Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Kindheit auf der Flucht
Nachrichten Meinung Kindheit auf der Flucht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 23.06.2016
Von Marina Kormbaki
Anzeige
Berlin

Nie zuvor haben die Vereinten Nationen so viele Geflüchtete gezählt wie im vergangenen Jahr. Mehr als 65 Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen, weil sie dort ihres Lebens nicht mehr sicher sind. Die meisten suchen Schutz im eigenen Land. Nur ein Drittel harrt im Ausland aus. Und davon gelangt nur eine kleine Minderheit allen Gefahren zum Trotz nach Europa. Es ist mitnichten unser reicher Kontinent, der die Hauptlast trägt. Diese schlichte Wahrheit wird von nationalistischen Untergangsapologeten gern verschwiegen.

So unterschiedlich das Leben in deutschen, jordanischen oder kenianischen Flüchtlingslagern ist - eine Gemeinsamkeit gibt es doch: Viele der Bewohner sind Kinder. Mehr als die Hälfte aller Geflüchteten sind noch keine 18 Jahre alt. Flucht im 21. Jahrhundert - das ist vor allem eine Kindheitserfahrung.

Eine Flucht ist gefährlich. Dies gilt erst recht für die Verletzlichsten unter den Schutzlosen. Kinder sind leichte Beute für Kriminelle, zumal wenn sie ohne ihre Eltern unterwegs sind. Jungen werden zum Kriegsdienst gezwungen, Mädchen erleiden Zwangsehen und Vergewaltigungen. Ausbeutung ist keine Ausnahmeerfahrung von Kindern auf der Flucht - es ist die Regel. Und dann die ständige Ungewissheit: Syrische Kinder, die heute fünf Jahre alt sind, haben nicht erfahren, was Sicherheit und Geborgenheit bedeuten. Mit ihrer Geburt brach der Krieg über Syrien herein. Ihre Kindheit ist ein Kampf ums Überleben.

Es wächst eine seelisch und körperlich verwundete Generation heran. Was soll aus ihr werden? Nur ein Bruchteil der Kinder auf der Flucht lernt Lesen und Schreiben. Schulische Bildung ist selbst in den großen, von internationalen Organisationen betriebenen Flüchtlingslagern ein Luxusgut. Schuld daran ist auch die Ignoranz wohlhabender Staaten, die dafür nicht zahlen wollen. Dabei wäre eine bessere Ausstattung eine Möglichkeit, rasch die Not zu lindern.

Was hilft auf lange Sicht? „Man muss Fluchtursachen vor Ort bekämpfen“, heißt es oft. Doch der Satz ist zur Phrase der Bequemlichkeit verkommen. Ja, Deutsche, Europäer, der Westen, alle müssen Fluchtursachen vor Ort bekämpfen. Aber man sollte bei sich selbst ansetzen. Viele deuten auf Kriege, Bürgerkriege und Fundamentalismus. Doch auch westliche Militärschläge, Rüstungsdeals und subventionierte Lebensmittelexporte tragen bei zu Fluchtbewegungen. Alles hängt mit allem zusammen. Wo ist das Staatenbündnis, das die Flüchtlingskrise wirklich bewältigen will? Es stimmt: Fluchtursachen muss man vor Ort angehen. Doch das ist eine globale Aufgabe.

Die Poliezi in Brüssel hat am Sonnabend anscheinend einen geplanten Anschlag auf die Fanmeile während des EM-Spiels Belgien gegen die Irland verhindert. Dennoch wissen die Behörden aller EU-Länder, dass das Verhindern eines Terroraktes nur eine kurze Atempause verschafft. Ein Kommentar von Detlef Drewes.

22.06.2016
Meinung Unterm Strich - Das große Gemauschel

Der Streit um die Üstra-Boni ist nur scheinbar befriedet. Die ausgehandelte Lösung ist unbefriedigend und riecht nach wahltaktischem Gemauschel. Am Ende könnte der Deal zulasten der Üstra-Kunden gehen, meint Volker Wiedersheim.

20.06.2016

Der Bundesrat hat nicht über die sogenannte Sichere-Drittstaaten-Regelung für nordafrikanische Länder entschieden – weil die Grünen dagegen argumentieren. Doch die Partei ist deutlich in der Minderheit. So sieht es aus, als ob die Große Koalition nicht den Ernst der Lage erkannt habe. Ein Kommentar von Hendrik Brandt.

20.06.2016
Anzeige