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Neue Medizin für Kassenpatienten

Analyse Neue Medizin für Kassenpatienten

Eine Studie hat bewiesen: Kassenpatienten müssen im Schnitt 23 Tage länger auf einen Termin beim Facharzt warten als Privatpatienten. Das soll sich jetzt ändern. Eine Wunderheilung ist aber nicht zu erwarten. Eine Analyse von Anita Kecke.

Mangelnden Reformwillen kann man Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe wahrlich nicht vorwerfen. Die Krankenhäuser, die Palliativversorgung, eine Pflegereform, die diesen Namen auch verdient und den Betroffenen wirklich hilft – der CDU-Politiker beweist Gestaltungswillen. Zugetraut haben ihm das nur wenige.

Jetzt will Gröhe durchsetzen, dass Kassenpatienten nicht länger als vier Wochen auf einen Termin beim Facharzt warten müssen und andernfalls sofort ein Krankenhaus aufsuchen können. Bilder wie die vom September 2013 sollen der Vergangenheit angehören. Damals standen im thüringischen Gera 400 Menschen im Regen Schlange – um einen Termin in einer Augenarztpraxis zu bekommen. Zustände, die leider kein Einzelfall in Deutschland sind.

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Neue "Servicestelle" für Kassenpatienten: ab Montag müssen gesetzlich Versicherte innerhalb von vier Wochen einen Arzttermin bekommen. Finden Sie das neue Gesetz gut?

Zwar zählt das deutsche Gesundheitswesen noch immer zu den besten der Welt, was nicht aus dem Blick geraten darf. Eine Studie hat aber bewiesen: Kassenpatienten müssen im Schnitt 23 Tage länger auf einen Termin beim Facharzt warten als Privatpatienten. Noch größer ist die Diskrepanz beim Kardiologen. Privatpatienten mussten im Schnitt 19 Tage auf einen Termin warten, Kassenpatienten mehr als zwei Monate. Damit soll jetzt endlich Schluss sein.
Gröhes Medizin gegen die Zustände heißt Terminservicestelle. Meldet man sich dort, soll einem ein Termin beim Hautarzt, Neurologen, Augenarzt oder anderen Facharzt innerhalb von vier Wochen gewiss sein – mit der Einschränkung, sich den Mediziner nicht selbst aussuchen zu können. Doch die Frage ist: Ist dieses System wirklich ein Allheilmittel gegen die Zwei-Klassen-Gesellschaft?

Wie effektiv die regionalen Kassenarzt-Vereinigungen sein werden, die nun freie Hand bekommen, die Terminvermittlung zu gestalten, wird sich zeigen. Eine Wunderheilung ist nicht zu erwarten. Die Servicestellen sind nur eine Krücke für die Kassenpatienten im Wettstreit mit den lukrativeren Privatpatienten um einen Termin beim Augenarzt, Orthopäden oder Radiologen. Mit Schwung über die Ziellinie geht es mit dieser Gehhilfe nicht. Für den Kassenpatienten, der beim Facharzt vertröstet oder gar abgewiesen wird, ist sie zwar auf den ersten Blick eine brauchbare Lösung. Zumal sich andere Versuche, die Patienten zu steuern, wie Hausarztprinzip oder Praxisgebühr, als nicht erfolgreich erwiesen haben.

Und dennoch: Die Terminvergabe verwaltet lediglich den Mangel, vor allem auf dem Land, wo nach wie vor die Fachärzte fehlen. Die Servicestellen werden dazu die Gesundheitskosten weiter erhöhen, die am Ende die Versicherten bezahlen – so wie alle Reformen Gröhes. Eines hat er mit all seinen Vorgängern gemeinsam. Es fehlt ein Rezept für die langfristige solide Finanzierung der immer teurer werdenden guten medizinischen Versorgung der alternden Bevölkerung. Die Servicestellen sind dabei noch das Geringste.

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