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Nach dem Brexit droht die Zerreißprobe

Bregret nach Entscheid Nach dem Brexit droht die Zerreißprobe

Die Abstimmung über die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU hat die tiefe Spaltung der britischen Gesellschaft offengelegt. Nun droht das Vereinigte Königreich zu zerfallen. Eine Analyse zur schweren inneren Krise der britischen Demokratie nach dem Brexit-Entscheid.

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Schottlands Erste Ministerin Nicola Sturgeon strebt ein neues Unabhängigkeits-Referendum für Schottland an. 

Quelle: dpa

London. An großen Worten hat es nicht gefehlt: Lang und laut haben die Kampagnenführer des Brexit-Lagers die Größe des britischen Königreichs beschworen. In nationalistischem, auch rassistischem Ton priesen sie die britische Identität und forderten die volle Souveränität über britische Belange. Der Mehrheit im Land gefiel das; sie hat ihr „No“ bekommen. Und nun? Mit dem Brexit-Votum droht das Vereinigte Königreich seine drei Jahrhunderte währende Einheit zu verlieren. Und die von vielen Briten innig gehasste Europäische Union steht bald womöglich trotz Brexit nicht mit weniger Mitgliedern da als heute. Zu viel der bitteren Ironie - selbst für viele Briten.

Die Abstimmung über die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU hat die tiefe Spaltung der britischen Gesellschaft offengelegt. Das Votum fällt ja nicht vom Himmel. Eine Spaltung, die Arm von Reich trennt, Alt von Jung - aber auch die Landesteile voneinander. Während die Bürger von Wales und England - mit Ausnahme Londons - gegen eine EU-Mitgliedschaft gestimmt haben, sprachen sich Schotten und Nordiren entschieden für den Verbleib in der EU aus. Ihr „Bremain“ fiel so deutlich aus, dass übers Wochenende eine schwere innere Krise über die britische Demokratie hereinbrach. In Edinburgh und Belfast fragt man sich jetzt deutlicher denn je, ob die eigenen Interessen von London eigentlich noch vertreten werden.

Kaum waren die Stimmzettel ausgezählt, betonte Schottlands Erste Ministerin Nicola Sturgeon, ihr Volks sehe seine Zukunft in der EU. Ein Volksentscheid über die Abspaltung vom Königreich sei „höchst wahrscheinlich“. Den gab es zwar schon vor zwei Jahren, die Mehrheit sprach sich gegen den Alleingang aus. Damals allerdings wäre eine schottische EU-Mitgliedschaft unmöglich gewesen - London hätte sein Veto eingelegt. Doch dieser Widersacher will sich ja jetzt selbst aus dem EU-Team kicken. Derweil hebt in Nordirland die überwunden geglaubte Debatte um eine Vereinigung mit Irland an - von den Nationalisten in Dublin wiederum geschickt geschürt. Wenn der mühsam errungene Frieden auf der grünen Insel wieder in offene Konflikte umschlagen würde - es wäre eine verheerende Folge des Brexit-Votums.

Das siegreiche Lager aus konservativen Tories und den Nationalisten der Ukip wollte Britannien wieder groß machen. Am Ende regieren nun die kleinen Geister - und die Nation steht vor einer Zerreißprobe. Das hätte man vorher bedenken können.

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Symbolbild

Das britische "No" zur EU könnte anderen Finanzzentren eine Schub geben. Hoffnungen macht sich unter anderem Frankfurt. Profitiert die Bankenmetropole am Main tatsächlich von den Brexit-Wirren?

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