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Eine große Chance für die Kliniken im Land

Analyse Eine große Chance für die Kliniken im Land

Das Land Niedersachsen investiert in die Sanierung der Medizinischen Hochschule Hannover sowie der Universitätskliniken Göttingen. Insgesamt 2,1 Milliarden Euro werden zur Verfügung gestellt. Das ist eine richtungweisende Idee, meint HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt. Aber es bleibt auch noch viel zu tun.

Hannover. Doch, sie trauen sich noch etwas. 600 Millionen Euro will Rot-Grün in Niedersachsens große Uni-Kliniken investieren - und das soll erst der Anfang sein. Am Ende, so der kühne Plan, stünden Ende der Dreißigerjahre in Hannover und Göttingen zwei im Grunde neu erfundene Spitzeneinrichtungen, die sowohl in Forschung und Lehre als auch bei der Betreuung der Patienten ihresgleichen suchten. 2,1 Milliarden Euro soll das in etwa kosten, nach hamburgischer Bau- und Rechenkunst wären das knapp drei Elbphilharmonien. Das ist eine richtungweisende Idee - und sie wird nicht dadurch schlechter, dass der Finanzminister derzeit im Geld schwimmt und große Gesten somit leichter fallen. Wenn alle Verständigen diesen Kurs auch über die Landtagswahl 2018 hinaus halten, wäre das Klinik-Projekt ein gewaltiger Leuchtturm in der tiefen Ebene sonstiger Tagespolitik. Wie gut für Niedersachsen.

Bis dahin ist allerdings noch viel zu tun. Denn aktuell wäre jede Investition etwa in die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hoch riskant. Selbst vergleichsweise kleine Sanierungen haben in den letzten Jahren bedrückend klar gezeigt, dass dort bei allem guten Willen nicht immer etwas Brauchbares herauskommt. Mediziner, Krankenhausmanager und Ministerialbeamte aus gleich mehreren Häusern haben sich etwa schon beim Neubau eines kleinen, am Ende nutzlosen Laborgebäudes hoffnungslos ineinander verheddert. Es wäre ein vorgezogenes Pfingstwunder, wenn sie sich nach der Ankündigung am Dienstag nun plötzlich verstehen würden. Was derzeit im Bau- und Planungsbereich um die MHH herum geschieht, ist ein Festival der Verantwortungslosigkeit. Dass hier Millionen in den Sand gesetzt wurden, macht ebenso fassungslos wie das begleitende Schwarze-Peter-Spiel zwischen Hochschule, Ministerien und Bauleuten. Und im Hintergrund mischen Politiker aller Farben auch noch jeweils eigene Karten und versuchen, die Regierung oder alternativ die Hochschulleitung zu blamieren. So wird es sicher nichts mit einem Aufbruch.

Neue Arbeitsgruppen, die das Land plant, werden daran wenig ändern. Die Aufgabe ist zu groß. Damit sie bewältigt wird, müssen endlich zentrale Fragen auf den Tisch - in der Staatskanzlei des Ministerpräsidenten. Kann ein Riesenbetrieb wie die MHH noch in den Strukturen einer Provinzhochschule geführt werden? Ist sie beim Wissenschaftsministerium überhaupt noch richtig aufgehoben? Sind staatliche Baumanager wirklich Krankenhausexperten? Und vor allem: Wie ist zu erreichen, dass jetzt nur noch diejenigen im Mittelpunkt stehen, um die es geht: die Spitzenmediziner und ihre Patienten? Erst wenn das Land die Kraft findet, auf diese und andere Fragen neue Antworten zu finden, ist die Milliarden-Ankündigung wirklich etwas wert.

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Von Redakteur Hendrik Brandt