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Warum der Lieferstreik an Erpressung grenzt

Analyse des Lieferstreiks bei VW Warum der Lieferstreik an Erpressung grenzt

Der Streit mit der Zulieferergruppe Prevent hat bei Volkswagen Spuren hinterlassen, da der Disput öffentlich ausgetragen wurde. Doch der Lieferstreik grenzt an Erpressung und darf auf keinen Fall Schule machen. Eine Analyse von Lars Ruzic.

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Wolfsburg. Das Thema kam und ging wie ein Hurrikan. Die ersten Sturmausläufer zeigten sich erst kurz vorher, plötzlich befand sich Deutschlands größtes Unternehmen im Auge des Orkans. Und nun ist er vorübergezogen – und vieles wird nicht mehr so sein wie vorher. Nicht nur bei Volkswagen.

Der Streit mit der bosnisch-deutschen Zulieferergruppe Prevent hat Außenstehenden einen Einblick gewährt in das spannungsgeladene Verhältnis zwischen Lieferant und Einkäufer, zwischen Mittelständler und Großkonzern. Dass beide Seiten aneinander geraten, kommt nicht selten vor – längst nicht nur in der Autoindustrie. Nur bleiben die Streitigkeiten meist in den Hinterzimmern.

Das macht diesen Fall so besonders. Hier hat ein Zulieferer die Eskalation ganz bewusst auf die Spitze getrieben. Unter Nichtbeachtung richterlicher Anordnungen. Bis zum Produktionsstillstand bei seinem Kunden mit Zehntausenden betroffenen Mitarbeitern. Auf das Risiko hin, dass er damit nicht nur bei Volkswagen, sondern in der gesamten Autoindustrie auf Jahre verbrannt ist. Und hat damit – zumindest kurzfristig – sogar Erfolg. Schon deshalb alle Einkäufer und Lieferanten ihre Lehren aus diesem Vorgang ziehen.

Ein erpresserischer Lieferstreik am Rande der Legalität darf keine Schule machen, da hat Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil Recht. Ein solches Verhalten hat nicht nur in der extrem verflochtenen und strikt durchgetakteten Autoindustrie nichts verloren, sondern am gesamten Standort Deutschland. Und doch kann man es nicht allein bei der Verurteilung eines Zulieferers belassen, der mit dem Hurrikan, den er ausgelöst hat, wieder aus dem öffentlichen Interesse verschwinden wird.

In den Hinterzimmern sind es in der Regel die Autohersteller, die ihre Machtposition voll ausspielen – jährlich neue Preisnachlässe fordern, Lieferanten zu millionenschweren Vorleistungen zwingen, sie am Ende gegeneinander ausspielen und es mitunter mit der eigenen Zahlungsmoral nicht so eng sehen. Hunderttausende gut bezahlte Beschäftigte in der Heimat – auch das gehört zur Wahrheit – können sich VW und Co. nur leisten, weil sie bei ihren Lieferanten sparen. Die sind mit der Produktion einfacher Komponenten längst in Niedriglohnländer weitergezogen. So langsam ist aber auch diese Zitrone ausgepresst. Wenn die Autobauer ihre Macht über Gebühr missbrauchen, drohen ihnen weitere Stürme der Art, wie sie VW gerade erlebt hat.     

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