eindruck entstanden, dass doch irgendwie nichts mehr gelingt - und vor allem nicht bei großen Bauprojekten.

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Hamburg neues Wahrzeichen erklingt: Nach zehnjähriger Bauzeit wird die Elbphilharmonie am Mittwoch eröffnet. Sie ist weit mehr als nur ein Konzerthaus – der gläserne Neubau mit seiner kühn geschwungenen Dachlandschaft erhebt sich auf dem Sockel eines ehemaligen Kaispeichers an der westlichen Spitze der Hafencity.

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Die diffus positive Stimmung, die sich derzeit von der Elbphilharmonie auszubreiten scheint, hat sogar schon einen Namen: „Hamburg-Gefühl“ sagt Kent Nagano, der kalifornische Chefdirigent an der Oper der Hansestadt, zu der nicht vollständig zu begreifenden Begeisterung. Die Eröffnung des Gebäudes wird derweil zu einem Großereignis, das alle sonstigen kulturellen Ereignisse weit überstrahlt.

Und das nicht nur in diesen Tagen: Die Elbphilharmonie wird weiterstrahlen, auch wenn die Scheinwerferlichter der Eröffnungsfeier ausgeschaltet sind. Dass sie allen Widrigkeiten zum Trotz jetzt tatsächlich mit Musikleben erfüllt wird, dass wir uns auch einfach mal über etwas freuen können, ist Symbol und Beleg für das Große, das eine demokratische Gesellschaft erreichen kann. Das ist die eigentliche gute Nachricht des Hamburg-Gefühls.

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