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Was Darknet-Fahnder wirklich brauchen

Eine Analyse zum Schwarzmarkt im Internet Was Darknet-Fahnder wirklich brauchen

Was ist das eigentlich für ein geheimer Ort im Internet, wo Kriminelle mit Waffen, Drogen und falschen Dokumenten handeln? Jahrelang haben sich Politiker kaum für das Darknet interessiert. Nach dem Amoklauf in München ist es in aller Munde. Nach neuen Gesetzen wird gerufen. Dabei könnten andere Maßnahmen viel besser helfen. Eine Analyse von Andreas Niesmann.

Berlin. Darknet. Schon der Name klingt gefährlich. Nach düsterer Straße, schummriger Bar - nach einem Ort, den nur aufsucht, wer nichts Gutes im Schilde führt. Und dann diese Geschichten. Illegale Waffen, Drogen, Kreditkartendaten, Ausweise - selbst Auftragskiller soll man im Darknet bestellen können. Trotzdem hat sich jahrelang kaum jemand dafür interessiert. Das ist jetzt vorbei. Seit bekannt wurde, dass der Amokläufer von München seine Waffe offenbar über den vermeintlichen Hinterhof des Internets beschafft hat, steht das Thema ganz oben auf der politischen Agenda. Die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann forderte medienwirksam, den „Schwarzmarkt für Kriminelle schnellstmöglich trockenzulegen“.

So einfach sollte man es sich nicht machen. Zunächst einmal gibt es das eine Darknet gar nicht, sondern Hunderte, vielleicht Tausende. Technisch gesehen verbirgt sich hinter dem Begriff eine Netzwerkverbindung, die den Nutzern größere Anonymität garantiert. Für Regimekritiker und Menschenrechtler in Diktaturen kann das überlebensnotwendig sein. Auch Whistleblower wie der frühere CIA-Mitarbeiter Edward Snowden haben solche geschützten Verbindungen benutzt.

Die Frage nach dem Umgang mit dem Darknet ist eigentlich einfach zu beantworten. Überall dort, wo kriminelle Aktivitäten zu erkennen sind, müssen sie verfolgt werden. Das darf sich am Ende nicht gegen die Freiheitsräume des Internets richten. Und so schlimm es ist, dass der Täter von München über das Darknet an eine illegale Waffe gelangen konnte - er hätte auch andere Wege gehabt.

Es wundert daher nicht, dass das Bundeskriminalamt die Bedeutung des Darknets zurückhaltender als die Politik bewertet. Die Fahnder sind dort bereits seit 2013 unterwegs, und das durchaus mit Erfolg. Derzeit wird gegen 85 Verdächtige wegen mutmaßlichen Waffenhandels ermittelt, immer wieder gibt es Meldungen über Razzien, bei denen Betreiber illegaler Handelsplätze festgenommen wurden. So etwa im März auch in Hannover.

Schnelle und einfache Lösungen gibt es nicht: Solange das Darknet kein Massenphänomen wird, werden wir damit leben können. Statt reflexhaft nach neuen Gesetzen zu rufen, sollte die Politik lieber für genügend Personal und zeitgemäße technische Ausstattung bei den Ermittlungsbehörden sorgen. Das würde den Fahndungsdruck erhöhen und den vermeintlich anonymen Teil des Netzes weniger anonym machen.

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