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Wie viele Feiertage dürfen’s sein?

Analyse Wie viele Feiertage dürfen’s sein?

In Niedersachsen gibt es 9 Feiertage, in Bayern sind es 13. Besteht hier politischer Handlungsbedarf? Fest steht: Ein neuer Feiertag sollte wohlbegründet sein. Eine Analyse der Diskussion von Michael B. Berger.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Nichts zieht mitunter stärker als der Neid. Das zeigt derzeit eine überraschende Diskussion, die durch die norddeutschen Länder wabert. Im Kern geht es darum, ob es ungerecht ist, wenn der Süden der Republik durch Feiertage mehr Freizeit hat als der Norden. Oder ist es nicht eigentlich eine Debatte, die vor allem gern vor Wahlen hervorgeholt wird? Klar ist: Zwar steht Niedersachsen mit 9 Feiertagen gegenüber Bayern mit 13 hinten, im internationalen Vergleich aber eher im oberen Mittelfeld.

Was meinen Sie?

Brauchen wir einen neuen Feiertag für Frieden, Europa oder das Holocaust-Gedenken?

Nun: Die Bremer SPD hat die Diskussion angefangen. Man bräuchte einen zusätzlichen Feiertag, um sich wenigstens in diesem Punkt den Bayern anzunähern, hieß es. Dem wollte die SPD-Region Hannover nicht nachstehen. Feiertag? Auf jeden Fall, nur bitte nicht den Reformationstag nehmen, weil es schon genug kirchliche Feiertage gebe. So kam der 1. September als Weltfriedenstag zum Vorschlag. 1. September? Wir erinnern uns: der Überfall der Deutschen auf Polen. Die Grünen schlagen den 9. Mai als Europatag vor. Michael Fürst von den Jüdischen Gemeinden den 27. Januar, den Holocaustgedenktag. Die Diskussion ist eröffnet - nur die Metallarbeitgeber grätschen dazwischen und sprechen von „Opium fürs Volk“, das von den Parteien verabreicht werde.

Nun sind Feiertage eine gute Sache. Und derjenige, der es wagt, die Sinnfrage zu stellen, läuft sofort Gefahr, als Spielverderber dazustehen. Aber Feiertage kosten auch Geld, sie können betriebswirtschaftlich einen Verlust bedeuten, volkswirtschaftlich einen Gewinn. Wenn sie günstig gelegen sind - etwa im Sommer - bescheren sie der Gastronomie höhere Umsätze, während Handwerksbetriebe und Unternehmen ächzen. Der Reformationstag, der am 31. Oktober in diesem Jahr in der gesamten Bundesrepublik arbeitsfrei sein wird, könne schnell 0,1 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung kosten, haben Wirtschaftsforscher errechnet. Während andere die Streichung eines bezahlten Feiertages mit einem „Gewinn“ von mehr als drei Milliarden Euro taxieren. Aber es geht ja nicht um Streichung, sondern um Vermehrung.

In jedem Fall ist die Einführung eines weiteren Feiertages billig - für die Politik, da sie eine Rechnung zulasten Dritter aufmacht. Man darf gespannt sein, mit welchen Argumenten Niedersachsens SPD einen weiteren Feiertag begründet, nachdem sie vor Kurzem einen CDU-Vorschlag dazu abgelehnt hat. Die Politik macht es sich zu einfach, wenn sie sich jetzt mit immer neuen Vorschlägen überbietet - und die Wähler durchschauen das im Übrigen auch.

Jeder neue Feiertag muss gut begründet sein. Wenigstens das. Wenn es partout ein neuer Feiertag sein soll: Warum nicht den Holocaustgedenktag, der jenseits billiger Begründungen liegt? Er passt zumindest zum „Buß- und Bettag“, der für die Pflegeversicherung vor 22 Jahren abgeschafft wurde.

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