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Putins heißer Krieg in Syrien

Analyse Putins heißer Krieg in Syrien

An Alepppo lässt sich wie an keiner anderen Front im syrischen Bürgerkrieg so deutlich ablesen, was der eigentliche Sinn und Zweck der russischen Intervention ist. Nicht der IS ist ihr vorrangiges Ziel. Allem Anschein nach verfährt die Achse Damaskus-Teheran-Moskau nach dem Motto: erst bomben, dann verhandeln. Eine Analyse von Stefan Koch.

Ratlos blickt die Welt auf dieses Leid. Mehrere Zehntausend Syrer stehen an der türkischen Grenze und hoffen auf Einlass. Viele von ihnen sind der Hölle von Aleppo nur knapp entkommen. Ihre Flucht markiert einen Wendepunkt in dem jahrelangen Gemetzel: Die Truppen von Baschar al-Assad drängen die Rebellen erstmals auf breiter Front zurück.

Von den zarten Hoffnungen auf einen Verhandlungsprozess bleibt nicht viel. Der internationalen Gemeinschaft wird ihre Ohnmacht vor Augen geführt: Während sich die Verteidigungsexperten aus aller Welt über Krisen und Kriege den Kopf zerbrechen, schafft Assad dank massiver russischer Hilfe Fakten. Es werden zurzeit bis zu 250 Luftangriffe auf Aleppo gezählt - Tag für Tag. An keiner anderen Front im syrischen Bürgerkrieg lässt sich so deutlich ablesen, was der eigentliche Sinn und Zweck der russischen Intervention ist. Nicht der IS ist ihr vorrangiges Ziel - zuerst nehmen die Bomber die Gegner der Regierungstruppen ins Visier. Die einstige Handelsmetropole Aleppo, die bereits vor dem Bürgerkrieg als Hort der Assad-Gegner galt, bekommt diese Strategie besonders hart zu spüren. Allem Anschein nach verfährt die Achse Damaskus-Teheran-Moskau nach dem Motto: erst bomben, dann verhandeln.

Als Partner im Anti-Terror-Kampf empfehlen sich alle drei Parteien nicht: Der Iran steht eng an der Seite der schiitischen Hisbollah-Milizen im Südlibanon und stützt nach Kräften das Assad-Regime. Auch das jüngste Atomabkommen kann in keiner Weise darüber hinwegtäuschen, dass das Regime der Strengreligiösen seinen Hass auf Israel weiterhin ungezügelt propagiert.

Moskau wiederum spielt sowohl in Syrien als auch in der Ukraine eine destruktive Rolle. Scheinbar zufällig beginnen die militärischen Offensiven immer gerade in dem Augenblick, in dem sich Lösungen am Verhandlungstisch andeuten. Dass die gegenwärtige Materialschlacht unzählige Menschenleben kostet und weitere Flüchtlingsströme in Gang setzt, nimmt der Kreml offenbar billigend in Kauf.

In Berlin wächst die Sorge, dass sich Putin in seinem harschen Kurs angesichts seiner Erfolge auf der Krim, in der Ostukraine und nun in Syrien bestätigt fühlen könnte. Und in Washington hat Pentagon-Chef Ashton Carter bekannt gegeben, die US-Militärhilfe für Osteuropa wieder massiv auszubauen. Es ist eine bedrückende Situation, dass das Lagerdenken des Kalten Krieges wieder mit Wucht in die Politik zurückkehrt.

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