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Wen stört der Streit in der AfD?

Analyse zum Streit in der Partei Wen stört der Streit in der AfD?

Eine Partei zerfleischt sich selbst und bietet dabei ein Schauspiel, das selbst Shakespeare sich kaum besser hätte ausdenken können. Denn den Hauptakteuren ist in dieser Schlammschlacht jedes Mittel recht. Eine Analyse von Jörg Köpke.

Berlin. William Shakespeare hätte ein solches Theater kaum besser erdenken können: Heimtücke, Lüge und Verrat prägen die AfD in diesen Tagen. Die Hauptakteure, die beiden Parteivorsitzenden Frauke Petry und Jörg Meuthen, liefern sich eine Schlammschlacht um Macht und Führung. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht, um den anderen zu beschädigen. Zwei aufgeblähte Egos, die weder der Zerfall der Bundespartei noch das Auseinanderbrechen der frisch gewählten Landtagsfraktion in Baden-Württemberg aufhalten können. Dagegen wirkt der einstige Zwist zwischen den SPD-Alphatieren Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine rückblickend geradezu harmlos.

Meuthen und Petry schrecken nicht davor zurück, Judenhass und Holocaust-Leugnung als Kulisse für ihr Ränkespiel zu benutzen. Dass der AfD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon in seinen Schriften antisemitische Thesen vertritt und den millionenfachen Mord an Juden als „gewisse Schandtaten“ verhöhnt, ist den Antipoden nicht erst seit gestern bekannt. Meuthen persönlich zeichnete im vergangenen Jahr die Landtagskandidatur Gedeons ab. Dieser sei ein „Wirrkopf“, schrieb er in einer internen Mail - mehr aber auch nicht. Den Antisemiten entdeckte Meuthen erst, als es ihm machtpolitisch ins Kalkül passte.

Vor diesem Hintergrund sollte eigentlich der Abstieg der Rechtspopulisten kaum noch aufzuhalten sein. Für jede andere Partei wäre ein derartiges Chaos, garniert mit Heimtücke und Bigotterie, das politische Todesurteil. Nicht unbedingt jedoch für die AfD. Ihre Anhänger haben schon in der Vergangenheit bewiesen, dass sie parteiinterne Machtkämpfe sowie Streit um vermeintliche Querulanten am rechten Rand nicht sonderlich abschrecken. Im Gegenteil: Grenzüberschreitungen und Tabubrüche gehören zum Lebenselixier einer Wählerschaft, die von Abstiegs- und Verlustangst, von Nationalismus und Wut gegen „die da oben“ getrieben wird. Verliert die eine Triebfeder an Spannkraft, liegt die andere schon parat. Auf den Widerstand gegen den Euro folgte die Abneigung gegen die Flüchtlinge, auf die Anti-Islam-Bewegung der Hass auf die EU.

Niemand sollte also glauben, die AfD hätte sich mit dem Stuttgarter Possenspiel schon wieder erledigt. Wer auch immer als Sieger aus dem Partei-Drama hervorgeht, wird wissen, wie er weiterhin die Bedürfnisse einer Klientel bedienen kann, die von Ängsten, Überforderung, Orientierungslosigkeit und Entfremdung geprägt ist.

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