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Was geht uns der Kampf um Pressefreiheit noch an?

Leitartikel Was geht uns der Kampf um Pressefreiheit noch an?

In der Mittwochsausgabe widmet die Hannoversche Allgemeine Zeitung dem Thema Pressefreiheit mehrere Sonderseiten. Warum? Weil dieses im Grundgesetz festgeschriebene hart erkämpfte Privileg eben keine Selbstverständlichkeit ist. Eine Analyse von Hendrik Brandt. 

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Eine Zensur findet nicht statt. 

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Was soll das? Warum widmet die Zeitung der Pressefreiheit heute so viel Platz? Rennen Journalisten bei uns da nicht mit viel Kraft offene Türen ein? Man kann diese Fragen stellen. Und man kann sie auf allen möglichen Kanälen öffentlich diskutieren, auch in der Zeitung selbst. Und genau das ist eben keine Selbstverständlichkeit, sondern die große Ausnahme in der Welt. Ein hart erarbeitetes Privileg unserer Gesellschaft, das im Grundgesetz so herrlich knapp formuliert ist: Eine Zensur findet nicht statt.

Was ja nicht bedeutet, dass journalistische Arbeit nicht kritisiert werden dürfte. Im Gegenteil. Mit der Freiheit wächst immer auch die Verantwortung für das eigene Tun und Unterlassen. Dass sich manche Journalisten bei uns damit schwertun und auch nach kleineren Remplern von Unternehmen, Behörden oder dem Publikum schnell den großen Aufschrei proben, mag hier oder da schon einmal mit einer Überhöhung der eigenen Arbeit zu tun haben.

Attacken auf die Freiheit erkennen

Zumeist aber geht es um ein altes Prinzip, das sich beim Kampf um die Freiheit bewährt hat: Wehret den Anfängen. Sicher haben die Angriffe auf Journalisten in Sachsen, Pöbeleien gegen Reporter von rechten wie linken Demonstranten oder Fußball-Schlägern überall in der Republik nicht die Dimension des wahren Terrors gegen freie Berichterstattung, den Journalisten anderswo in der Welt und sogar in Europa erleben. Zum Beispiel in der Türkei, wo mit unserem deutschen Kollegen Deniz Yücel ja unzählige weitere Publizisten in Haft sitzen oder Arbeitsverbot haben. Aber sie sind eben doch Attacken auf die Freiheit - nicht nur der Berichterstattung, sondern schnell der Gesellschaft selbst.

Gäbe es ein Handbuch für Diktatoren, stünde die Einschränkung der freien Rede und der Presse nicht zufällig weit vorn. Ein Putsch gegen die Freiheit kann nur gelingen, wenn es öffentlich keine zwei Meinungen mehr gibt. Wenn das bunte Mosaik, das Journalisten täglich zu einem neuen Bild unserer Wirklichkeit zusammenfügen, gegen eine einfarbige Fläche ausgetauscht wird. Dass so etwas auch bei uns gar nicht so weit weg ist, zeigt ein Seitenblick in den Sport: Was etwa die großen Fußballfirmen und -verbände mittlerweile vorschreiben, hat mit freiem Zugang zu Informationen nicht mehr viel zu tun. Journalisten sollen hier zu braven Tanzbären in einer großen Show gemacht werden. In der Hoffnung, dass es niemand merkt.

Pressefreiheit jedoch ist keine nette Girlande, ohne die es notfalls auch geht. Die unzensierte journalistische Arbeit bleibt eine Schwester der Demokratie: Beide sind nicht immer effizient, gehen Umwege, machen Fehler. Ihre Ergebnisse sind selten perfekt. Aber sie zeigen und sichern ein Maß an Freiheit, das unübertroffen ist. Und unbezahlbar.

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Von Redakteur Hendrik Brandt