Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Heute geht es um Europa
Nachrichten Meinung Heute geht es um Europa
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 20.09.2014
Anzeige

Einige Anwohner aus der Grenzregion zwischen England und Schottland haben in dieser Woche spaßeshalber schon mal den Ernstfall geprobt: Dort, wo man eigentlich ungehindert zwischen einem Teil Großbritanniens und dem anderen hin und her fahren kann, installierten sie eine Schranke, samt täuschend echt aussehendem Schild: „Passkontrolle - geöffnet ab 19. September.“

4,2 Millionen Schotten sind am Donnerstag aufgerufen, über die Unabhängigkeit ihres Landes abzustimmen. Und was noch vor wenigen Wochen abwegig schien, haben Umfragen nun untermauert: Es besteht eine reelle Chance auf eine Teilung der Insel. Beide Lager sind sich dicht auf den Fersen. Viele Briten ahnen: Wenn sie morgen früh aufwachen und die Stimmen ausgezählt sind, könnte ihr Land nicht mehr dasselbe sein.

Doch es geht sogar um viel mehr. Ein Zerfall Großbritanniens hätte Auswirkungen auf ganz Europa. Das Parlament in Edinburgh müsste sich formal neu um eine Mitgliedschaft in der EU bewerben, während der Rest Großbritanniens automatisch Teil der Gemeinschaft bliebe. In Brüssel fürchtet man allerdings weniger solche Neuverhandlungen als vielmehr eine Art Dominoeffekt an anderen Stellen in der EU: Auch in Flandern und Nordirland, in Katalonien und dem Baskenland gibt es Autonomiebestrebungen. Was passiert, wenn das Beispiel Schottland überall Schule macht? Können Spanien oder Belgien die Rufe nach Unabhängigkeit einzelner Landesteile weiter vom Tisch wischen?

Schottland hätte hingegen durchaus Chancen auf eine Rückkehr in die EU. Wirtschaftliche Kriterien dürften dem nicht entgegenstehen, auch alle anderen Voraussetzungen erfüllt das Land bereits. Fraglich ist aber, ob es innerhalb Europas wirklich ein einstimmiges Votum dafür gäbe. Vor allem jene Länder, in denen Regionen selbst nach Autonomie streben, dürften aus innenpolitischen Gründen erst einmal abwinken.

Der britische Premier David Cameron wollte mit dem Referendum die Autonomiebewegungen in Schottland ein für alle Mal zum Schweigen bringen. Nun aber sieht es so aus, als habe er sich verzockt. Das wirft mit Blick auf ein anderes Versprechen des Premiers Fragen auf. Cameron will im Falle seiner Wiederwahl ab 2015 alle Briten über einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU abstimmen lassen. Nun ist auch dem Letzten bewusst: Das Beispiel Schottland lässt für Europa nichts Gutes erahnen. Das Kalkül Beruhigung per Volksabstimmung geht nicht auf.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Die Schotten stimmen darüber ab, ob sie sich aus dem Vereinigten Königreich lösen wollen - vorausgesagt wird ein knappes Ergebnis. Mit besonderem Interesse verfolgt der Grasdorfer Michael McCormack das Referendum. Der 53-Jährige ist Schotte - und sieht die Abstimmung überaus kritisch.

Tobias Lehmann 20.09.2014

Wie stark werden die rechten Parteien bei den Europawahlen? In den Niederlanden gab es einen ersten Dämpfer: Die Partei für die Freiheit (PVV) um Geert Wilder landete nur auf Platz vier und musste Stimmeneinbußen hinnehmen. Nigel Farages UKIP kann dagegen auf ein gutes Ergebnis in England hoffen.

23.05.2014

Große Ehre und große Erwartung: Die Kanzlerin spricht in London vor beiden Häusern des Parlaments. Dem oft EU-kritischen Großbritannien attestiert sie eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt Europas. Cameron ist begeistert.

27.02.2014
Meinung Flüchtlingsdramen - Massengrab Mittelmeer

Die Zeit drängt. Die Herbststürme stehen bevor, und an den Küsten Nordafrikas warten noch Tausende Flüchtlinge auf die Überfahrt nach Europa. Ein Kommentar von Marina Kormbaki.

Marina Kormbaki 18.09.2014

Nach dem Erfolg in Sachsen hat die AfD hat am Wochenende in Thüringen und Brandenburg ebenfalls ein zweistelliges Wahlergebnis erzielt. Dabei ist vor den drei Landtagswahlen in Ostdeutschland viel Kritik an der neuen Partei geäußert worden. Eine Analyse von Jörg Kallmeyer.

Jörg Kallmeyer 18.09.2014

Kaltblütig setzen die selbst ernannten „Gotteskrieger“ ihr Morden fort. Mit der Ermordung der Amerikaner und des Briten schicken sie ihre blutigen Botschaften ausgerechnet an zwei Länder, die für ihren Widerstandsgeist bekannt sind. Ein Kommentar von Stefan Koch.

Stefan Koch 17.09.2014
Anzeige