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Die MHH muss zur Chefsache werden

Analyse Die MHH muss zur Chefsache werden

Die Medizinische Hochschule Hannover hat sich tief in die roten Zahlen manövriert. Das kann sich die MHH sich nicht lange leisten - und sie hat es auch nicht verdient. Die MHH muss jetzt Chefsache werden. Dass Ministerpräsident Stephan Weil das noch immer nicht mit Nachdruck betreibt, ist verwunderlich. Eine Analyse von Hendrik Brandt.

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Quelle: Uwe Dillenberg

Hannover. Im Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Hannover gibt es ein Papier, dass das Drama um die Medizinische Hochschule sehr gut aufzeigt: Zahlreiche bunte Kästchen sind da zu sehen, jedes steht für eine Abteilung der Hochschule oder eine Landesbehörde, die bei den Bauten für die MHH jeweils für einen Teilbereich zuständig ist. Es gibt sehr viele Kästchen mit vielen Mitsprechern. Am Ende ihrer Arbeit aber steht immer öfter die Kapitulation vor der Komplexität: Die Bauten werden nicht fertig oder taugen nicht für die vorgesehen Aufgaben.

Die im Grunde unbedeutende Unterlage zeigt symbolträchtig, dass und wie das Land bei der Führung einer seiner wichtigsten Einrichtungen mehr und mehr versagt. Die Ministerien und die Führung der MHH reden munter aneinander vorbei und sind am besten im Hin- und Herschieben von Verantwortung. Hinter den Kulissen redet man ohnehin meist nur noch schlecht über den jeweils anderen. Aktuell wird der Ruf der Hochschule so einem fatalen Stresstest unterzogen - wäre sie nicht so fest im Wissenschaftsbetrieb verankert, müsste man sich Sorgen um den Medizinstandort Hannover machen.

Das kann sich die MHH sich nicht lange leisten - und sie hat es auch nicht verdient. Hier ist herausragene Spitzenmedizin zu Hause, hier geht es oft genug um Forschung und Behandlung im Grenzbereich des Lebens. Dazu braucht es Mediziner, die das leisten können und wollen; die MHH hat glücklicherweise viele von ihnen. Dass solche Spitzenkräfte nicht immer leicht zu führen sind und ihrerseits mit den alltäglichen Erfordernissen eines Riesenkrankenhauses im scharfen Wettbewerb um Kassengeld und Patienten wenig anfangen können, ist klar. Die Hochschule ist eben auch ein Krankenhaus-Koloss - wer sie leitet, muss das ebenso wissen und beachten. Auch wenn Kostendebatten den Professoren gewaltig gegen den Strich gehen. Das allein ist schon eine Aufgabe besonderer Art. Wenn die gesamte Medizin-Kleinstadt dann zugleich auch noch neu gebaut werden soll, kann das weder ein Mensch noch ein Leitungsteam einer Hochschule sinnvoll bewältigen. Und ein eher betuliches Wissenschaftsministerium eben auch nicht, wie die Abläufe der letzten Jahre zeigen. Übrigens völlig unabhängig davon, ob die Ministerin nun Johanna Wanka (CDU) oder, wie jetzt, Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) heißt.

Die MHH muss jetzt Chefsache werden. Dass Ministerpräsident Stephan Weil das noch immer nicht mit Nachdruck betreibt, ist verwunderlich - so viele Pluspunkte hat seine Regierung in den vergangenen Monaten nicht gesammelt. Ja, Weil hat entschieden, die MHH umfassend zu modernisieren - aber er sagt bis heute nicht öffentlich und glaubhaft, wie das gelingen soll. Es wäre an der Zeit.

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