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Meinung Was Syrien hilft
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02:15 07.02.2016
Von Marina Kormbaki
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Geld allein schafft keinen Frieden. Aber Geld kann helfen, das Elend zu lindern, das der syrische Bürgerkrieg über die gesamte Region gebracht hat. Die bei der Geberkonferenz für Syrien gemachten Milliardenzusagen könnten bewirken, dass die Menschen in den Flüchtlingslagern nicht mehr an Hunger und Kälte leiden. Dass die Kinder lernen und ihre Eltern einer Arbeit nachgehen können. Dafür müssen die Zusagen jedoch eingehalten werden. Die Regierungen müssen das Geld an das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen überweisen. Am besten gleich heute.

Die Erfahrung der letzten Jahre gibt jedoch Anlass zu Zweifeln. Und zu Scham. Denn von den 2015 benötigten 7,2 Milliarden Dollar ging gerade einmal die Hälfte bei den UN-Helfern ein. Sie mussten die Essensrationen in den jordanischen und libanesischen Flüchtlingslagern halbieren. Heute weiß man, dass erst die Not in den Zeltstädten viele Flüchtlinge zur Weiterreise nach Europa bewogen hat.

Doch mit den Flüchtlingen kam auch die Einsicht, zumindest bei einigen. Deutschland, Großbritannien und Norwegen haben den Ernst der Lage erkannt – diese Staaten richteten das Treffen am Donnerstag mit aus. Schon der Ort der vierten Syrien-Geberkonferenz spricht Bände. Erstmals fand sie nicht in Kuwait, sondern mitten in Europa statt, in London. Viele Europäer sehen inzwischen ein, dass der Flächenbrand in Nah- und Mittelost auch ihr Problem ist – allen voran Angela Merkel. Noch vor Beginn des Treffens sagte die Kanzlerin 2,3 Milliarden Euro für die nächsten drei Jahre zu. Merkel sendet damit auch das Signal an den zweifelnden, zaudernden Rest Europas, ihrer Flüchtlingspolitik zu vertrauen. Die Großzügigkeit der Bundesregierung resultiert nicht zuletzt aus dem Erfolgszwang, unter dem die Kanzlerin steht. Sie setzt aber auch jene Regierungen unter Zugzwang, die stets davon reden, dass man Fluchtursachen vor Ort bekämpfen müsse. Das ist ihre Chance.

In Syrien wird das Geld wenig ausrichten können. Militär und Milizen lassen kaum Hilfslieferungen zu. Doch in der gesamten Region ist die Not groß. Der Libanon, Jordanien und die Türkei haben mehr als vier Millionen Syrer aufgenommen. Die Spannungen nehmen dort stetig zu. Der Flüchtlings­andrang setzt das Gesundheits- und das Bildungssystem, den Arbeits- und den Wohnungsmarkt dieser Länder unter großen Druck. Daher war es klug von der diesjährigen Geberkonferenz, die langfristige Stabilisierung der Aufnahmeländer in den Blick zu nehmen. Denn eines steht fest: Der Krieg in Syrien wird so bald nicht beendet sein. Wer derlei Hoffnungen hegte, den belehrte der Sondergesandte der Vereinten Nationen für Syrien, Staffan de Mistura, ausgerechnet am Vorabend der Geberkonferenz eines Besseren: Die Friedensgespräche in Genf sind ausgesetzt, die verfeindeten Parteien lassen sich nicht an einen Tisch bringen. Die syrische Katastrophe findet so bald kein Ende.

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